E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 19°C

Stefan Grüttner besucht Erstaufnahmeeinrichtung: Ein Vogelhäuschen für den Sozialminister

Von Vom Minister über den Landrat bis zum Bürgermeister sind sich alle einig: Ohne Ehrenamtler geht es bei der Integration von Flüchtlingen nicht.
Spielen im Kindergarten. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Spielen im Kindergarten.
Kronberg. 

Vielleicht – in der heutigen Zeit, kann man das ja nicht ausschließen – finden sich Menschen, die Angst vor der Islamisierung der europäischen Vogelhäuschenkultur haben. Die werden sich möglicherweise darüber ärgern, dass ein Flüchtling aus der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Kronberg der Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid ein Vogelhäuschen in Form einer Moschee geschenkt hat. Lindenscheid freute sich über das Geschenk, das die Asylsuchenden unter Anleitung von Haustechniker Martin Göttenauer gebaut haben. Und auch für den hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) gab es ein Vogelhäuschen – in der klassischen Form.

Der Minister wollte sich einen Eindruck von der Einrichtung am Oberen Aufstieg verschaffen. In der Vergangenheit waren immer wieder Termine geplatzt – jetzt klappte es. Auch ein Zeichen dafür, dass sich die Lage etwas entspannt hat. Im vergangenen Winter habe die Tagesaufnahmequote noch bei 1000 oder sogar mehr Personen gelegen, jetzt seien es nur noch 50 bis 70 pro Tag. Die Phase der Improvisation habe man hinter sich gelassen, jetzt könne man die Aufgaben strukturierter angehen. In der Hochzeit habe es Unterkünfte an 62 Standorten gegeben. Gut ein Drittel davon werde geschlossen, ein knappes Drittel werde „passiv gestellt“, bliebe also als Reserve erhalten. Kronberg gehört zu dem Drittel, das aktiv bleibt – und mehr Flüchtlinge aufnehmen wird.

Die Zahl steigt

Vergangene Woche wohnten noch 152 Menschen im ehemaligen Schulungszentrum der Deutschen Bank, diese Woche sind es 208 (127 Männer, 44 Frauen und 37 Kinder). Ein Teil der Flüchtlinge, die in Kronberg untergebracht sind, haben ihren Asylantrag bereits gestellt, der andere Teil wird im neuen Ankunftszentrum in Gießen den Asylantrag stellen. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration, der Bundesagentur für Arbeit und dem Land Hessen werden dort sämtliche Schritte der Flüchtlingsaufnahme und -registrierung an einem Ort vereint. Das teilt das Sozialministerium zum neustrukturiertem Vorgehen mit. Wenn es so läuft, werden sich die Verbleibzeiten in Kronberg reduzieren. Bis zu 600 Personen könnten im Oberen Aufstieg aufgenommen werden. Die Johanniter Unfallhilfe sei mittlerweile personell so aufgestellt, dass sie die Einrichtung auch voll ausgelastet betreiben könnte, sagt Till von Knebel von den Johannitern.

Ein mächtiger Tross machte sich auf den Weg, um sich einen Eindruck von der Unterkunft samt Frisörstube und Spielräumen zu machen. Den Bub, der eben noch ins Bällebad eintauchen wollte, verließ dann doch der Mut, als ihn Minister und Landrat, Regierungspräsidentin und Bürgermeister sowie ein halbes Dutzend Pressesprecher und Öffentlichkeitsarbeiter, Dolmetscher, Sicherheitspersonal und Journalisten in die Mitte nahmen. Landtagsabgeordnete Elke Barth (SPD) schüttelte ungläubig den Kopf angesichts dieser Art der Besichtigung.

Kunstangebote

Dennoch gelangen kurze Einblicke in die Angebote, die sich wie bei Nina Hurnÿ Pimenta Lima an Kinder, Jugendliche und Erwachsene richten. Gestern Mittag half die Künstlerin zwei Frauen in einem der beiden Kindergartenräume, Gesichter und Bäume mit einfachen Linien aufs Papier zu bringen. Mindestens einmal im Monat komme sie für zwei Tage, um mit den Flüchtlingen zu malen. Am Fenster heftet ein Bild, das ein Kind im Grundschulalter gemalt haben dürfte. Es zeigt ein Boot bei der Überfahrt im Mittelmeer.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) und Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) dankten wie schon zuvor Regierungspräsidentin und Minister den ehrenamtliche Helfern, ohne die weder eine Einrichtung noch Integrationsarbeit funktionieren würde. An diesem Tag sind im Kindergarten auch zwei Helferinnen der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus, die mit Kindern basteln. Doch der Tross zieht weiter.

Eine Station ist der Medical Point nahe der Zufahrt. Die Ausstattung reicht für die erforderlichen Untersuchungen aus. Wichtiger als die Gerätschaften ist allerdings das Engagement der Ärzte. Für Dr. Hein Reuter, der den freiwilligen Einsatz seiner Kollegen im Hochtaunuskreis koordiniert, war es keine Frage, sich einzubringen. Bereut hat er es nicht. Menschen in Not zu helfen, das sei seine ursprüngliche Aufgabe als Arzt. In der Arbeit mit den Flüchtlingen entstünden viele wertvolle Momente. „Die Menschen öffnen aus Dankbarkeit ihr Herz.“

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen