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Kommentar: Das Comeback der Liberalen

Die FDP ist der große Gewinner im Taunus, kommentiert Matthias Kliem, Lokalchef der Taunus-Zeitung.
<span></span> Foto: (FNP)

Der Taunus hat keine Rolle gespielt. Selten hatte eine Bundestagswahl so wenig Lokalkolorit wie der Urnengang am Sonntag. Lässt man das offensichtliche Bemühen der Liberalen, sich als Windkraftgegner einzuschmeicheln, mal außen vor, dann gab es im Wahlkampf eigentlich kein Thema, das die lokalen Verhältnisse im Taunus konkret und unmittelbar betraf und das vom Ausgang der Bundestagswahl abhängig gewesen wäre.

Strittige Straßenprojekte wie der Ausbau der Saalburgchaussee oder die B8-Umgehung bei Königstein und Glashütten wurden – im Gegensatz zu früheren Wahlen – nicht aufgerufen. Und es wäre auch müßig gewesen, nachdem der Bundesverkehrswegeplan, der die förderungswürdigen Maßnahmen bis 2030 festlegt, ja erst kürzlich neu aufgelegt wurde.

Aus der lokalen Perspektive war es daher die politischste Bundestagswahl seit langem. Die Bürger – im Taunus waren es wieder erfreulich viele, die wählen gingen – haben ihre Entscheidung in erster Linie von gesellschaftlichen Fragen abhängig gemacht. Das unterscheidet sich nicht von anderen Teilen der Republik, und dementsprechend hat auch der Hochtaunus-Wähler CDU und SPD ein Debakel beschert. Zwar konnte die Union mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Koob traditionell wieder das Direktmandat im Hochtaunus-Wahlkreis 176 abräumen, aber das kann die Christdemokraten mitnichten zufrieden stimmen. Der Blick auf die massiven Verluste jedenfalls zeigt bei beiden großen Parteien ein Schreckensbild.

Liberale sind der große Gewinner im Taunus

Während Grüne und Linke ihre Ergebnisse von 2013 im Großen und Ganzen bestätigten, hat die AfD erwartungsgemäß auch in unseren heimischen Wahlkreisen zugelegt. Doch die vermeintliche Alternative hat mitnichten das markanteste Ergebnis dieser Wahl geliefert und ist verglichen mit bisherigen Ergebnissen keineswegs durch die Decke geschossen. Zur dritten Kraft hat es im Hochtaunus jedenfalls nicht gereicht – und das liegt ganz maßgeblich am Abschneiden der FDP.

Die Liberalen sind der große Gewinner im Taunus. Sie haben sich von dem Debakel vor vier Jahren, als sie ihr Stück von Kuchen mehr als halbiert hatten und plötzlich einstellig waren, bestens erholt. Nicht nur in Kronberg und Königstein, wo die Liberalen schon vor ihrem Absturz über viele Jahre eine Hochburg hatten, sind sie zur zweitstärksten Kraft aufgestiegen, sondern anno 2017 sogar in Bad Homburg.

Auf der Suche nach Erklärungen gelangt man zwangsläufig wieder ins christ- und sozialdemokratische Jammertal. Das Hadern mit der großen Koalition in Berlin hat die Unzufriedenen ganz offensichtlich in einem stärkeren Maß zur FDP getrieben als zur AfD. Dass unzufriedene Taunus-Wähler sich für eine liberale Alternative entschieden haben, muss in diesen Tagen als erfreuliches Signal verstanden werden. Alles andere würde einer Region, die sich so gerne weltoffen, tolerant und international zeigt und die bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise so vorbildlich agierte, auch nicht gut zu Gesicht stehen.

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