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Geschichte: Ein Kronberger hat vor 100 Jahren Drohnen gebaut - mit Tauben

Was früher der Brieftaubenzüchter, ist heute der Drohnen-Pilot. Er fotografiert ode filmt heute praktisch alles aus schwindelerregender Höhe. Die wahren Pioniere der Luftbildfotografie aber sind Brieftauben und ein Apotheker aus Kronberg. Im Fotohaus des Hessenparks ist eine Taubenkamera der Knüller.
Diese ausgestopfte Taube mit umgeschnallter Kamera ist im Museum Hessenpark zu sehen. Foto: Frank Saltenberger Diese ausgestopfte Taube mit umgeschnallter Kamera ist im Museum Hessenpark zu sehen.
Neu-Anspach. 

Deutschland von oben, der Rhein von oben, Hessen von oben, was wird dem Fernsehzuschauer nicht alles von oben gezeigt. Nicht selten sind es Aufnahmen, die mit Drohnen gemacht werden. Die Luftbildfotografie ist dabei, zum Volkssport zu werden, was aber nicht nur Beifall findet, denn der Einblick in die Privatsphäre nicht mehr nur den Vögeln vorbehalten. Die fliegenden Foto- oder Filmapparate, auch Multikopter genannt, werden vielfältig eingesetzt, Alles was zivil gute Dienste leistet, wurde nicht zuletzt zu militärischen Zwecken erfunden. Alles angefangen hat allerdings mit Brieftauben.

So heißt es in dem von Franz Schubert 1828 vertonten Gedicht „Die Taubenpost“ von Johann Gabriel Steidl: „Ich hab eine Brieftaub’ in meinem Sold; Die ist gar ergeben und treu; Sie nimmt mir nie das Ziel zu kurz; Und fliegt auch nie vorbei.“

Die Romantik täuscht, seit Alters her wurde die Brieftaube zwar als Bote von guten als auch bösen Nachrichten eingesetzt, als Bote von Liebesbriefchen wurde sie besungen, aber sie tat von Anfang an auch „militärischen Dienst“ und kam vor allem bei Belagerungen zum Einsatz. Beispielsweise bei der Eroberung Akkons durch die Kreuzritter im Hochmittelalter sowie bei der Belagerung von Paris im Deutsch-Französichen Krieg 1871, als sie hunderte von Nachrichten in die Stadt flog.

Patent und Medaillen

Ein deutscher Erfinder aus Kronberg namens Julius Neubronner (1852-1932) dachte früh weiter und wollte es nicht bei Nachrichten und Liebesbriefchen belassen. Als Schubert sein Liedchen schrieb, steckte die Fotografie noch in den Kinderschuhen, machte aber um die Jahrhundertwende durch die Erfindung des Zelluloids und des Rollfilms einen Quantensprung. Das rief den Kronberger Hof-Apotheker Neubronner, Naturwissenschaftler, Erfinder und Fotograf auf den Plan. Der setzte bereits Brieftauben für den Transport von dringenden Rezepten und Medikamenten mit einem Gewicht von bis zu 75 Gramm ein.

Ab 1903 arbeitete er an der Idee, seine Brieftauben mit kleinen Fotoapparaten auszurüsten und ließ sich nach ersten Aufnahmeerfolgen 1908 einen Prototyp patentieren. Gleichzeitig stellte er diesen auf der „Internationalen Photographischen Ausstellung“ in Dresden sowie der ersten „Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung“ in Frankfurt am Main 1909 vor. Auf einer Internationalen Ausstellung in Paris erhielt Neubronner sogar zwei Medaillen, eine für die Methode und eine für die Aufnahmeresultate.

Neubronner entwickelte zwischen 1908 und 1920 verschiedene Modelle mit Abmessungen von 6,5 mal 10 Zentimetern. Sie arbeiteten mit einem Schlitzverschluss und hatten ein oder zwei Objektive, die Stereoaufnahmen lieferten. Eine Zeitsteuerung löste sogar die Belichtung aus und machte bis zu zwölf Aufnahmen.

Neben dem allgemeinen Interesse an Luftbildern war die militärische Nutzung auch Teil des Projekts, doch blieben die Einsatzmöglichkeiten beschränkt und die Resultate nicht zufriedenstellend. Versuche, sie im Ersten Weltkrieg einzusetzen, blieben weitgehend erfolglos. Experimentiert wurde in verschiedenen Ländern, aber auch noch zurzeit des Zweiten Weltkriegs und selbst die amerikanische CIA testete bis in die 1970er Jahre Taubenkameras.

Aber Neubronners Modelle sind aus der Fotogeschichte nicht wegzudenken und in einigen renommierten Museen zu finden, so in der Fotografischen Sammlung des Museums Ludwig in Köln, eine Doppel-Sport-Kamera ist im Deutschen Technikmuseum Berlin sowie im Deutschen Museum in München zu sehen.

Weite Wege kann man sich allerdings sparen, denn ein Neubronner-Modell aus dem Jahre 1908 ist auch ein Publikumsliebling im Haus der Fotogeschichte im Freilichtmuseum Hessenpark, nicht zuletzt deswegen, weil eine ausgestopfte Brieftaube Geschirr und Kamera anschaulich um Brust und Hals hat.

Weitere Exponate

Darüber hinaus hat das Haus eine unglaublich große Sammlung an fotohistorischen Exponaten, die einen Besuch lohnenswert machen.

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