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Neuer Kurdirektor: Der bisherige Prokurist Holger Reuter soll die Nachfolge von Ralf Wolter antreten

Von Während die Ära seines Vorgängers Ralf Wolter noch vor Gericht abgehandelt wird, tritt Holger Reuter als neuer Kurdirektor in dessen Fußstapfen. Der bisherige Prokurist der Kur- und Kongreß-GmbH setzt vor allem auf den Faktor Beharrlichkeit.
Vom „Tellerwäscher“ über den Prokuristen zum Kurdirektor: Holger Reuter ist vom kommenden Freitag an der neue starke Mann in der Kur. Vom „Tellerwäscher“ über den Prokuristen zum Kurdirektor: Holger Reuter ist vom kommenden Freitag an der neue starke Mann in der Kur.
Bad Homburg. 

Der Raum, in dem einst der Kaiser zu baden pflegte, ist noch verwaist. Hier residierten die Kurdirektoren Peter Bruckmaier und Ralf Wolter. Künftig wird Holger Reuter von hier aus die Geschicke der Kur- und Kongreß-GmbH leiten. Bereits Anfang Juli hatte der Verwaltungsrat den 48-Jährigen vom kommissarischen Geschäftsführer bis Jahresende für fünf weitere, dann auch hauptamtliche Jahre bestellt. Mittlerweile hat dem auch der Magistrat zugestimmt und am kommenden Freitag unterschreibt Reuter sein neues Arbeitspapier. Und dann folgt wohl auch der Umzug in das herrschaftliche Büro. „Das ist aus logistischen Gründen sinnvoll“, sagt er. Doch bislang fühlte er sich in seinem alten Büro noch sehr wohl.

Kurdirektor Holger Reuter, es ist die – eigentlich klassische amerikanische – Geschichte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“, nur dass Reuter bei der Kur nicht zum Millionär werden wird. Doch er hat es immerhin vom Azubi bis zum Kurdirektor gebracht, und das ist aller Ehren wert, auch wenn es nie sein Ziel gewesen sei.

Abwesenheit vor dem Landgericht war ein „Bürofehler“

1986, unter Peter „Brucki“ Bruckmaier, begann seine Ausbildung zum Bürokaufmann. „Ich habe in dieser Zeit wirklich alle Bereiche kennengelernt, sogar Tonschlamm-Packungen habe ich verabreicht“, erinnert sich Reuter, der sich künftig Kurdirektor nennen soll – so wollen es Magistrat und Verwaltungsrat. Nach der Ausbildung landete er im Rechnungswesen, für den Zahlenmensch das eigentliche „Herz der Firma“. Und nach weiteren drei Jahren Abendschule durfte er sich Bilanzbuchhalter nennen.

Steile Karriere

In den folgenden Jahren ging es in der Karriereleiter immer einen Schritt weiter nach oben. Erst wurde er Gruppenleiter, dann Abteilungsleiter und schließlich mit gerade mal 30 Jahren Prokurist. „Glück und Beharrlichkeit“ habe es dazu gebraucht, und einen Förderer, den er in Bruckmaier gehabt habe. „Prokura für den kaufmännischen Bereich, das war eine große Verantwortung“, erinnert er sich. Wenig später kam dann auch noch der Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Klinik Dr. Baumstark hinzu – als Nachfolger des legendären Prof. Agilolf Lamperstorfer. Die andere Seite der Medaille hat Reuter übrigens als Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Kur kennengelernt, da war er gerade mal 23 Jahre alt. „Da habe ich schon das politische Spiel beobachtet, auch eine interessante Erfahrung.“

Der ehemalige Kurdirektor Ralf Wolter.
Ehemaliger Kurdirektor Richterin sieht keinen Grund für fristlose Kündigung von ...

Die Stadt Bad Homburg hatte Kurdirektor Ralf Wolter fristlos gekündigt – und dagegen hatte der geklagt. Am gestrigen Freitag gab’s einen Gütetermin vor Gericht. Mit guten Aussichten für Wolter – aber ohne Anwesenheit von städtischen Vertretern.

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Als kaufmännischer Leiter hat er bei einigen großen Projekten mitgewirkt: die Übernahme der Klinik Dr. Baumstark, die Gründung der Kuki, der Immobiliengesellschaft der Kur, zudem war er bei der Gründung der Bahnhofs GmbH dabei und gehörte schon 2012 zum „Kompetenzteam Spielbank“, das dafür sorgen sollte, dass die Kur die Konzession für das Casino erhält – was dann auch geschah.

Glaube an die Spielbank

Apropos Spielbank, die ist ihm mittlerweile ans Herz gewachsen. Ein Jahr war er kaufmännischer Prokurist im Casino, bevor er 2014 die Geschäftsführung übernahm. „Ich habe immer an die Spielbank, die Führungskräfte und die Mitarbeiter geglaubt“, sagt der 48-Jährige. Die ersten eineinhalb Jahre seien kein Zuckerschlecken gewesen, die Zahlen im Keller und ein komplizierter Umbau im laufenden Betrieb. Doch wieder zahlte sich seine Beharrlichkeit aus, mittlerweile schreibt man im Kurpark wieder bessere Zahlen als zum Ende der Ära Werner Wicker. „Trotz vieler Widerstände – auch in der Stadt – haben wir es auf Platz fünf der deutschen Spielbanken geschafft.“ Dafür habe man zwar strampeln und auch ein wenig Demut an den Tag legen müssen, „denn nicht alle Faktoren können wir beeinflussen“. Und jetzt Kurdirektor. Wie die Jungfrau zum Kinder sei er zu diesem Amt gekommen, „das war nicht Teil meiner Karriereplanung“, betont er immer wieder. Er habe fest damit gerechnet, dass der Vertrag seines Vorgängers Ralf Wolter verlängert werde. Zu den Umständen, die zu dessen Demission geführt haben, will er sich nicht äußern. Ihm ist nur wichtig, dass er morgens noch in den Spiegel schauen kann. Zunächst wurde er wegen einer Erkrankung Wolters bis zum Jahresende als kommissarischer Geschäftsführer neben dem Kurdirektor installiert. „Das musste sein, damit wir handlungsfähig bleiben.“ Als es dann zur fristlosen Kündigung von Wolter kam, rückte Reuter im März von der Zwei auf die Eins.

Wunsch: Mehr Sachlichkeit

Fünf Gesellschaften hat er nun zu führen – „das ist gut Holz“. Was ihm zugute kommt: Nach nunmehr 32 Jahren bei der Kur hat er das Geschäft nicht nur von der Pike auf gelernt, sondern ist auch bestens vernetzt. So sitzt er unter anderem im Vorstand des Hessischen Heilbäderverbunds und in der Vollversammlung der IHK. Ebenfalls von Vorteil – vor allem im politisch nach wie vor heillos zerstrittenem Bad Homburg – könnte die Tatsache sein, dass er keinerlei politische Bindung hat. Und so würde er sich auch wünschen, dass die Arbeit der Kur- und Kongreß- GmbH versachlicht und weniger politisiert wird. Ein frommer Wunsch so steht es zu befürchten. Er will künftig seinen eigenen Stil pflegen und vor allem präsent sein. Dicke Bretter wird er dann genügend zu bohren haben – Bad Homburg wartet auf das Kino am Bahnhof, die Spielbank darf und will er nicht vernachlässigen und am Horizont taucht der Um- oder Neubau des Kurhauses auf.

Bleibt am Ende nur ein Problem: Wer ersetzt den zum Kurdirektor aufgestiegenen Prokuristen? Denn noch einen Tellerwäscher wird man in der Kur nicht so schnell finden.

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