E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 18°C

Erdbeerfest: Burgstadt feiert die Kult-Beere

Beim Erdbeerfest in Kronberg drehte sich am Wochenende wieder alles um die leckeren Früchtchen. Zudem lockte der verkaufsoffene Sonntag einschließlich vieler Aktionen die Besucher nach Kronberg.
Für den Nachwuchs ging es auf der Rollenrutsche nach unten. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Für den Nachwuchs ging es auf der Rollenrutsche nach unten.
Kronberg. 

Die zuckersüße „Liliput“ muss schon ein ganz besonderes Früchtchen gewesen sein. Zumindest, wenn man einem Werbeblatt von 1914 vertraut. Auf dem wird die Erdbeere als tiefrot, vollfleischig und auf dem Gaumen dahin schmelzend beschrieben. Der Geschmack soll wundervoll, süß, würzig und angenehm gewesen sein.

Ein ganzes Beet davon sei für Kinder ein entzückendes und willkommenes Geschenk, schmierten die Marketingstrategen den Kunden schon vor 100 Jahren Erdbeermarmelade um die Zuckerschnute. Als „zyklopenhaft, gewaltig und massig“ hingegen wurde damals die Sorte „Roter Elefant“ angeboten. Kompakt, rundlich, zuweilen kantig, rubinrot ohne helle Spitze. Weitere Obst-Optionen mit skurrilen Namen waren Madame Moutôt, die Edeldame, Sahara oder Quasimodo.

Einst ein Exportschlager

Woher man das heute so genau weiß? Das stand so in den „Erdbeerneuheiten“ – 1914 eine Art Fachmagazin für die Früchtchen und am Wochenende einer der Hingucker in einer kleinen Ausstellung auf der Burg. Zum Erdbeerfest samt verkaufsoffenem Sonntag zusammengestellt, konnten sich die Besucher hier ein Bild davon, welch große Rolle die Erdbeere einst für Kronberger Obstbauern spielte.

1880 wurde in der Burgstadt im großen Stil mit dem erwerbsmäßigen Anbau der Rosengewächse begonnen. Am 17. Juni 1928 fand der erste Erdbeermarkt statt. Diese goldenen Zeiten der roten Verführerin sind zwar längst Geschichte. Heute ist die Kronberger Erdbeere sogar vom Aussterben bedroht. Gefeiert wird sie einmal im Jahr beim Erdbeerfest in der Altstadt aber trotzdem. Und das so variantenreich, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollt.

Eigentlich eine Nuss

Schon lange kommt sie nicht mehr nur in die Bowle, den Kuchen, die Marmelade, das Eis oder den Joghurt. „Man kann aus Erdbeeren viel machen. Sie sind äußerst vielseitig verwendbar“, betont Dan Schweizer. An seinem Stand von La Tarte Carree gibt es da zum Beispiel eine kleine Tarte mit einer Kombination aus Passionsfrucht und Erdbeere oder aus Zitrone und Erdbeere. Dazu Erdbeer-Tiramisu und erfrischende Quarkspeisen mit Erdbeerstückchen und Mark. Zwar hat Dan Schweizer die Erdbeeren in Kronberg gekauft, ob es sich aber tatsächlich um „Kronberger Erdbeeren“ handelt, weiß er nicht. „Ich achte auf Qualität.“ Auf das Aroma kommt es ihm an. Ob der Vielseitigkeit der leckeren Frucht, die eigentlich eine Scheinfrucht ist und botanisch bei den Nüssen anzusiedeln ist, bekommt Schweizer die Erdbeere „nicht satt“.

Das kann auch Sandra Naumann vom Kindergarten St. Peter und Paul bestätigen. Die Vorsitzende des Elternbeirats ist von der Erdbeere „begeistert“. Ebenso wie die sie unterstützenden Mütter und Kinder am Stand des Kindergartens. „Ich glaube schon, dass wir fast ausschließlich Kronberger Erdbeeren haben. Die Eltern hatten den Auftrag, davon eine Menge zu besorgen.“

Während Sandra Naumann dies erzählt, wird auf einem Fahrrad-Shaker munter Erdbeer-Smoothie produziert. Somit ist nicht nur das Produkt gesund, sondern auch die eigentliche Produktion. „Einer unsere Mütter hat so etwas in der Schweiz gesehen. Vier Väter haben sich zusammengetan und so lange getüftelt, bis über Pedale der Shaker betrieben werden konnte“, plaudert Sandra Naumann. Vor allem die Kinder hatten an der Smoothie-Produktion eine Menge Spaß und traten dafür gerne kräftig in die Pedale.

Die Illusion von der richtigen Kronberger Erdbeere wird allerdings durch Torsten Meyer vom Hofgut Hohenwald „fast zerstört“. „Die richtigen Kronberger Erdbeeren gibt es nicht mehr“, konstatiert er sachlich. Zwar würden noch Früchte in Kronberg angebaut. Aber nicht mehr in den Massen wie früher. Die große Nachfrage erfordere mittlerweile ein Ausweichen in die Region. Und, es müssten mittlerweile Sorten gezüchtet werden, die mit den heutigen klimatischen Verhältnissen besser zu recht kämen. Doch auch, wenn die Erdbeersaison sich schon fast dem Ende neigt, bekommt auch Torsten Meyer nicht genug vom Genuss. Allerdings sei die Sorte entscheidend für das, was man aus der Frucht machen wolle. Nicht jede Sorte eigne sich für alles. juba

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen