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Buch: Kaiser Wilhelm II. als Protagonisten seiner Zeit: Das Sinnbild einer ganzen Epoche

Eine hochkarätige Vortragsreihe in Bad Homburg erweiterte die Sicht auf Kaiser Wilhelm II. über die Kriegsschuldfrage hinaus auf die vielgestaltigen Entwicklungen seiner Epoche. Jetzt wurde das Buch zur Reihe vorgelegt.
Friedl Brunckhorst Bilder > Friedl Brunckhorst
Bad Homburg. 

„Niemals zuvor hat so vollkommen ein sinnbildlicher Mensch sich in der Epoche, eine Epoche sich im Menschen gespiegelt.“ Diese Charakterisierung Kaiser Wilhelms II. und seiner Zeit traf 1919 der spätere Reichsaußenminister Walter Rathenau in seinem Buch „Der Kaiser“. An diese Fokussierung einer ganzen Epoche auf eine Person erinnerte Dr. Friedl Brunckhorst jetzt bei der Präsentation des von ihr mit herausgegebenen Sammelbandes „Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit“.

Unter diesem Titel stand vor zwei Jahren eine 13-teilige Vortragsreihe im Bad Homburger Schloss. Referenten verschiedener wissenschaftlicher Gebiete – unter ihnen Christopher Clark und John Röhl – zeichneten aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein umfassendes und differenziertes Bild des schillernden Charakters des letzten deutschen Kaisers sowie von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Religion, Kunst und Kultur seiner Epoche am Vorabend des Ersten Weltkriegs (TZ berichtete). Jetzt liegt das Buch zur Vortragsreihe vor.

Im Bad Homburger Schloss stellten die Herausgeber – Dr. Friedl Brunckhorst, die ehemalige Leiterin des Fachgebiets Museen der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, und Karl Weber, Direktor der Hessischen Schlösserverwaltung – den 360 Seiten umfassenden, reich bebilderten Band vor, dessen Beiträge auf den Vorträgen der Reihe basieren.

Als sich 2014 der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährte, lebte die Diskussion um die generelle Kriegsschuld Deutschlands und speziell des Kaisers wieder auf. Doch Wilhelm II. war mehr als der Kaiser, dessen Mitschuld am Krieg im Mittelpunkt vieler Diskussionen stand. Er war der Protagonist einer Epoche voller Widersprüche, die charakterisiert wird von Beharren und Aufbruch, von Rückwärtsgewandheit und Modernität. Weit über die Kriegsschuldfrage hinaus diese Epoche umfassend ausgeleuchtet zu haben, ist das Verdienst der damaligen Vortragsreihe, einer Kooperation zwischen der Hessischen Schlösserverwaltung und dem Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Auf die Bedeutung des Ortes der Vorträge und der Buchpräsentation wies Schlossherr Karl Weber hin, befindet sich dort doch die einzige erhaltene Wohnung Kaiser Wilhelms II. auf deutschem Boden. Vortragsreihe und Buch seien aber nicht einer kaisertreuen Einstellung geschuldet, sondern vielmehr der Verpflichtung gegenüber der Geschichte, stellte er klar. Die Leistung des Buches bestehe darin, die Umbruchsphase jener Zeit in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Religion, Technik, Architektur und Kunst aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und den Lesern zu ermöglichen, sich ein eigenes Bild zu machen: „In dieser Form ist das Buch ein einzigartiges Kompendium“, betonte er.

Webers besonderer Dank galt Mitherausgeberin Brunckhorst. Unter Hinweis auf Brecht („Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen“ – „Tao Te King“) bedankte er sich für ihre Geduld und Beharrlichkeit bei der Zusammenstellung der Beiträge.

Die eigentümliche Widersprüchlichkeit Kaiser Wilhelms II. in seiner Begeisterung für technischen Fortschritt und seiner Rückbesinnung auf altertümliche Werte war schon damals seinem nächsten Umfeld aufgefallen. Friedl Brunckhorst erinnerte an Generalstabschef Helmuth von Moltke, der die Hoffeste des Kaisers im Berliner Schloss beobachtete: Der „Kaiser bringt immer so ein Stück Mittelalter hinter sich her . . . ; es ist, als ob die Toten auferstehen mit Zopf und Puder.“

Professor Andreas Fahrmeir vom Direktorium des Forschungskollegs Humanwissenschaften betonte, dass mit der Herausgabe des Buches auch ein Wunsch erfüllt wird, der schon vor zwei Jahren von Besuchern der Vorträge häufig geäußert worden war. Und Verleger
Dr. Albrecht Weiland von der Verlagsgruppe Schnell und Steiner äußerte sich zufrieden, dass „diese schöne Leistung vollbracht wurde dank der guten Zusammenarbeit“.

 

„Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit“, Friedl Brunckhorst, Karl Weber (Hg.) Verlag Schnell und Steiner, Regensburg. 34,95. Erhältlich im Buchhandel.

 

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