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Mehrjähriger Aufenthalt: Ehepaar aus Friedrichsdorf lernt Georgien kennen und lieben

Von Georgien ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Nur wenige hierzulande haben das kleine Land im Kaukasus bisher auf dem Schirm gehabt. Ein arges Versäumnis, wie zwei Friedrichsdorfer bei einem längeren Aufenthalt festgestellt haben.
Faszinierende Aussicht: Das älteste Kloster Georgiens Dawit Garedscha in der Region Kachetien an der Grenze zu Aserbaidschan. Bilder > Faszinierende Aussicht: Das älteste Kloster Georgiens Dawit Garedscha in der Region Kachetien an der Grenze zu Aserbaidschan.

Ein Stück Georgien hat sich Wolfgang Schäfer mit nach Friedrichsdorf mitgenommen. Besser gesagt handelt es sich um ein elegantes 0,25-Liter-Fläschchen, das Traubensaft enthält. Nicht irgendeinen Traubensaft versteht sich, sondern aus georgischen Reben gewonnen – granatrote Farbe, sehr süß und ungefiltert und unbehandelt, erklärt der Friedrichsdorfer. Klar, dass Schäfer nicht nur eine Flasche im Keller gelagert hat. Wie auch den einen oder anderen edlen Tropfen, schließlich ist das Kaukasus-Land bekannt für seine Weinkultur.

Kennengelernt haben Schäfer und seine Frau Mary dies alles während eines längeren Aufenthalts in dem eurasischen Land. Schäfer ist selbstständiger Weinbauexperte, der oft im In- und Ausland in Sachen Wein und Reben unterwegs ist. Der Traubensaft ist dabei ein Projekt, das er in Georgien ins Leben gerufen hat.

Seine Frau wiederum arbeitete für die Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit als Landesdirektorin der GIZ für den Südkaukasus. Von Oktober 2015 bis Frühjahr 2018 hat das Paar in der georgischen Hauptstadt Tiflis gelebt. „Wir hatten eine Wohnung am Rande der Altstadt“, erzählt der 67-Jährige. „Die Stadt ist schön grün und alt. Hunnen, Perser, Türken seien hier gewesen, zumal die Stadt am Rande der alten Seidenstraße gelegen habe. Spuren dieser jahrhundertealten Tradition sind den Schäfers auf Schritt und Tritt begegnet.

Gefährliche Straßen

Da waren die idyllischen Innenhöfe in der Altstadt von Tiflis mit ihren charakteristischen Holzbalkonen. Die Reste von Siedlungen, in denen vor 200 Jahren ausgewanderte württemberger Schwaben gelebt haben. Und da waren die grandiosen Landschaften, die den speziellen Reiz des 3,8 Millionen-Einwohner-Landes ausmachen. „Es gibt einsame, wunderschöne Täler, Kirchen und Klöster“, schwärmt Schäfer und erzählt von einspurigen, teils ungefestigten Passstraßen, die nur ein paar Monate des Jahres befahrbar sind. Darunter sei eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Vor allem Tuschetien, eine Region im Osten des Landes, habe ihn begeistert. Wild und spektakulär sei die Natur dort. Ausschließlich Schafzucht mit rund 600 000 Tieren.

Schäfer holt eine Kaukasus-Landkarte und faltet sie auseinander. Der Blick fällt auf Georgien und seine verschiedenen Provinzen. „Wir waren in sämtlichen Regionen“, erzählt Schäfer und schränkt zugleich ein: Bis auf die von den Russen besetzen Abchasien und Südossetien. Wir sind in den zweieinhalb Jahren 45 000 Kilometer gereist“, sagt er, inklusive Armenien und Aserbaidschan. Natürlich waren sie auch am Schwarzen Meer, waren davon aber nicht so angetan wie von den Bergen. „Die sind mit das Schönste im Land“, ist Mary jetzt noch begeistert von den Eindrücken, den Blumenwiesen, den wildlebenden Kühen und Schweinen, die es dort gibt.

Das Essen sei entsprechend gut. Überhaupt die Ess- und Trinkkultur, sie haben die Schäfers ebenso fasziniert wie die gesellige und herzliche Art der Georgier. Oft treffe man sich zu sogenannten Supras, mehrstündige Festessen mit vielen Gästen, die von einem Tischvorsteher moderiert und bei dem Lieder gesungen oder Gedichte rezitiert werden – Georgier seien sehr belesen.

„Man wird auch oft nach Hause eingeladen“, erzählen sie von vielen privaten Abenden. Die Menschen seien sehr offen, westlich orientiert, vor allem Deutschland genieße große Sympathien, viele Menschen sprechen auch Deutsch.

Ob der Abschied nach all diesen Erfahrungen nicht schwergefallen ist? Einerseits ja, andererseits fühlen sie sich in Friedrichsdorf zu Hause. Aber Georgien sei ja relativ nah. Außerdem bekommen sie regelmäßig Besuch von Freunden aus Georgien. Schon diesen Samstag hat sich wieder jemand angesagt. „Wir gehen zusammen auf die Buchmesse“, sagt Wolfgang Schäfer.

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