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Querelen: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Villmer legt Mandat und Ämter nieder

Querelen um das Engagement der Königsteiner SPD beim „Bündnis für Vielfalt und Toleranz“ haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Jetzt ist der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Villmer von all seinen Ämtern zurückgetreten. Auch der Parteiaustritt ist beschlossene Sache. Der Ortsvereinsvorsitzenden Dr. Ilja-Kristin Seewald wirft er vor, vor allem die eigene politische Karriere zu verfolgen.
Thomas Villmer Thomas Villmer
Königstein. 

Nach über zwölf Jahren als Stadtverordneter und davon neun Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD hat Thomas Villmer jetzt sein Mandat niedergelegt. Auch seine Ämter unter anderem als stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, im Bauausschuss und bei der Grundstücks GmbH gibt er auf. Und auch aus der Partei wird austreten – nach 26 Jahren. Im TZ-Gespräch nennt er das „Tabula Rasa“. Als Grund für seine Entscheidung gibt er in einer schriftlichen Stellungnahme den „wiederholten Vertrauensverlust“ gegenüber der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Dr. Ilja-Kristin Seewald an.

Dr. Ilja-Kristin Seewald Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Dr. Ilja-Kristin Seewald

Vordergründig hat sich das Ganze an der Reaktion Seewalds auf einen TZ-Bericht entzündet. In dem ging es um die Form der Teilnahme der SPD an der für die kommende Woche geplanten Protestaktion des „Bündnisses für Vielfalt und Toleranz“ gegen eine AfD-Veranstaltung im Haus der Begegnung. „Mein Statement gegenüber der TZ war sowohl sämtlichen Mandatträgern der SPD einvernehmlich kommuniziert“, stellt Villmer in seiner Stellungnahme fest. Auch dass die Jusos den aktiven Part im Bündnis und bei den Protesten übernehmen sollten, sei klar abgesprochen gewesen. Seewalds eigene nachträgliche Positionierung, dazu noch, dass Villmer die AfD einen „politischen Mitbewerber“ mit einem Recht auf Versammlungsfreiheit nannte, wovon sie sich distanzierte, ist für den scheidenden Fraktionschef einfach nur ein „Nachkarten“.

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Kommentar KOMMENTAR: Ein Spiegelbild der Sozialdemokratie

Ach ja, die Kurstadt-Genossen und ihre legendären Zweikämpfe – sie reichen zwar nicht ganz an Brandt versus Wehner heran. Dennoch könnte man Bücher darüber schreiben.

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Die persönliche Stellungnahme Seewalds auf ihrer Facebookseite, nennt Villmer denn auch eine „gespielte Empörung“. Eine aktive Unterstützung der Jusos im Hinblick auf die Protestveranstaltung habe es von Seewald so nie gegeben. „Vermutlich hat Frau Seewald plötzlich Bedenken bekommen und sieht eigene parteiinterne Karrierepläne gefährdet, die sie auch nach vier krachenden Niederlagen vom Ortsbeirat bis zur Bundestagswahl weiter verfolgt.“

Die Vorwürfe gehen noch weiter und liegen, so Villmer, auch nicht erst seit heute auf dem Tisch. So sei Seewald häufig abwesend und kümmere sich nur wenig um die konkreten kommunalen Belange. Mit durchschnittlich vier Terminen pro Woche sei er neben seiner Arbeit als Prokurist „im Prinzip der einzige ständige Vertreter der SPD gewesen, der ehrenamtlich in den politischen Gremien“ gewesen sei, zuletzt bei den laufenden Haushaltsberatungen.

Dazu komme, dass sich die SPD in eine Richtung entwickelt habe, die seinen Vorstellungen nicht mehr entspreche. „Da gibt es einen tiefen Graben zwischen meiner eher pragmatischen Bewertung der Dinge und der akademischen Bewertung Seewalds.“ Auch deshalb habe er jetzt den Schnitt gemacht, dies allerdings sehr großem Bedauern. Als gebürtiger Königsteiner verlasse er die Kommunalpolitik nur schweren Herzens.

In einer schriftlichen Stellungnahme bedauert die Ortsvorsitzende Seewald im Namen der SPD Villmers Rücktrittentscheidung. „Seine Expertise – insbesondere auch im Bereich Planen und Bauen – ist über die SPD hinaus sehr geschätzt.“ Leider habe es bisher keine Gelegenheit zum klärenden Gespräch gegeben, da Villmer seine Entscheidung nur kurz schriftlich mitgeteilt habe.

Die SPD-Fraktion will in der kommenden Woche beraten, wie es weitergehen soll. Ein Nachfolger für Villmer wurde noch nicht genannt.

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