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Deutschlandweit baut die Telekom öffentliche Telefone ab: Das Aussterben der "Einzeller" - auch in Friedrichsdorf

Von Die Zeit der Telefonzellen und Telefonsäulen ist vorbei. Sie sind dem Mobiltelefon zum Opfer gefallen. Auch in Friedrichsdorf sollen die letzten öffentlichen Fernsprecher jetzt verschwinden – bis auf eine Ausnahme.
Ausrangierte Telefonzellen finden zwar immer noch Anschluss – allerdings zum Mitlesern und nicht zum Zuhörern. Foto: Matthias Reichwein Ausrangierte Telefonzellen finden zwar immer noch Anschluss – allerdings zum Mitlesern und nicht zum Zuhörern.
Friedrichsdorf.  Superman hätte es heute schwer. Wenn er früher in seine Superhelden-Kluft steigen musste, um einmal mehr die Welt zu retten, konnte er sich auf eines verlassen: Zur nächsten Telefonzelle war es bestimmt nicht weit. In ihnen konnte sich der unscheinbare Reporter Clark Kent in Ruhe Hornbrille und Hemd ausziehen und verwandelte sich in den fliegenden Weltenretter mit der roten Unterhose. Diese Zeiten sind aber nicht nur in den Comics längst Geschichte: Langsam, aber sicher verschwinden auch die letzten öffentlichen Telefone aus den Städten. In Friedrichsdorf soll es bald nur noch einen einzigen dieser Freisprecher geben. Und eine verbliebene „Umkleidekabine“ für Superman.

Der Bildschirm der Telefonsäule in der Bahnstraße ist bereits halbblind: Erst wenn man den vergilbten pinken Hörer abnimmt, springt das Display überhaupt wieder an. Gluckernd bettelt das Telefon um ein paar Münzen. Vergeblich, daher soll sie bald weggeschafft werden. „Die Telefonzellen in Friedrichsdorf sind einfach unwirtschaftlich“, erklärt Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). „Das liegt am Trend, am Zeitgeist. Jeder telefoniert heute mit seinem Handy und einer Flatrate.“ Er selbst setzt seit mehr als 20 Jahren auf Mobiltelefone: Das letzte Mal, dass er in einer Telefonzelle telefoniert habe, sei noch länger her, erzählt er. „Am Anfang haben wir um jedes öffentliche Telefon gekämpft“, sagt Burghardt. „Schnell haben wir aber erkannt: Das macht keinen Sinn mehr.“

Bloß wenige Hundert Meter entfernt vom alten Bahngebäude steht am Houiller Platz das einzige öffentliche Friedrichsdorfer Telefon, das vorerst überleben soll. Die drei übrigen, in der Bahnhofstraße, der Hugenottenstraße und der Köpperner Straße, baue man derzeit ab, schreibt die Telekom. Warum der Houiller Platz bestehen bleiben soll, zeigen ironischerweise vier kleine Balken auf dem Smartphone. „Die Telefonsäule ist auch ein Hotspot für WLAN“, erklärt Bürgermeister Burghard.

Vorbei die Zeit der großen gelben Kisten. Die Telefonzelle von heute ist eine schmale Metall-Säule. Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein
Vorbei die Zeit der großen gelben Kisten. Die Telefonzelle von heute ist eine schmale Metall-Säule.

In ganz Deutschland sind noch rund 20 000 Telefonzellen in Betrieb – fast alle gehören der Telekom. Vor gerade einmal 20 Jahren, in der „Blütezeit“, wie die Telekom selbst es nennt, waren es noch mehr als 160 000 öffentliche Telefonstandorte. Doch das Mobiltelefon brachte die große Revolution: Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der öffentlichen Telefonstellen kontinuierlich ab. Die stationären Telefone werden nicht mehr gebraucht: Statistisch gesehen, gibt es inzwischen mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner in Deutschland. Fast jeder hat mittlerweile ein Handy, 54 Millionen Menschen im Alter ab 14 Jahren haben ein Smartphone. Einige Telefone der Telekom hingegen akzeptieren sogar noch Deutsche-Mark-Münzen.

Wiedergeburt

Die klassisch-kultige Telefonzelle ist zwar auf dem Rückzug, gänzlich aus der Welt ist sie aber noch lange nicht. Deutschlandweit haben etliche Städte alte Telefonhäuschen zu öffentlichen Bücherschränken

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„Allein der Kunde entscheidet durch sein Nutzungsverhalten selbst darüber, wo und in welcher Anzahl öffentliche Telefone zur Verfügung stehen“, schreibt die Telekom. Anders ausgedrückt heißt das: Über das Mobiltelefon kann heute jeder fast immer und überall telefonieren – niemand muss sich mehr in eine Telefonzelle zwängen oder an einer der neueren Telefonsäulen frieren, um jemanden anzurufen. Auch der Schutz für die Privatsphäre, den eine Kabine bietet, wird nicht mehr gebraucht: Private Gespräche in der vollen Bahn sind für viele Menschen heute Alltag.

Wenn die jeweilige Kommune und die Bundesnetzagentur also einverstanden sind, baut die Telekom deshalb die „extrem unwirtschaftlichen Standorte“ ab“. Eine Telefonzelle gilt für die Telekom als unwirtschaftlich, wenn ihr Umsatz weniger als 50 Euro im Monat beträgt. Unternehmerisch noch sinnvoll kann ein öffentliches Telefon beispielsweise an einem großen Bahnhof oder einem Flughafen sein.

In der Stadt des Telefon-Erfinders Philipp Reis hätte Superman deshalb genaugenommen nur noch eine Möglichkeit, sich umzuziehen. Die englische Telefonzelle vor dem Rathaus. Und selbst das könnte schwierig werden: Dort ist schon seit Jahren eine Mini-Bücherei eingezogen.

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