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Vom 19. August an: Die Saalburg präsentiert den Pferdekopf in einer Dauerausstellung

Jetzt ist es amtlich: Die Saalburg bekommt den Pferdekopf von Waldgirmes. In die Präsentation des Exponats investiert das Land rund 400 000 Euro.
Der Pferdekopf von Waldgirmes noch vor seiner Restaurierung. Das Geheimnis, wie das 14 Kilo schwere Exponat heute aussieht, wird erst in knapp drei Wochen gelüftet. Der Pferdekopf von Waldgirmes noch vor seiner Restaurierung. Das Geheimnis, wie das 14 Kilo schwere Exponat heute aussieht, wird erst in knapp drei Wochen gelüftet.
Bad Homburg. 

Jetzt ging es doch ganz schnell: Jahrelang wurde vor Gericht über den Wert des Pferdekopfs von Waldgirmes gestritten. So lange, dass der bedeutende Fund fast schon in Vergessenheit geriet. Jetzt ist ein Urteil da – und plötzlich geht alles ganz schnell. Offenbar haben die Mitarbeiter des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und der Saalburg die Zwangspause, in der der Pferdekopf nicht präsentiert werden konnte, genutzt und ein museales Konzept für das Exponat entwickelt. Denn wie der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), gestern verkündete, soll der Pferdekopf bereits von Sonntag, 19. August, an auf der Saalburg der Öffentlichkeit gezeigt werden. Und da das wahrlich ein Grund zum Feiern ist, wird es dazu ein Bürgerfest geben.

An dem Bürgerfest ist allerdings auch zu erkennen, wie schnell es letztlich ging, denn hierfür sind die Details noch nicht abschließend geklärt, weswegen noch keine Einzelheiten bekanntgegeben werden können.

So oder so dürfen sich die Taunusbürger freuen: Mit der gestern auch ganz offiziell verkündeten Entscheidung, dass der Pferdekopf auf der Saalburg kommt, erhält das Römermuseum ein Exponat, das sich in seiner archäologischen Bedeutung mit dem Keltenfürsten vom Glauberg oder der Himmelsscheibe von Nebra messen kann.

Die Statue des Kaisers Antoninus Pius darf bald den Pferdekopf von Waldgirmes als neuen Dauergast auf der Saalburg begrüßen. Bild-Zoom
Die Statue des Kaisers Antoninus Pius darf bald den Pferdekopf von Waldgirmes als neuen Dauergast auf der Saalburg begrüßen.

Dass die Wahl auf die Saalburg fiel, ist letztlich konsequent. Das Land Hessen will eine Zersplitterung der Museumslandschaft vermeiden. Deshalb werden beispielsweise die keltischen Funde in Hessen dem Museum auf dem Glauberg mit dem Keltenfürsten zugeordnet, alles Römische aber der Saalburg. Sie ist das Vermittlungszentrum für die Provinzialrömische Archäologie und Standort des Informationszentrums für die Unesco-Welterbestätte Limes.

Historischer Rahmen

Entsprechend lautete auch die Einschätzung von Minister Rhein am gestrigen Tag: „Die Ausstellung dieser Funde stellt die römischen Objekte der Limeszeit im Saalburgmuseum in einen historischen Rahmen, der zum weiteren Verständnis vom Wandel des Menschen und seiner Fertigkeiten in der Zeit beiträgt. Das Zusammenleben von Kelten, Römern und Germanen über mehrere Jahrhunderte, in den größeren Regionen zwischen Taunus und Lahntal sowie in verschiedenen historischen Gesamtkontexten, wird durch die Zusammenschau der Artefakte anschaulich.“

Eine zivile Siedlung

Der Pferdekopf gehörte zu einer vergoldeten bronzenen Reiterstatue aus der römischen Kaiserzeit. Sie stellte vermutlich Kaiser Augustus im Sattel dar.

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Doch ganz so einfach ist es nicht, das Fundstück in den Kontext der Saalburg einzubetten. Das liegt daran, dass der Pferdekopf knapp 150 Jahre älter ist als das Limeskastell. Dennoch stehen beide in einer historischen Beziehung zueinander. Denn die Niederlage der Römer in der Varusschlacht (9 nach Christus) führte zur Aufgabe der römischen Siedlungspunkte in Germanien. Die römische Politik zielte anschließend auf eine Überwachung der Reichsgrenze ab, aus der sich dann der Limes mit der Saalburg als eines von vielen Grenzkastellen entwickelte.

Wo genau auf der Saalburg der Pferdekopf präsentiert werden wird, wurde gestern trotz Nachfrage noch nicht verraten. Nur so viel steht fest: Die neue Dauerausstellung wurde in enger Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern, den Ausgräbern der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und den Museumspädagogen der Saalburg konzipiert. Außer dem Pferdekopf werden dort weitere Funde aus Waldgirmes gezeigt. Zu sehen sind großformatige Fotos zu den Funden der Grabungen. Moderne Medien sind in das Konzept eingebunden. Unter anderem kann mittels eines 3D-Animationsfilms die virtuelle Rekonstruktion der einstigen Siedlung nachvollzogen werden. Für die auf der Saalburg notwendigen Umbauten und Instandsetzungsarbeiten, vor allem aber auch sicherheitstechnische Belange am Gebäudebestand sowie der Herrichtung der Ausstellungsräume hat das Land 400 000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Pferdekopf wurde in den Restaurierungswerkstätten im Landesamt für Denkmalpflege aufwendig restauriert (Kosten: 75 000 Euro). Dabei wurden die noch vorhandenen Reste der Vergoldung gereinigt und gefestigt. Auf eine neuerliche Vergoldung der weiteren Teile wurde bewusst verzichtet.

Sechs Wochen Berlin

Mitte November wird der Pferdekopf die Saalburg für sechs Wochen verlassen. Dann wird er in Berlin gezeigt.

Übrigens: So ganz ist das juristische Hin und Her um den Pferdekopf noch nicht abgeschlossen. Im Urteil des Landgerichts Limburg wurde festgelegt, dass das Land zusätzlich zu den bereits gezahlten 48 000 Euro noch weitere 773 000 Euro, insgesamt also 821 000 Euro an den Landwirt zahlen muss, dem das Land, auf dem der Pferdekopf gefunden wurde, gehört. Derzeit werde noch geprüft, ob man Revision gegen das Urteil einlegen wolle, so Rhein.

(aw)

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