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Kelterei mit Gastronomie: Bürger sagen Nein zu den Plänen der Landwirtsfamilie Steden

Von Die Familie Steden will neben ihrer landwirtschaftlich genutzten Halle an der verlängerten Freiligrathstraße eine Kelterei plus Gastronomie sowie ein Wohnhaus bauen. Viele Anlieger des Quartiers sehen das kritisch. Bei einem Bürgerdialog trafen beide Seiten am Mittwoch aufeinander.
Valentin (l.) und Florian Steden haben große Pläne für eine Kelterei plus Gastronomie an der verlängerten Freiligrathstraße. Foto: Jochen Reichwein Valentin (l.) und Florian Steden haben große Pläne für eine Kelterei plus Gastronomie an der verlängerten Freiligrathstraße.
Oberursel. 

Es braucht keine Abstimmung, um das Votum zu erkennen. Wer die vielen Wortbeiträge aus dem Publikum, den Beifall für diese, das Raunen und mitunter auch das höhnische Lachen hört, weiß: Das Vorhaben der Landwirtsfamilie Steden, an der verlängerten Freiligrathstraße eine Kelterei samt Gastronomie und Wohnhaus zu errichten, findet hier keine Fürsprecher.

Der große Sitzungssaal im Rathaus ist am Mittwochabend voll besetzt, die Stadt spricht von etwa 180 Besuchern. Der Bürgerdialog zum Bebauungsplan „Aussiedlung Kelterei“, der das Steden-Projekt ermöglichen soll, interessiert viele Anlieger, aber auch andere Oberurseler. Er dauert knapp drei Stunden.

Das Thema wird schon länger diskutiert – in Gremien und in einer Bürgerinitiative ebenso wie in sozialen Netzwerken. In Letzteren „nicht immer sachlich“, meint Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). Verwaltung und Politik unterstützen die Stedens.

Marketing oder Dialog?

Die Brüder Florian und Valentin Steden, 30 und knapp 28 Jahre alt, sehen an der verlängerten Freiligrathstraße ihre Zukunft, wollen in einer Schaukelterei die „Wertschöpfungskette“ des Apfels zeigen, „der jungen Generation die Landwirtschaft näherbringen“, sagt Florian Steden. Brum spricht von „Identitätsstiftung“ für Oberursel, von der Kultur der Streuobstwiese und von einem Treffpunkt.

Info: Bis 28. September Stellungnahmen abgeben

Der sogenannte vorhabenbezogene Bebauungsplan, der die Ansiedlung der Kelterei ermöglichen soll, ist noch nicht fertig. Vor der Sommerpause haben die Stadtverordneten bei Enthaltung der Grünen erst den Vorentwurf beschlossen.

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„Sind wir hier auf einer Marketing-Veranstaltung oder bei einem Bürgerdialog?“, ärgert sich ein Zuhörer. Ein anderer wird später von einem „hübsch gestrickten Mäntelchen“ reden – dabei gehe es ums Geldverdienen. „Was Sie hier heute erzählen, ist die reinste Märchenstunde“, sagt Herold Binsack in Richtung derjenigen, die das Projekt vorstellen. Das sind außer Brum und den Stedens Arnold Richter, Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Stadtentwicklung, sowie dessen Kollegin Anja Littig.

Bitte per Rad kommen

Vieles von dem, was sie sagen, wird angezweifelt – zum Beispiel die Belastbarkeit vorgelegter Zahlen. Intensiv wird über Verkehrsfragen diskutiert, denn außer Lärm ist eine zusätzliche Belastung durch Autos und Lastwagen das, was die Anlieger am meisten fürchten. Nach Zahlen der Stadt ist an einem normalen Werktag mit etwa 300 zusätzlichen Autofahrten zu rechnen, wenn das Lokal geöffnet ist. Kalkuliert wurde mit 120 Sitzplätzen innen; die größere Außengastronomie ist nicht berücksichtigt.

Die Stedens und die Planer streben an, dass viele Besucher mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen; Bürger wollen daran nicht so recht glauben. Die Freiligrathstraße und deren Verlängerung sollen nicht ausgebaut werden, versichert Richter. Lediglich eine Verengung ist geplant: an der Stelle, an der die Zufahrt zu einem Parkplatz mit bis zu 36 Stellflächen liegt. Dahinter soll kein Auto mehr fahren.

„Wo parken die, die keinen Parkplatz kriegen?“, fragt Heiko Theiß. „Am Wochenende und in den Sommerferien haben wir schon jetzt ,Brunnenfest-Beparkung‘“, sagt Annegret Calmano. Auch Nutzer der Kleingärten an der Freiligrathstraße kommen mit dem Auto. Wie viele andere Besucher macht sich Calmano Gedanken um die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern.

Was ist mit Anlieferverkehr per Lkw? Der soll – und das ist für alle im Saal neu – über die Drei Hasen und die sogenannte Hessentagsstraße geführt werden. Doch auch das findet keine ungeteilte Zustimmung. Manche fürchten einen Ausbau oder eine „Rundstrecke“.

Gegen Ende des Abends gibt es aus dem Publikum einen Tipp in Richtung Familie Steden: die Kelterei ohne Gastronomie zu bauen. Dann fiele den Anliegern eine Zustimmung leichter. Florian Steden ist zwar weiter an einer Einigung mit den Anwohnern interessiert, will aber am Lokal festhalten, wie er auf Anfrage dieser Zeitung sagt. Ohne gesicherten Absatz wäre die Kelterei unwirtschaftlich.

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