Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Das trügerische Eis: Feuerwehr übt die Rettung von eingebrochenen Menschen

Von Wenn Personen auf einem zugefrorenen Teich im Eis einbrechen, ist höchste Eile geboten. Um für Ernstfälle gewappnet zu sein, probt die Homburger Feuerwehr regelmäßig solche Einsätze – wie jetzt im Kleinen Tannenwald.
Vorsichtig schiebt der Retter den Rettungsschlitten an das Eisloch, um den Eingebrochenen aus dem kalten Wasser zu ziehen. Fotos: Jochen Reichwein Bilder > Foto: Jochen Reichwein Vorsichtig schiebt der Retter den Rettungsschlitten an das Eisloch, um den Eingebrochenen aus dem kalten Wasser zu ziehen. Fotos: Jochen Reichwein
Bad Homburg. 

Was sind wir früher auf den Teichen und Seen Schlittschuh gelaufen. Es noch gar nicht so lange her, da flitzte sogar eine Akteurin von Holiday on Ice zu Werbezwecken über den Bad Homburger Schwanenteich im Kurpark. Um das Jahr 1900 wurde der zugefrorene Teich verpachtet. Doch eine tragfähige Eisdecke auf einem Gewässer in der Kurstadt – das hat es zuletzt nur selten gegeben. Das heißt allerdings nicht, dass einige Wagemutige nicht so dumm waren, sich dennoch aufs Glatteis zu wagen. Wer dabei einbricht, braucht schnelle Hilfe. „Der nächste Taucherzug sitzt in Frankfurt. Bis die hier sind, dauert es zu lange“, weiß der Chef der Homburger Feuerwehr, Brandrat Daniel Guischard.

Nach einigen Tagen Kälte ist das Eis zurzeit trügerisch, die Gefahr, dass unvorsichtige Zeitgenossen den Gang aufs Eis wagen, entsprechend hoch. Daher hatten Guischard und sein Ausbildungsleiter Ante Letica einen Trupp ihrer Kameraden zur Eisrettungs-Übung an den Weiher im Kleinen Tannenwald gebeten.

„Das Problem an solchen Gewässern ist, dass man nicht genau weiß, was man vor sich hat“, erklärt Guischard. Was die meisten wissen, ist, dass die Eisfläche an Zu- und Abläufen sehr brüchig ist, da der Prozess der Eisbildung durch das fließende Gewässer gestört wird. Meistens erkennt man diese Zu- und Abläufe, am Teich im Kleinen Tannenwald jedoch gibt es einen unterirdischen Zulauf, der nicht zu sehen ist.

Verschiedene Typen

Es gibt unterschiedliche Eis-Typen. Das Kerneis ist in der Regel tragfähig – sofern es eine Dicke von rund zehn Zentimetern hat. Man erkennt es daran, dass es durchsichtig ist. Im Gegensatz dazu ist das Schneeeis alles andere als tragfähig. Es bildet sich durch das Gefrieren einer Mischung aus Schnee und Wasser und ist meist sehr körnig. Am Einsatzort hatte es die Wehr mit einem gefährlichen Mischung zu tun. Unten ein sehr dünnes Kerneis, obendrauf das brüchige Schneeeis. Zudem muss, wer eine Eisfläche betritt, auf Einschlüsse und Flecken achten. An diesen Stellen wird die Eisbildung durch Unterwasserpflanzen oder aufsteigende Faulgase gestört. Guischard: „Auch an solchen Stellen ist die Tragfähigkeit massiv eingeschränkt.“

Die derzeit vorherrschende Witterung – mal Minus-, mal Plusgrade – bedeuten eine kritische Phase für Eisflächen. Herrschen auf der Unterseite des Eises Minusgrade und obendrauf Plusgrade entstehen Spannungen, die wiederum zu Rissen in der Eisfläche führen. Auch diese Tangentialrisse bedeuten Lebensgefahr.

Prinzipiell, so beklagt der Feuerwehrchef, hätten die Menschen die Interpretation solcher Phänomene verlernt. Und nicht nur das – auch das Verhalten auf der Eisfläche sei mitunter sehr gefährlich. So würden Personen keinen Sicherheitsabstand einhalten. Dabei könne eine massive Punktlast wiederum dazu führen, dass das Eis bricht.

Wärmende Getränke, keinen Alkohol

Die Feuerwehr gibt zum Betreten von Eisflächen folgende Tipps:   Eisflächen nur betreten, wenn diese freigegeben sind. Auf Warnhinweise achten.

clearing

Ist jemand eingebrochen, ist das Zeitfenster für die Rettung kurz. „Zunächst ist man für Sekunden orientierungslos“, erklärt Guischard. Aufgrund der Kälte kommt es zu einem Atemreflex, der wiederum die Herzfrequenz hochtreibt, was die Auskühlung beschleunigt. „Die Unterkühlung setzt in einem Zeitfenster zwischen drei und zehn Minuten ein.“ Um zu verhindern, dass man beim Einbrechen unter das Eis gerät, soll man die Arme ausstrecken – so bleibt man an den Rändern des Loches hängen.

Und da Frankfurt und seine Taucher nicht gerade um die Ecke sind, verfügt die Homburger Wehr als einzige im Hochtaunuskreis über ein Einsatzfahrzeug zur Eis- und Wasserrettung. Neben Survivalanzügen, mit denen man auch im kalten Wasser warm und trocken bleibt, finden sich darin ein Schlitten, durch den sich das Gewicht von Retter oder Opfer auf der Eisfläche verteilt. Hochmodern ist der Inhalt des Rettungskoffers. Darin befindet sich eine Unterwasserkamera, die dazu dient, Personen zu suchen, die unter die Eisfläche geraten oder im Wasser untergetaucht sind. Die Kamera wird an einen Stab gesteckt und unter Wasser gehalten. Die Bilder werden über einen Monitor nach oben übertragen – entweder an Land oder in das aufblasbare Rettungsboot. Hat man die vermisste Person entdeckt, kann man sie mittels eines Greifhakens nach oben ziehen. Doch Guischard wäre es lieber, wenn diese Gerätschaften gar nicht erst zum Einsatz kommen. „Besser wäre, die Leute passen auf, bevor sie eine Eisfläche betreten.“

Wie es ist, auf dem Eis einzubrechen und wie die Einsatzkräfte genau bei der Rettung vorgehen, lesen Sie auf Seite 10.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse