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Flüchtlinge: Erstaufnahme kommt

Gestern Vormittag informierte das Land Hessen offiziell über seine Pläne, im ehemaligen Schulungszentrum der Deutschen Bank (DeBa) vorübergehend eine feste Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu schaffen. Die Reaktionen in der Burgstadt auf diese Nachricht reichten von Schweigen über Überraschung bis hin zu Sorge.
Flüchtlinge auf dem Gelände einer Erstaufnahmestelle. (Symbolbild) Flüchtlinge auf dem Gelände einer Erstaufnahmestelle. (Symbolbild)
Kronberg. 

Jetzt steht es fest: Wie die Taunus Zeitung am Mittwoch angekündigt hat, bekommt Kronberg eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Das ehemalige DeBa-Schulungszentrum sei „in hohem Maße geeignet, da eine getrennte Unterbringung von Frauen und Kindern sowie alleinreisenden Männern möglich ist“, hieß es gestern in der offiziellen Pressemitteilung des Landes. Zudem seien in den zehn miteinander verbundenen Gebäuden Einzelzimmer und Gruppenräume, ein Restaurant mit Küche, Kühlräumen und ein Speisesaal vorhanden.

Temporäre Unterkunft

Mit den Worten „ich bin aufgrund des herausragenden ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe Kronberg der festen Überzeugung, dass wir auch auf die Unterstützung aus der Bevölkerung rechnen können“, ließ sich Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) zitieren. Eine weitergehende persönliche Stellungnahme des Rathauschefs war gestern wie auch an den vorangegangenen Tagen nicht zu bekommen.

Über Andreas Bloching, den Pressesprecher der Stadt, war zu erfahren, dass die Unterkunft aller Voraussicht nach Mitte Dezember hergerichtet sein soll. Bis zu einer Woche werden die Flüchtlinge dann in Kronberg verbringen, bevor sie weiter verteilt werden. Prinzipiell sei die Erstaufnahmeeinrichtung nur eine temporäre Lösung. „Die Verträge sind befristet“, so Bloching. Zur Dauer konnte er sich nicht äußern.

Sorgen ernst nehmenn

Als nachteilig bezeichnete er die Erschließungssituation über das Wohngebiet am Roten Hang. „Busse werden die Flüchtlinge bringen, Zulieferer oder Hilfskräfte wie das Technische Hilfswerk werden zu dem Gelände fahren müssen – das wird nicht geräuschlos ablaufen“, gab er zu.

„Dass es aus diesem Grund zu Widerständen bei den Anliegern, zum Beispiel in der Dettweiler Straße, kommen kann, will ich nicht ausschließen“, sagte denn auch der Ortsvorsteher der Kernstadt, Thomas Kämpfer (SPD). Bisher habe es noch keine negativen Stimmen aus der Bevölkerung gegeben, informierte Bloching. „Aber wir nehmen die Sorgen der Bürger ernst und werden bei Bedarf eine Lösung erarbeiten.“ Eine vorübergehende Erschließung von der Kronberger Straße aus sei nicht denkbar.

CDU ist in Sorge

Mit großer Sorge sieht die Kronberger CDU-Fraktion die Pläne des Landes Hessen. Zwar bekennen sich die Christdemokraten grundsätzlich zu dem Grundsatz, dass Menschen in Not geholfen und Asyl gewährt werden müsse. Um jedoch die nötige soziale Akzeptanz in der Bevölkerung und die Kraft der ehrenamtlichen Helfer nicht überzustrapazieren, präferiert die CDU, dass pro Unterkunft nicht mehr als 60 bis 80 Menschen augenommen und die benötigten Räumlichkeiten möglichst gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt werden. Eine Unterbringung von 600 Flüchtlingen in dem Gebäude der Deutschen Bank steht nach Meinung der CDU Kronberg in keinem Verhältnis.

Nun fordern die Christdemokraten, dass die Zahl der Flüchtlinge in der neu zu schaffenden Erstaufnahmeeinrichtung weit unterhalb der geplanten 600 Menschen bleibe und dass die dort untergebrachten Menschen auf das Kronberger Kontingent angerechnet werden. „Davon ist allerdings nicht auszugehen, was bedeutet, dass wir unsere Pläne in Sachen Bau von Flüchtlingsunterkünften weiter vorantreiben werden“, erklärte Bloching auf Nachfrage der TZ.

Keine Überraschung

Für Christoph König, Fraktionsvorsitzender der SPD, kam die Nachricht aus Wiesbaden am Freitagmittag keineswegs überraschend. „Sie ist auch nicht besorgniserregend, sondern in meinen Augen geradezu naheliegend“, sagte er und vertritt eine andere Meinung als die Kollegen von der CDU.

Mit Blick auf den vermutlich nicht zu erwartenden Einsatz von Kronberger Ehrenamtlichen –„es ist gut, wenn unsere Hilfskräfte nicht gebraucht werden“ – glaubt er fest daran, dass Kronberg auch diese neue Sachlage meistern werde. Dass bis zu 600 Flüchtlinge in den DeBa-Gebäuden untergebracht werden sollen, sieht König dagegen kritischer. „Bei so einer Masse an Menschen steigt das Konfliktpotenzial stark an. Hier muss das Land entsprechende Vorsorge, z.B in der Sozialbetreuung, treffen“, forderte er.

Suboptimal sei die Lage des ehemaligen DB-Schulungszentrums, meint die Falkensteiner Ortsvorsteherin Lieselotte Majer-Leonhard (CDU), die als „Nachbarin“ von der Nachricht völlig überrascht wurde. „Gegeben, dass die Flüchtlinge Ausgang haben, müssten sie erst mal ihre Stiefel spornen, um in die Stadt zu kommen“, sagte sie. Allerdings äußerte sie Verständnis dafür, dass in Zeiten, in denen dringend Erstaufnahmeeinrichtungen gebraucht werden, nicht jede Location die perfekten Ausgangsbedingungen biete.

Informationsveranstaltung

Ende November/Anfang Dezember wird es laut Auskunft von Andreas Bloching eine Informationsveranstaltung geben, um die Bürger über die weiteren Absichten des Landes zur geplanten Flüchtlingsunterkunft zu informieren. Anwesend werden sein Vertreter der Stadt Kronberg, des Landes Hessen, des Regierungspräsidiums Darmstadt und des Hochtaunuskreises. Darüber hinaus plant die Stadt zusammen mit dem Ministerium, dass es für alle direkt betroffenen Anlieger (Roter Hang) eine separate Informationsversammlung geben wird, an der auch der künftige Betreiber der Flüchtlingsunterkunft teilnehmen wird. „Diese Veranstaltung halte ich für sehr wichtig“, sagte Kämpfer. Alle Bürger hätten das Recht auf transparente Kommunikation und einen gleichen Informationsstand, fordert der Sozialdemokrat. Dass er von der Nachricht aus Wiesbaden überrascht wurde, „muss ich hinnehmen“, so Kämpfer. Kronberg sei eben nicht „Herr des Verfahrens“.

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