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Dr. Wolfgang Gerhardt im Forschungskolleg: Eine Mehrheit darf nicht alles

Die Probleme der gegenwärtigen Weltlage – geprägt von Bürgerkriegen, Flüchtlingsströmen, Ängsten und Rückfall in Nationalismus – verlangten komplexe Lösungsansätze. Den liberalen Standpunkt erläuterte im Homburger Forschungskolleg der frühere FDP-Bundesvorsitzende Dr. Wolfgang Gerhardt.
Dr. Wolfgang Gerhardt sprach im Forschungskolleg am Wingertsberg. Dr. Wolfgang Gerhardt sprach im Forschungskolleg am Wingertsberg.
Bad Homburg. 

„Noch eine Chance für den Liberalismus?“ lautete die Fragestellung einer seit November 2014 zehn Vorträge umfassenden Reihe der FDP-nahen Karl-Hermann-Flach-Stiftung – Namensgeber ist der linksliberale Politiker und Journalist Karl-Hermann Flach (1929–1973) – und des Bad Homburger Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Am Schluss stand eine Frage: „Warum liberal?“

Antworten aus liberaler Sicht gab vor rund 150 Gästen am Wingertsberg in Bad Homburg kein Geringerer als der Grandseigneur des Liberalismus (nicht nur) in Hessen: der ehemalige FDP-Bundesvorsitzende Dr. Wolfgang Gerhardt – 1978 erstmals für die FDP in den Hessischen Landtag gewählt, von 1987 bis 1991 stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Bildung und Wissenschaft im Kabinett von Walter Wallmann (CDU), acht Jahre lang Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Heute ist der 72-jährige gebürtige Vogelsberger Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Gleich zu Beginn seines Vortrags stellte der Politiker klar: „Die Globalisierung ist da!“ Daher komme es für die Gesellschaft darauf an, sich auf Veränderungen einstellen und Kompetenzen für den Wandel zu entwickeln. Hier allerdings sieht er Nachholbedarf. In Deutschland hat er zwei Reaktionen ausgemacht: Zum einen würden Probleme wie beim Blick durch ein umgedrehtes Fernglas weit weggerückt, zum anderen gebe es die rückwärtsgewandte Auffassung, die Anknüpfung an ein „ethnisch-kulturelles Band“ sei zur Problemlösung besser geeignet als die Einbindung in internationale Organisationen wie EU und Nato.

Gefragt sei „komplexes Denken“. Und dies sei ein zentrales Element des liberalen Denkens. Den Menschen müssten die Wirkzusammenhänge vermittelt werden, forderte Wolfgang Gerhardt, denn: „Alles hängt mit allem zusammen.“

„Freiheit sollte nicht metallisch klingen“, bekannte Wolfgang Gerhardt. Deshalb müssten auch „Respekt vor Minderheiten, Achtung auf das Recht des Schwächeren und des Fremden“ gelten. Denn: „Eine Mehrheit darf nicht alles.“

Für einen Liberalen selbstverständlich ist das Bekenntnis zur Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung, „die der freiheitlichen Gesellschaft entspricht“ – allerdings mit Spielregeln „gegen die Herausbildung unkontrollierter wirtschaftlicher wie politischer Macht“. Für die „Neoliberalen war der Staat kein Nachtwächter“, setzte er sich mit Kritik an dem in Diskussionen häufig pauschal angegriffenen Neoliberalismus auseinander.

Ausdrücklich stellte sich der liberale Politiker auf die Seite von Unternehmen, die als Personengesellschaften darauf angewiesen seien, nach den Prinzipien Haftung, Sorgfalt und kluge Marktbeobachtung nach wirtschaftlichem Erfolg zu streben. In Deutschland allerdings werde, so beklagte er, der Erfolg denjenigen nicht gegönnt, die ihr Geld mit Risiken und persönlicher Haftung verdienen.

Bildung ist Bürgerrecht

„Es droht keine Apokalypse“, machte Wolfgang Gerhardt Mut, die gegenwärtigen Probleme anzupacken. Einen Schlüssel für die Auseinandersetzung sieht er in der Bildung: „Bildung ist Bürgerrecht“, stellte er unter Berufung auf den liberalen Intellektuellen Ralf Dahrendorf fest. Bei der Vermittlung von Bildung komme es weniger darauf an, ideologische Debatten über Schulformen zu führen, sondern vielmehr auf die „Qualität des Unterrichts“. Hier sieht er insbesondere Nachholbedarf darin, das Bewusstsein für die ökonomischen Zusammenhänge in Staat und Gesellschaft zu schärfen. Denn schließlich dürfe der entscheidende Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden: „Es kann nichts verteilt werden, bevor es nicht erwirtschaftet worden ist.“

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