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Flüchtlinge im Taunus: Auf Sicht durch die Krise

Von Im Januar noch 63 000, im März „nur“ noch 20 000 – die Zahl der Flüchtlinge, die bis nach Deutschland durchkommen, sinkt. Atempause oder Trendwende? Und was bedeutet das für Königstein? Viele Fragen, auf die die Bevölkerung gerne eine verlässliche Antwort hätte. Allein die Verantwortlichen von Stadt und Kreis blicken selbst fragend „nach oben“ in Erwartung neuer Zahlen.
Königstein. 

„Wir müssen aktuell auf Sicht fahren“, lautet die Vorgabe von Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), wenn es darum geht, die Stadt durch die Folgen der Flüchtlingskrise zu navigieren. Glücklich sei er darüber keineswegs, räumt der Königsteiner Rathauschef auf Nachfrage der TZ unumwunden ein. Zumal die Situation derzeit so undurchsichtig sei, dass man nicht einmal absehen könne, was im nächsten Monat auf Königstein zukomme.

Was man sagen könne, so der Rathauschef, sei, dass die Flüchtlingszahl, die laut Prognose eigentlich schon bis Ostern in der Kurstadt unterzubringen gewesen wäre, bei weitem noch nicht erreicht sei.

Helm: „Statt der avisierten 320 Asylbewerber leben derzeit rund 170 in der Stadt.“ Dieser Wert sei seit geraumer Zeit relativ stabil, auch wenn es innerhalb des Flüchtlingskontingents natürlich einiges an Fluktuation gegeben habe.

Dass sich die Prognose bislang nicht bewahrheitet habe, sei auf zwei Faktoren zurückzuführen. Zum einen sei da natürlich die deutlich sinkende Zahl der Flüchtlinge, die nach der Schließung der Balkangrenze überhaupt noch bis nach Deutschland durchkämen. Zum anderen sei die Zahl der Zuweisungen nach Königstein auch deshalb noch nicht erhöht worden, weil die neuen Unterkünfte der Stadt im „Haus Michael“ und der geplante Neubau am Kaltenborn nicht fertig seien.

Warten auf Genehmigung

Während im Haus Michael in der Kallerstraße laut Helm nur noch Endarbeiten zu leisten seien und die Belegung in den nächsten Wochen beginnen könne, warte man beim Bau der Micro-Appartements am Kaltenborn noch auf die Baugenehmigung des Kreises. Der sehe, so der Königsteiner Rathauschef, noch Nachbesserungsbedarf beim Lärmschutz, soll heißen: Man sieht die künftigen Bewohner nicht ausreichend vor dem Lärm von der B 8 geschützt.

Bauantrag für 166 Flüchtlinge ist da, Magistrat will ...

Gleiche Stadt, andere Baustelle – rein formal gilt das für die geplante Schaffung einer Flüchtlingsunterkunft auf einem ehemaligen Firmengelände am Königsteiner „Forellenweg“.

clearing

Helm: „Mit Inbetriebnahme des Hauses Michael werden wir dann also 220 Asylbewerber beherbergen können, in gut drei Monaten können am Kaltenborn weitere 100 Personen untergebracht werden.“

Können ja – aber auch müssen? Was, wenn die Zahl der Flüchtlinge konstant sinkt, läuft die Stadt dann nicht Gefahr, Überkapazitäten zu schaffen? Helm: „Da geht es uns derzeit nicht anders als allen anderen Bürgern. Wir warten auf Signale von oben. Unser letzter Stand ist, dass die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende in Königstein auf 600 steigen könnte.“ Die Zahl allerdings stamme noch aus der Hochphase der Flüchtlingskrise. Neue Prognosen werden für die nächsten Wochen erwartet.

Plan B im Sinn

Vieles, so der Rathauschef, sei im Fluss. Das mache das Arbeiten und vorausschauende Planen mehr als schwer. Umso wichtiger sei es, in die Planungen auch Varianten einzubinden, wie die Unterkünfte für den Fall genützt würden, dass die Flüchtlingszahlen dauerhaft hinter den jüngsten Prognosen zurückbleiben und der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren spürbar sinkt.

Mit Blick auf die städtischen Liegenschaften (zu den kreisseitigen Planungen am Forellenweg siehe „ZUM THEMA“) würde das laut Helm zur Folge haben, dass zunächst die Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Gasselink-Gelände geschlossen würde und das Areal – wie schon lange geplant – als Betriebshof genutzt werde. Ein zweiter Schritt wäre die Umnutzung der geplanten Micro-Appartements am Kaltenborn. Helm: „Wir sind hier von Anfang an so an die Planungen herangegangen, dass wir dieses Gebäude später auch als günstigen Wohnraum für die Menschen mit geringeren Einkommen nutzen können.“

Last, but not least wäre dann noch das Haus Michael. Sollte auch das irgendwann nicht mehr für die Unterbringung von Asylbewerbern benötigt werden, könnte es, so Helms Gedankengang, als Jugendherberge respektive Bleibe auf Zeit für Handwerker genutzt oder auch als werthaltiges Baugrundstück wieder verkauft werden.

Das allerdings, darauf weist der Rathauschef hin, sei alles Zukunftsmusik. Auf der Basis der bislang vorliegenden Zahlen und der nach wie vor sehr schwer zu beurteilenden Entwicklung der Flüchtlingskrise in den nächsten Monaten sei die Stadt vielmehr gefordert, sich nach weiteren Unterkünften für Flüchtlinge in der Stadt umzusehen. So habe die Verwaltung unter anderem ein Gelände in Schneidhain in die nähere Betrachtung gezogen. Ob dieses Areal und sogar noch weitere auch benötigt würden, müsse sich in den kommenden Monaten zeigen.

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