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"Usinger Waldweihnacht": Die Suche nach dem schönsten Baum

Von Was tun, wenn die angestammte Weihnachtsbaumkultur nicht mehr zur Verfügung steht? Der Usinger Revierförster Karl-Matthias Groß ist in seinem Revier derzeit auf der Suche nach neuen Flächen. Die Wartezeit, bis aus den Setzlingen große Bäume werden, überbrückt der Förster mit einer „Waldweihnacht“, bei der es einige wenige Exemplare zu schlagen gibt.
Kleiner Mann mit Säge: Viele Familien suchen derzeit nach einem schönen Weihnachtsbaum. Im Usinger Wald gibt es in diesem Jahr nur wenige Exemplare zum Selbstschlagen. Foto: Christin Klose (dpa Themendienst) Kleiner Mann mit Säge: Viele Familien suchen derzeit nach einem schönen Weihnachtsbaum. Im Usinger Wald gibt es in diesem Jahr nur wenige Exemplare zum Selbstschlagen.
Hochtaunus. 

„Usinger Waldweihnacht“, das klingt romantisch und nach einer besonders besinnlichen Variante, sich den Weihnachtsbaum fürs Fest selbst zu suchen. Aus der Not heraus hatte Karl-Matthias Groß die Idee, am Samstag, 16. Dezember, und am Samstag, 23. Dezember, eine Waldweihnacht anzubieten – inklusive Fußmarsch oder Kutschfahrt zum Treffpunkt, an dem ein Lagerfeuer und heiße Getränke warten.

Da es derzeit im Usinger Revier keine Weihnachtsbaumkulturen gibt, in denen sich Interessierte im großen Stil ihre Tanne oder Fichte fürs Fest selbst schlagen können, musste eine Alternative her, erzählt der erfinderische Revierförster. „Wir sind jetzt dabei, neue Kulturen in unserem Revier anzulegen“, erläutert Groß.

Zeit für einen Spaziergang

Das bisherige Stück Wald, das viele Jahre der Treffpunkt zum Weihnachtsbaumschlagen gewesen ist, war das Gebiet rund um die Sendefunkstelle. „Es steht dafür nicht mehr zur Verfügung, da dort eine Photovoltaikanlage gebaut wird“, sagt Groß. „Wer jedoch im Rahmen der Waldweihnacht seinen Wunschbaum entdeckt, kann ihn sich selbst schlagen, bei mir bezahlen und gleich mitnehmen. Es sind allerdings nicht viele Bäume“, räumt der Revierförster ein. Wer zur Waldweihnacht kommen möchte, muss Zeit und Muße für einen längeren Spaziergang bis zum Treffpunkt mitbringen. „Das ist der Sinn der Sache: Durch den Wald spazieren und dabei die Hektik und den Stress des Vorweihnachtstrubels zu vergessen“, betont Groß. Treffpunkt ist am 16. Dezember der Parkplatz an den Eschbacher Klippen. Am 23. Dezember ist Abmarsch am Parkplatz Tannenhof zwischen Usingen und Pfaffenwiesbach. Von da an sind die Wege zur Waldweihnacht ausgeschildert. „An beiden Samstagen bin ich von 11 bis 15.30 Uhr da“, sagt Groß.

Es wird noch vier bis fünf Jahre dauern, bis es in seinem Revier wieder eine neue Schonung mit Nordmann- und Edeltannen geben wird. „Geeignete Flächen für eine Weihnachtsbaumkultur zu finden ist gar nicht so einfach“, schildert der 54-Jährige. „Denn die Fläche muss für die Besucher gut zu erreichen sein. Es muss also ein Parkplatz in der Nähe sein“, gibt er zu bedenken. „Zudem muss der Boden passen. Es darf kein extrem trockenes Gebiet sein, aber auch keine sumpfige Stelle.“

Fest steht: „Für das Anlegen einer Weihnachtsbaumkultur roden wir keinen Wald“, betont der Förster. „Das geht nur in einem Gebiet, in dem Bäume beispielsweise durch Windbruch oder Borkenkäfer geschädigt worden sind.“ Geeignet sind auch Flächen rund um Hochspannungsleitungen. „Denn dort dürfen Bäume sowieso nicht höher als drei oder vier Meter wachsen.“

Standort Schlappmühle

Einen ersten neuen Standort hat Groß gefunden: „In der Nähe der Schlappmühle haben wir im vergangenen Herbst eine neue Kultur angelegt.“ 600 Setzlinge hat der Pflanztrupp einer Baumschule dort in die Erde gesetzt. Doch bis aus den 40 Zentimeter großen Pflänzlingen stattliche Nordmanntannen werden, braucht es Geduld. „Das kann bis zu fünf Jahren dauern“, erläutert Groß. Die Herbstpflanzung hat im Gegensatz zur Frühjahrspflanzung den Vorteil, dass die Setzlinge die Winterfeuchte nutzen. „Am besten wäre es, wenn es schneien würde. Das Tauwasser würde die Wurzeln optimal mit Feuchtigkeit versorgen“, erklärt der Revierförster. Damit das Wild die Setzlinge nicht abfrisst, hat Groß sie mit einem Zaun geschützt. Zudem muss er die Bäumchen, die mit einem Abstand von 1,50 Metern gepflanzt wurden, im Frühjahr und Sommer regelmäßig frei schneiden – von „Konkurrenzvegetation“ wie Ginster, Gras oder Brombeeren.

Das Gebiet an der Schlappmühle ist die erste von mehreren neuen Weihnachtsbaumkulturen, die es künftig im gut 190 Hektar großen Usinger Wald geben wird. So wird Usingen in Zukunft wieder gut mit Weihnachtsbäumen versorgt sein. Aber dazu muss Förster Karl-Matthias Groß, der seit 1992 in Usingen tätig ist, weitere geeignete Flächen finden. „Ideal wäre, wenn wir für diese Zwecke landwirtschaftliche Flächen, Wiesen oder Äcker ankaufen könnten.“

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