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Interview mit dem Schauspieler: Dietmar Bär hat viele Talente

Für viele ist er einfach nur Freddy Schenk, der Kölner „Tatort“-Kommissar. Dabei hat Dietmar Bär noch viele weitere Talente. Am Samstag weilte der Schauspieler anlässlich des Poesie- und Literaturfestivals in Bad Homburg.
Ein Bär von einem Mann: Dietmar Bär legte einen umjubelten Auftritt in der Erlöserkirche hin. Ein Bär von einem Mann: Dietmar Bär legte einen umjubelten Auftritt in der Erlöserkirche hin.

Für viele ist er einfach nur Freddy Schenk, der Kölner „Tatort“-Kommissar. Dabei hat Dietmar Bär noch viele weitere Talente. Am Samstag weilte der Schauspieler anlässlich des Poesie- und Literaturfestivals in Bad Homburg. Im Interview mit TZ-Reporter Marc Kolbe sprach der 56-Jährige über seine ersten Schullektüren und verriet, was zurzeit auf seinem Nachttisch liegt.

Herr Bär, der „Schimmelreiter“ also. Was verbinden Sie mit Hauke Haien, dem Deichgrafen?

DIETMAR BÄR: Erst mal nur dunkle Erinnerungen an die Schulzeit. Das ist ja ein Generationenproblem. In der Schule nahm man im Deutschunterricht Novellen durch, kaufte sich das Reclam-Heftchen und musste dann lesen. Dementsprechend war der Deichgraf ein wenig verdrängt. Ich habe das Buch für den Auftritt hier das erste mal wieder hervorgekramt und es dadurch neu entdeckt. Das ist die direkteste Verbindung, die ich herstellen kann.

Ich kann mich erinnern, in der Schule „Pole Poppenspäler gelesen zu haben. Welche klassische Schullektüre ist bei Ihnen am meisten hängengeblieben?

BÄR: Pole Poppenspäler, das erinnert mich an einen TV-Mehrteiler als ich noch klein war. Mit dem hängenblieben ist das so eine Sache. Als in der Schule Novellen durchgenommen wurden, da war man so um die 15 Jahre alt, hatte man noch anderes im Kopf. Aber ich erinnere mich später im Deutsch-Leistungskurs an „Die Blechtrommel“, die hat mich sehr beeindruckt, außerdem wurden wir noch auf „Dr. Faustus“ von Thomas Mann losgelassen, das war auch nichts zum Naschen, da musste man sich schon durcharbeiten. Und dann war da noch die Judenbuche und „Kleider machen Leute“. Das sind so meine schnellen Erinnerungen an Schullektüre. Das sind auch Bücher, die einen außerhalb des Unterrichts beeindruckt haben.

Positive Erinnerungen an die Schulzeit sind auch immer stark von den jeweiligen Lehrern abhängig . . .

BÄR: Ja, es kommt darauf an, wie ein Thema bearbeitet wird, ob man beispielsweise mit verteilten Rollen liest. Ich hatte da auch eine tolle Lehrerin, die hat mit uns – was kaum einer macht – „Faust 2“ gelesen. Das ist ja nicht nur unspielbar, sondern eigentlich auch unlesbar. Da ist ja jeglicher Wissensstand zu Goethes Zeiten drin. Wir haben uns das durch Referate häppchenweise erarbeitet.

Waren Sie schon immer einer von denen, die gerne Klassiker gelesen haben?

BÄR: Ich würde mich da nicht auf Klassiker festlegen lassen wollen. Ich habe viel Verschiedenes gelesen und auch querbeet. Wir hatten damals einen Kanon, den uns unserer Deutschlehrer im Leistungskurs vorgelegt hat. Ich glaube ich habe den auch noch. Da standen die Bücher drauf, die man gelesen haben sollte. Von der Vogelweide war da drauf, die Buddenbrooks natürlich oder auch unlesbare Dinge wie „Ulysses“, den ich erst viel später in meiner Hörspielarbeit gelesen habe. Oder besser durchgearbeitet habe, von lesen kann da ja nicht die Rede sein. Ich habe mir aber auch die ganzen Sachen von Raymond Chandler und Dashiell Hammett vorgenommen. Ich war schon mit neun oder zehn Jahren regelmäßig in der Stadtbücherei und habe „Moby Dick“, „Die Schatzinsel“ und diese Nummern gelesen.

Ich habe mit Agatha Christie losgelegt.

BÄR: Die habe ich gar nicht gelesen, da habe ich nur die Filme gesehen. Aber später kamen bei mir Chandler und Hammett, die Krimis fand ich toll. Oder auch die Schweden, mit den ersten sozialkritischen Krimis, die habe ich mit 18, 19 Jahren verschlungen. Die Klassiker habe ich eigentlich nur in der Schule gelesen, in die habe ich mich nicht eingegraben.

Was liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?

BÄR: Eine krude Mischung kann man sagen. Das ist das aktuelle Tatort-Drehbuch, das 20., ab der kommenden Woche wird in Köln der nächste Film produziert. Allerdings verändert sich das Skript noch täglich mit neuen Entwicklungen. Außerdem habe ich den neuen Fred Vargas „Das barmherzige Fallbeil“ da liegen. Und dann ist da noch ein Buch von Eva Menasse. Da switche ich gerade so rum.

Das passt, Eva Menasse hat gerade in Bad Homburg den Hölderlin-Preis überreicht bekommen.

BÄR: Okay, das ist ja witzig.

Und sie sind also ein Keuz-und-quer-Leser, haben jeweils mehrere Büchern am Start?

BÄR: Das hat sich irgendwie so ergeben. Der Vargas stammt noch von meiner letzten Arbeitsreise, da habe ich einen Monat im Marokko gedreht und brauchte für zwischendurch Lektüre. Den habe ich da angefangen, aber nicht zu Ende bekommen. Und bei der Eva Menasse ist es ganz witzig. Die Buchhandlung bei mir gegenüber in Berlin hatte eine Lesung mit ihr veranstaltet und da lagen nun ihre Bücher. Da habe ich gleich zugegriffen, weil das nicht uninteressant klang. Und dann kam halt noch das Tatort-Drehbuch dazu. Aber in den vergangenen zwei, drei Wochen lag natürlich das Regiebuch für meinen Auftritt in Bad Homburg ganz oben auf.

Sie waren 2013 schon mal in Bad Homburg und haben das Straßen-der-Welt-Projekt vorgestellt. Haben Sie noch Erinnerungen an unsere Stadt? Und: Wie steht es um das Projekt?

BÄR: Damals war der Christian Tasche noch bei uns (der 2013 verstorbene Schauspieler war in 31 Folgen beim Kölner Tatort Staatsanwalt von Prinz, Anm. die Red. ), da erinnere ich mich dran. Unseren Verein gibt es ja schon seit fast 20 Jahren und hat sich weiterentwickelt. Mittlerweile haben wir verschiedene Projekte. Seit ein paar Jahren beispielsweise haben wir das Schulranzen-Projekt hier in Deutschland. In fünf Städten erkundigen wir uns in Kindergärten, wo es sozialschwache Familien gibt, die nicht die Möglichkeit haben, ihren Kindern am ersten Schultag einen schönen, tollen Ranzen hinzustellen. Voll ausgestattet kosten diese Dinger ja um die 200 Euro. Wir schaffen es dann, dass wir zusammen mit den Herstellern zu sehr günstigen Preisen Schulranzen besorgen und die anonym über die Kindergärten an die Familien geben, so dass diese Kids am ersten Schultag auf Augenhöhe sein können. „Wir starten gleich“ heißt das Projekt, ein Idee, die für viel Furore sorgt.

Wie viel Zeit können Sie einbringen?

BÄR: Immer viel zu wenig. Wir versuchen die Termine auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir sind ja zu dritt, neben mir noch meine Tatort-Kollegen Joe Bausch und Klaus J. Behrendt. Letztlich leben wir von den Spenden, die wir auf Charity-Veranstaltungen einsammeln. Den Alltag wie zum Beispiel die Postverwaltung erledigt unsere Vereinsführung. Christian Tasche hat da eine große Lücke hinterlassen, die wir versuchen, gemeinsam zu füllen.

Und haben Sie von Ihrem ersten Besuch noch Erinnerungen an Bad Homburg?

BÄR: Eigentlich nicht. Wir waren damals hier in diesem schönen Hotel, ansonsten habe ich aber keine Erinnerungen an Bad Homburg. Es ist wie so oft: Man kommt an, man findet statt und dann muss man auch schon wieder weiterziehen.

Da kann ich Ihnen für ihren nächsten Tag nur empfehlen: Bleiben Sie mal einen Tag länger.

BÄR: Da bleibt man besser zwei, drei Tage, um sich ein bisschen umzusehen. Das ist eine schöne Ecke.

BERND HOFFMANN (künstlerischer Leiter des Poesie- & Literaturfestival): Es gibt hier tolle Stadtführung. Das ist ein Crash-Kurs von Hölderlin bis zur Spielbank. Dafür werden wir Sie das nächste Mal anmelden.

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