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Überarbeitetes Konzept: Der Landgrafenplatz in Friedrichsdorf wird zur Fußgängerzone

Die Neugestaltung des Landgrafenplatzes ging in der Bauausschusssitzung in die nächste Runde: Die Vorschläge von Bürgern wurden berücksichtigt, Stolperfallen entfernt – und fünf neue Parkplätze geschaffen. Aber die Parkplätze sind nicht dort, wo sie mal waren. Für die CDU blieben wichtige Einwände unberücksichtigt.
Der Landgrafenplatz in Friedrichsdorf wird komplett umgestaltet. Foto: Jochen Reichwein Der Landgrafenplatz in Friedrichsdorf wird komplett umgestaltet.
Friedrichsdorf. 

Wer möchte gerne seine „Torte am Auspuff eines Autos genießen?“ Zugegeben: eine rhetorische Frage, die Ilka Rosenthal, städtische Mitarbeiterin des Bauamtes, in ihre Erläuterungen der Beschlussvorlage zum Entwurf der Neugestaltung des Landgrafenplatzes eingebaut hatte. Eine Frage aber, die einen wichtigen Kritikpunkt an den neuen Plänen anspricht: Nämlich den Erhalt beziehungsweise Nicht-Erhalt der sechs Parkplätze vor der Bäckerei Hembd und der Frankfurter Volksbank.

Der ursprüngliche Plan, der Anfang des Jahres vorgestellt worden war, sah den 1900 Quadratmeter großen Landgrafenplatz als autofreie Zone vor. Und auch in der überarbeiteten Version, die am Mittwoch von Ilka Rosenthal in der Sitzung des Bauausschusses präsentiert wurde, sind weder Autos noch Parkplätze vorgesehen, was als Chance für die Stadt angesehen werde, „ihren zentralen Platz aufzuwerten“.

Die Bürger Friedrichsdorfs wurden ebenfalls angehalten, sich an der Neugestaltung des Landgrafenplatzes zu beteiligen. Diesem Vorschlag folgend sind bei der Stadt Friedrichsdorf 121 Kommentarkarten, Briefe und Mails mit 400 Stellungnahmen eingegangen. „Jede einzelne Anregung ist gelesen und geprüft worden“, versicherte Rosenthal. Ihr erstes Fazit: Gut Dreiviertel der beteiligten Bürger stehen dem Entwurf positiv gegenüber. Neben den Stellungnahmen gab es noch eine Unterschriftenliste, die sich „für den Erhalt des Straßenstücks ab der Bäckerei Hembd“ aussprach, initiiert von der Interessengemeinschaft Hugenottenstraße – insgesamt sollen sich auf der Liste 1237 Unterschriften befinden: „Die Einwände und Anregungen der Interessengemeinschaft Hugenottenstraße sind angehört und berücksichtigt worden“, betonte Rosenthal.

„Nur Einzelbetrachtung“

Der neue Entwurf spiegele für Claudia Schlick (FWG) den „Willen der Bürger“ wider und auch seien „sie ernst genommen worden“. Ferner sehe sie die Wünsche der Händler umgesetzt, was sich beispielsweise an der vorgesehenen Anordnung der Marktstände bemerkbar mache. Stephan Schlocker (CDU) widersprach heftig: „Hier wird der Eindruck geweckt eine Bürgerbeteiligung sei erfolgt und die Bürger wären überwiegend der Auffassung, dass wäre Konsens“, dem gegenüber stehen die 1237 Unterschriften, die seiner Meinung nach unbeachtet geblieben seien. Auch kritisierte er, dass keine „Gesamtheitsbetrachtung, sondern eine Einzelbetrachtung“ erfolgt sei, dabei sei die Gesamtheitsbetrachtung die Basis des Stadtentwicklungskonzepts „Stadt 25+“.

Vielfältiges Wohnen

Da die Stadt Friedrichsdorf vor der Herausforderung stehe, ihr innerstädtisches Gesamtkonzept so zu entwickeln, dass die Stadt attraktiv und lebendig bleibt, hat man sich für das Förderprogramm „Aktive Kernbereiche Hessen“ beworben.

clearing

Doch zurück zum überarbeiteten Landgrafenplatz-Konzept: Die Parkplätze vor der Bäckerei Hembd und der Volksbank werden weichen müssen, der Landgrafenplatz wird zur Fußgängerzone. Ein Kompromiss findet sich in der Umwandlung eines Teilstücks der Bahnstraße zur Einbahnstraße, und zwar zwischen der Einfahrt zum Rathaus und der Hugenottenstraße. So schaffe man fünf Längsparkplätze, die sich immer noch in fußläufiger Entfernung zu den Geschäften auf dem Landgrafenplatz befinden. Parkplatznot sehe man ohnehin keine: Das Goers-Gelände, das Taunus Carré und die Parkplätze am Rathaus bieten ausreichend Stellflächen, so Rosenthal.

Tatsächlich unterscheidet sich der neue Entwurf zur Landgrafenplatzgestaltung nur marginal vom ersten Plan: Die Stufenlösung bleibe erhalten, weil sonst das Gefälle von 6,5 Prozent nicht ausgeglichen werden könne und die Barrierefreiheit nicht gegeben sei. Die Querung der „Stufeninsel“ sei möglich: Über eine Treppe mit Handlauf, aber auch über eine Kurz-Rampe, die gegenüber des „Gängelchen“, dem schmalen Weg, der die Parkplätze auf dem Goers-Gelände und den Landgrafenplatz verbindet, vorgesehen: „Die Rampe ist nicht barrierefrei“, räumte Rosenthal ein, es sei eine Schiebehilfe für Kinderwagen oder Einkaufstrolleys. Lediglich die Personen, die weder Stufen noch Kurz-Rampe zur Querung nutzen können, müssten einen Umweg von 15 Metern in Kauf nehmen, hieß es weiter. Dem Wunsch der Bürger, die auslaufenden Stufen an den Enden der Stufenanlage wegen der potenziellen Stolpergefahr zu entfernen, sei durch die Weiterführung des Sitzblocks entsprochen worden, wodurch eine klar erkennbare Kante entstehe. Der Nebeneffekt: Die Grünfläche wird dadurch vergrößert und die Bäume können in größeren Abständen zueinander gesetzt werden.

Denkmal als Blickfang

Das Landgrafendenkmal wird außerdem zu einem „Eye-Catcher“, wie Rosenthal formulierte. Sie werde in einer kleinen Grünanlage im südlichen Teil der Platzhälfte stehen und in den Abendstunden beleuchtet sein. „Der Platz wirkt aufgeräumter“, sagte Rosenthal. Er sei weitestgehend barrierefrei, die Stolperfallen durch aufgeplatzte Pflastersteine wegen Baumwurzeln werden beseitigt und die anliegenden Geschäfte sind nahezu barrierefrei zugänglich. Blinde und Sehbehinderte könnten sich dank der Neugestaltung auf dem Landgrafenplatz besser orientieren.

Die Aufenthaltsqualität sei zum Beispiel durch entsprechende Sitzelemente innerhalb der Stufenanlage gesteigert und die Nutzbarkeit für den Wochenmarkt, andere Märkte als auch für weitere Veranstaltungen sei sichergestellt und nun auch flexibler möglich. Außerdem werden „Bereiche für die Außengastronomie definiert“, die durch eine „ansprechende Fassung geschützt sind“.

Im Herbst soll die Ausschreibung beginnen und im nächsten Frühjahr beginnen laut Planung die Bauarbeiten. Die Neugestaltung wird 1,3 Millionen Euro kosten und die Kanalarbeiten 220 000 Euro. Dem Beschluss stimmten Grüne, SPD, FWG und FDP zu, die CDU stimmte dagegen.

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