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Einsätze: Feuerwehr, Politik und Wirtschaft wollen ihre Zusammenarbeit noch enger verzahnen

Von Die Feuerwehr braucht viele Unterstützer. Und das nicht nur an den Einsatzstellen, sondern auch in den Chefetagen der Unternehmen. Denn was nützt der beste Feuerwehrmann, wenn sein Chef ihn im Einsatzfall nicht ziehen lässt? Bei einem Treffen von Vertretern aus Feuerwehr, Politik und Wirtschaft aus dem Hochtaunuskreis stand diese Frage im Mittelpunkt.
Feuerwehrleute beim Einsatz. Kein selbstverständliches Bild, denn die Kameraden haben „nebenbei“ auch noch berufliche Verpflichtungen. Feuerwehrleute beim Einsatz. Kein selbstverständliches Bild, denn die Kameraden haben „nebenbei“ auch noch berufliche Verpflichtungen.
Hochtaunus. 

Einen idealeren Zeitpunkt hätte es für die Veranstaltung nicht geben können. Feuerwehr, Politik und lokale Wirtschaft trafen sich am Donnerstagabend in der Lochmühle, um Ideen auszutauschen und einander besser zu verstehen. Tags zuvor war in Grävenwiesbach einer der größten und langwierigsten Einsätze mit dem Einsatzstichwort „Trinkwassernotstand“ der jüngeren Vergangenheit gelaufen, am Donnerstagnachmittag standen die Zeichen dann hessenweit auf Weltuntergang – und auch etliche Taunus-Feuerwehren mussten ausrücken. Spätestens bei solchen Unwetterereignissen erkennt jeder die Notwendigkeit einer stets einsatzbereiten und personell wie materiell bestens (aus)gerüsteten Feuerwehr.

Damit das gegeben ist, müssen viele Zahnräder ineinander greifen: Es braucht Menschen, die bereit sind, sich freiwillig und unentgeltlich einer solchen Aufgabe zu stellen. Es braucht Kommunen, die das nötige Geld in die Hand nehmen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Und es braucht eine Gesellschaft, die den ehrenamtlichen Einsatz würdigt und ermöglicht. Einer dieser Pfeiler ist die Wirtschaft. Wenn Betriebe ihre Arbeitnehmer für Einsätze, Ausbildungen und Übungen freistellen, funktioniert das System.

Ausgezeichnete Partner der Feuerwehr

Mit der Aktion „Partner der Feuerwehr“, bei der Firmen dafür ausgezeichnet werden, dass sie Mitarbeiter im Alarmfall zum Einsatz ziehen lassen, möchte der Deutsche Feuerwehrverband dabei helfen,

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Wohl auch deswegen hat der Gesetzgeber eine klare Regel getroffen, wonach ein Arbeitnehmer sogar einen Anspruch darauf hat, für Einsätze freigestellt zu werden, ohne dass ihm dadurch Nachteile entstehen. „In der Praxis ist das aber nicht so einfach umzusetzen und auch nicht zu kontrollieren“, gibt Kreisbrandinspektor Carsten Lauer zu bedenken und wählt ein drastisches Beispiel: „Nehmen wir den Zahnarzt, der gerade eine Wurzelbehandlung durchführt.“ Sicher: Der Patient würde sich bedanken, ebenso der Kunde des Handwerkers, der die Reparatur eines Rohrbruchs spontan unterbricht, um mit der Feuerwehr zu einem Rohrbruch auszurücken . . . Deswegen setzt der Kreisfeuerwehrverband nicht nur auf die Freiwilligkeit der Mitglieder, sondern auch auf die der Arbeitgeber. „Früher war das selbstverständlich“, weiß Lauer, „aber die Arbeitswelt hat sich verändert.“

Kommunikation wichtig

Umso wichtiger sei eine enge Zusammenarbeit und eine gute Kommunikation, betonte Norbert Fischer. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes stellte auch die wechselseitigen Synergien heraus. „Das können Qualifikationen sein, die die Feuerwehrangehörigen durch ihre technische Ausbildung mitbringen, aber auch die persönliche Einstellung.“ Denn wer in der Feuerwehr Dienst tue, lerne früh Verantwortung zu übernehmen und gewissenhaft zu arbeiten. „Zudem sind Angehörige der Feuerwehren in vielen Betrieben als Erst-, Evakuierung- oder Brandschutzhelfer eingebunden.“

Mit der Lochmühle und dem Autohaus Weick, Pikatron und Jarltech sowie Modellbau Karl Schmeer aus Bad Homburg konnten Kreisbrandinspektor Carsten Lauer (r.) und der Chef des Kreisfeuerwehrverbandes, Norbert Fischer (2. v. re.), fünf Firmen neu als „Partner der Feuerwehr“ begrüßen. Bild-Zoom
Mit der Lochmühle und dem Autohaus Weick, Pikatron und Jarltech sowie Modellbau Karl Schmeer aus Bad Homburg konnten Kreisbrandinspektor Carsten Lauer (r.) und der Chef des Kreisfeuerwehrverbandes, Norbert Fischer (2. v. re.), fünf Firmen neu als „Partner der Feuerwehr“ begrüßen.

Ja, es werde nicht einfacher, Nachwuchs zu finden, die Probleme seien bekannt, ergänzte Fischer, der dennoch auf „stabile Zahlen“ der Einsatzabteilungen verwies. „Eine Berufsfeuerwehr kann jedenfalls nicht die Alternative sein – und genauso wenig können der Kreis und die Kommunen die Aufgabe mit ihren Mitarbeitern übernehmen“, stellte Landrat Ulrich Krebs (CDU) klar und betonte: „Jeder muss einen Beitrag leisten!“

Zudem gebe es natürlich noch Optimierungsmöglichkeiten, etwa in der Ausbildung – sowohl in der beruflichen, als auch in der internen. „Einem Schlosser müssen wir nicht beibringen, wie er mit einem Trennschleifer umgehen soll“, wählte Lauer als Beispiel dafür, dass die jeweils erworbenen Kompetenzen wechselseitig besser anerkannt werden sollten. Damit stieß er bei den Vertretern der Kammern und Innungen auf offene Ohren – auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass es noch ein weiter Weg ist, bis dieses Ziel erreicht wird. Die Ausbildungsrichtlinien der Feuerwehr würden derzeit überarbeitet. Lauer: „Die Kompetenzvermittlung steht künftig im Mittelpunkt.“

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