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Den Tod enttabuisieren

Von Die Hospizbewegung gibt es in Friedrichsdorf schon neun Jahre, doch der Hospizdienst als eigenständiger Verein feiert jetzt sein fünfjähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird am kommenden Samstag gefeiert.
Für ein Leben im Sterben setzen sich Anja Born, Dr. Gunhild Loh, Christine Doll und Eva Hilgenstock vom Hospizdienst ein (von links).	Foto: ksp Für ein Leben im Sterben setzen sich Anja Born, Dr. Gunhild Loh, Christine Doll und Eva Hilgenstock vom Hospizdienst ein (von links). Foto: ksp
Friedrichsdorf. 

Die Hugenottenstadt kann einen eigenen Hospizverein vertragen. „Das war damals die Idee, als wir uns nach neun Jahren unter dem Dach des Bürgerselbsthilfevereins ,Wir Friedrichsdorfer‘ heraus unseren Hospizdienst zu einem eigenständigen Verein aufgebaut haben“, blickt Dr. Gunhild Loh, seit drei Jahren Vorsitzende des Vereins, zurück. Sein fünfjähriges Vereinsbestehen feiert der Hospizdienst am kommenden Samstag mit einer Feierstunde im Rathaus.

„Bei unserer Gründung hat uns besonders Helgard Kündiger vom Hospizdienst Bad Homburg unterstützt“, erinnert sich Vorstandsmitglied Christine Doll. „Als eigenständiger Verein können wir viel freier agieren“, begründet Doll die Loslösung von „Wir Friedrichsdorfer“. Außerdem haben wir eigene, zentral gelegene Räume und eine hauptamtliche Koordinatorin gebraucht und letztere in Anja Born gefunden“, erzählt Doll. Born ist als Palliative-Care-Fachkraft und Koordinatorin für den Verein tätig. Sie ist erste Anlaufstelle für die Patienten und ihre Angehörigen, aber auch Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Born übernimmt auch die Erstbesuche bei Patienten. „Zweck dieses Erstbesuchs ist eine Bestandsaufnahme der Bedürfnisse des Patienten“, schildert sie. „Da wir immer mehr Begleitungen von lebensbedrohlich erkrankten Menschen machen, brauchen wir mehr Unterstützung. Zum einen suchen wir Friedrichsdorfer, die sich vorstellen könnten, für uns als ehrenamtliche Hospizhelfer zu arbeiten, zum anderen stellen wir jetzt mit Eva Hilgenstock eine zweite hauptamtliche Kraft ein“, erklärt Gunhild Loh. „Das spricht dafür, dass sich unser Verein in den vergangenen fünf Jahren in Friedrichsdorf etablieren konnte. Auch eine Akzeptanz spiegelt sich darin wider“, so die Vorsitzende.

130 Mitglieder

Dennoch liegt den engagierten Vereinsmitgliedern mit ihrem Engagement auch am Herzen, den Verein noch bekannter zu machen und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Deshalb versuchen wir oft in Friedrichsdorf präsent zu sein mit Ständen auf dem Markt oder anderen Aktionen“, berichtet Christine Doll. Was viele nicht wissen: Jede Dienstleistung für den Patienten ist kostenfrei. „Und wir betreuen ausschließlich Erwachsene“, fügt Doll hinzu. Diskretion ist oberstes Gebot: „Wir unterliegen der Schweigepflicht“, erläutert Gunhild Loh. „Und wir stehen in keiner Weise in Konkurrenz zu Pflegediensten, da unser Aufgabenbereich ein anderer ist.“ Vorreiterinnen der Friedrichsdorfer Hospizbewegung waren Kuni Freise und Helgard Kündiger. „Entscheidend für den Aufbau unseres Vereins war meine Vorgängerin Professor Dr. Almut Seidel, die in den ersten zwei Jahren Vorsitzende war“, betont Gunhild Loh. Und Christine Doll fügt hinzu: „Dass wir auf ein so gut funktionierendes Netzwerk aus Ärzten, den Krankenhäusern in Bad Homburg und Frankfurt und den anderen Hospizdiensten bauen können, ist unserer Koordinatorin Anja Born zu verdanken.“

Aktuell hat der Hospizverein, der sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und den Zuschüssen der Krankenkassen finanziert, 130 Mitglieder. Als ehrenamtliche Hospizhelfer sind derzeit 25 Frauen und Männer engagiert. „Die Ausbildung zum Hospizhelfer dauert ein Jahr“, informiert Gunhild Loh. Die Aufgabe der Hospizhelfer ist, schwerkranke Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, Trost zu spenden und einfach für sie bis zum Ende da zu sein. „Die Hospizhelfer entlasten außerdem die Angehörigen und sind zudem Ansprechpartner für die Hinterbliebenen. „Einmal im Monat bieten wir unseren Trauergesprächskreis mit psychologischer Begleitung an“, so Anja Born. Einmal monatlich finden Supervisionen statt, die Hospizhelfer bekommen bei diesen Treffen Hilfe zur Bewältigung ihrer Erlebnisse mit den Sterbenden.

„Hospiz macht Schule“

Eine weitere wichtige Aufgabe des Vereins beschreibt Koordinatorin Anja Born: „Unser Anliegen ist, das Sterben und den Tod aus der Ecke des Tabu-Themas herauszuholen“, meint Anja Born. Der Hospizdienst setzt sich dafür ein, Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und auch das Sterben zu Hause zuzulassen. Borns Erfahrung zeigt, dass „es für die Patienten oft eine große Erleichterung ist, dass sie alles, was mit Tod und Sterben zu tun hat, bei uns aussprechen dürfen, auf unsere Schultern legen dürfen.“ Um das Thema zu enttabuisieren, plant der Friedrichsdorfer Hospizdienst, sich an dem bundesweiten Projekt „Hospiz macht Schule“ zu beteiligen. „Dieses Projekt, bei dem Hospizhelfer mit einer Zusatzqualifikation in die dritten und vierten Klassen der Friedrichsdorfer Grundschulen gehen werden, läuft bereits sehr erfolgreich in Bad Homburg“, berichtet Christine Doll. „Wir wollen dieses Projekt im kommenden Jahr starten.“

Wer sich für die Arbeit des Hospizdienstes interessiert, der Verein ist unter Telefon (0 61 72) 2 85 00 44 zu erreichen. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.hospizdienst-friedrichsdorf.de.

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