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Prozess: Erst die Fassung, dann den Führerschein verloren

Von Juristen, das ist ihre Profession, arbeiten mit Gesetzen, solchen der geschriebenen Art. Es gibt aber auch ungeschriebene. Eins davon: Wer nach Zoff im Straßenverkehr aussteigt, hat schon verloren.
Symbolbild Symbolbild
Königstein. 

Wer nach einer Streitigkeit im Verkehr an der nächsten roten Ampel aussteigt und wutentbrannt zum Vordermann eilt, hat schon verloren. Es geht meistens schief, ein ungeschriebenes Gesetz. „Sitzenbleiben, runterschlucken, langsam bis 50 zählen, das hilft“ – der Rat von Königsteins Amtsrichterin ist sicher richtig, kam für den 43-jährigen Idsteiner aber zu spät.

Der war wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt, aber geständig. Ja, es sei falsch gewesen, „körperlich geworden zu sein“, aber es sei einfach über ihn gekommen. Die Emotionen hätten ihn übermannt. Er wisse nicht, was ihn da geritten hat.

Das „Austicken“, so hatte es die Richterin formuliert, sei ihm völlig wesensfremd, suchte er nach Erklärungen für das, was sich da am 6. September auf der B 8 an der Kreuzung Altkönigstraße zugetragen hat und was ihn nun nicht nur 90 Tagessätze á 90 Euro (8100 Euro) kostet, sondern auch noch den Führerschein. Frühestens in einem halben Jahr lässt die Führerscheinbehörde mit sich darüber reden, ob seine charakterliche Eignung zum Autofahren wieder hergestellt ist.

Und das ist die Geschichte: Der Idsteiner hatte es eilig an dem Morgen. Ein wichtiger Termin. Auf der B 8 wurde sehr zu seinem Leidwesen gebummelt. 80 seien sie dort gefahren, „obwohl dort 100 erlaubt ist“. Der Mann war mit seinem Opel Agila nicht unbedingt ein Ausbund von Hurtigkeit. Dennoch überholte er mehrere mutmaßliche Bummelanten, scheiterte dann aber an einem Mercedes, der, so der Angeklagte, nicht nur zu langsam fuhr, sondern sogar noch völlig ohne Grund abgebremst hat. Ganz so, als wolle er ihn ärgern.

Nicht etwa, dass er den Benz hätte überholen wollen, Nein, erläuterte er dem staunenden Gericht. Er musste, „sonst wäre ich ihm hinten draufgefahren“. Aus dem Überholen wider Willen wurde aber nichts, denn aus Königstein kam ein Laster die B 8 herauf. Richtig eng sei es geworden, berichtete der Angeklagte, der schon sein letztes Stündlein hatte kommen sehen. Um dieses abzuwenden, bremste er scharf ab und scherte hinterm Benz wieder ein.

Ärger stieg in ihm auf, brach sich etwas weiter unten an der Ampel schließlich dadurch Bahn, dass er ausstieg und den Benz-Fahrer zur Rede stellen wollte. Und jetzt wurde es „körperlich“. Der Mercedesfahrer stieg auch aus, man schlug und trat sich und hörte erst auf damit, als Zeugen von der bereits gerufenen Polizei berichteten. Eine Schlägerei war es wohl nicht, eher ein Gerangel, wie der Anwalt meinte, allerdings eins, das auf beiden Seiten Blessuren der leichteren Art hinterließ.

Wer bremst verliert

Die Schilderungen der beiden Streithammel wichen jedoch stark voneinander ab. So will der Benz-Fahrer auch nicht gebremst haben und schon gar nicht zu langsam gefahren sein. Dennoch bestätigte er die Vermutung des Verteidigers, wonach er wohl etwas verkehrserziehend auf den Mandanten habe einwirken wollen.

Das kann schon sein, denn mit der Aussage des Zeugen taten sich auch beim Benz-Fahrer Abgründe fehlender Rücksichtnahme auf: Obwohl der Fahrer des entgegenkommenden Lasters schon ganz aufgeregt mit der Lichthupe „gemorst“ hatte, habe er es für nicht angezeigt gehalten, zu bremsen, um dem aus dem Blickfeld geratenen, weil bereits überholenden Agila das Einscheren vor ihm zu ermöglichen. Sein Auto habe 40 000 Euro gekostet, da riskiere er nicht, in den Graben zu fahren weil einer so tue, als habe er einen Sportwagen ohne einen Sportwagen zu haben, so die Begründung des mutmaßlichen Opfers.

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