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Heilig Kreuz: Burgholzhausener Kirche ist eine barocke Schönheit

Die katholische Kirche Heilig Kreuz hat nicht nur ein repräsentatives Wappen über dem Hauptportal. Eine Kuppel krönt den Bau. Und im Inneren finden sich ein außergewöhnlicher Barockaltar – und eine Gruft.
Ein Puttenengel an der Kanzel der Katholischen Kirche Heilig Kreuz. Ein Puttenengel an der Kanzel der Katholischen Kirche Heilig Kreuz.
Burgholzhausen. 

Die katholische Kirche Heilig Kreuz ist ein kleines Barock-Juwel. Vor 300 Jahren wurde sie gebaut und am 1. Juli 1718 gesegnet. Geweiht dagegen wurde sie erst zehn Jahre später, am 27. Juni 1728 – zu Ehren des Heiligen Kreuzes. Stadtarchivarin Erika Dittrich weist auf einen zierlichen, aber üppig verzierten, Rokoko-Reliquiar hin, der links vom seitlichen Eingang in einer Nische steht. Ein kleiner Holzsplitter wird darin aufbewahrt. Er soll zu dem Kreuz gehört haben, an dem Jesus Christus gestorben ist.

„Die Kirche hat Zentralbau-Charakter, und der Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes mit verkürzten Seitenarmen“, erklärt sie. Dass eine kleine Dorfkirche eine Kuppel habe, sei selten. „Sie gehört zu den höchsten architektonischen Formen.“ Gekrönt wird sie von einer steinernen Laterne. Auch die aufwendig ausgeführten toskanischen Pilaster, Teilpfeiler, an der Außenwand seien besonders. „Ähnliche Kirchen findet man erst wieder im Spessart und in Norddeutschland“, erklärt sie.

„Der Ortsherr, der die Kirche bauen ließ, war der in Aschaffenburg geborene Franz Adolf Dietrich von Ingelheim, Reichsfreiherr, Pfalz- und Reichsgraf, genannt Echter von und zu Mespelbrunn.“ Er war verheiratet mit Ursula Kämmerin von Worms, Freiin von Dalberg. 22 Kinder hatte das Paar. Das Allianzwappen der Eheleute prangt wuchtig über dem Hauptportal der Kirche. Es ist umgeben von Blüten und Ranken und trägt eine Standeskrone. Unten in der Mitte sieht man einen Puttenengel. „Typisch barockes Beiwerk“, erklärt Dittrich.

Reliquien aufbewahrt

Zahlreiche geflügelte Engelsköpfchen zieren auch den reich geschnitzten barocken Hochalter. „Der mündlichen Überlieferung nach soll er aus dem Spessart stammen.“ Warum der Unterbau aussieht, wie ein Sarkophag? „Das findet man oft, weil darin Reliquien aufbewahrt werden, in diesem Fall von der Heiligen Ursula“, sagt Dittrich. In der unteren Zone, direkt über dem Sarkophag auf einem Türchen, tragen zwei Putten einen goldenen Kelch mit geweihter Hostie von der goldene Strahlen ausgehen. „Der Expositionstabernakel ist typisch für die Gegenreformation. Hinter dem Türchen befindet sich das Allerheiligste, die geweihte Hostie, die durch die Wandlung der Leib des Herrn geworden ist.“

Eine Etage höher ist die Heilige Familie zu sehen: Maria und Josef mit dem Christuskind. „Auch das ist typisch für die Gegenreformation.“ Die Bedeutung: „Die Eltern geben den Glauben an die Kinder weiter.“ Ganz über allem thront ein bärtiger älterer Mann: „Gottvater nach den Visionen Daniels.“ Das Dreieck hinter seinem Kopf ist kein Heiligenschein, sondern das Symbol für die Dreieinigkeit. Die Trinität erkennt der Betrachter, wenn er den Blick des Gottvaters in einer Achse den Altar entlang nach unten wandern lässt: In der Mitte steht wieder das Christuskind, der Sohn also und darunter die Taube, die für den Heiligen Geist steht. „Nichts ist zufällig, jedes Element hat eine symbolische Bedeutung“, erklärt Dittrich. „Das gilt auch für die Schleierbretter, die die Altaretagen miteinander verbinden. Die geschnitzten Weintrauben stehen für das Blut, das Christus für die Menschen vergossen hat.“

Die Statue links vom Altar stellt den Heiligen Johannes Nepomuk dar. „Er symbolisiert das Beichtgeheimnis.“ Der Legende nach war er Beichtvater der Frau König Wenzels IV. von Deutschland und Böhmen. Der König wollte wissen, was sie gebeichtet hatte. Aber Nepomuk verriet nichts. Zur Strafe ließ ihn der König in der Moldau ertränken. Die fünf Sterne um den Statuen-Kopf stehen für die Buchstaben des lateinischen Wortes „tacui“ (ich habe geschwiegen). Rechts vom Altar befindet sich eine Statue des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola. „Die beiden Statuen im Querschiff, die in Richtung Altar blicken, stammen aus dem 19. Jahrhundert: Sie stellen Johannes den Täufer und den Heiligen Aloisius dar.“

Orgel aus 19. Jahrhundert

Sogar eine Gruft gibt es in der Kirche. Auf einer Platte im Mittelgang vor dem erhöhten Altarbereich sind die Namen zweier Pfarrer zu lesen, die im 18. Jahrhundert hier gewirkt haben: Johannes Jacobus Möglich und Johannes Conradus Gnau II. „Die Orgel-Empore mit kostbarer Dreymann-Orgel ist aus dem 19. Jahrhundert“, so Dittrich.

Die Buntglasfenster wurden um 1912 eingebaut. „Im Barock gab es kein Buntglas. Man wollte helle, Räume, denn man glaubte, das göttliche Licht habe reinigende Kraft.“ Wichtig sei auch das Material: „Eine katholische Kirche muss aus Stein sein, Fachwerk wäre nicht möglich“, sagt Dittrich. Mit den zwölf auf die Wand gemalten Weihekreuzen spreche man Steine an. „Sie stehen für die zwölf Apostel.“

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