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Herbstferienkurs: Figurentheater hilft vor allem Flüchtlingskindern bei ihrer Entwicklung

Es wurde eifrig gebastelt und geschauspielert diese Woche in der Musisch bildnerischen Werkstatt. Beim Herbstferienkurs „Puppentheater“ gestalteten die Kinder eigenständig Figuren und überlegten sich Geschichten. Diese standen unter besonderen Vorzeichen, denn fast alle Kinder kommen aus geflüchteten Familien.
Stolz präsentieren die Puppenspielerinnen Wissa, Malak und Rouliana (von links) ihre selbstgemachten Figuren. Foto: Jochen Reichwein Stolz präsentieren die Puppenspielerinnen Wissa, Malak und Rouliana (von links) ihre selbstgemachten Figuren.

Gruselig ist es auf dem Friedhof. Zu nächtlicher Stunde versammeln sich dort die Skelette und Dämonen. Die Köpfe zusammengesteckt, hecken sie einen diabolischen Plan aus. Sie wollen vier Prinzessinnen gefangen nehmen, die sich auf dem Weg zum Grab ihrer Mutter befinden.

Mit viel Gebrüll springen die Skelette aus ihren Verstecken, als die Prinzessinnen den Friedhof erreichen. Es entsteht ein Kuddelmuddel. Wild flattern die Tücher im Kampfe, bevor zur Rettung der Prinzessinnen plötzlich ein paar Einhörner auftauchen.

Fröhliches Gelächter erschallt aus den Töpferräumen der Musisch bildnerischen Werkstatt (MbW) in der Hugenottenstraße. Hier findet diese Woche ein Figurentheater-Kurs für Kinder statt. Fünf Tage lang modellieren und gestalten neun Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren Handpuppen nach eigenen Vorstellungen und spielen an zwei zur Bühne umfunktionierten und mit allerhand Krimskrams ausstaffierten Tischen kleine Szenen nach, die sie sich selbst ausgedacht haben.

Einzigartiger Kurs

„Der Kurs ist einzigartig. Theater haben wir sonst nicht“, sagt die Leiterin der MbW-Geschäftsstelle Claudia Weck (57). Besonders ist die Gruppe auch aus einem anderen Grund. Abgesehen vom Sohn der künstlerischen Leiterin, Carolin Pietscher-Bücker, kommen alle Kinder aus geflüchteten syrischen und afghanischen Familien. Den Kontakt vermittelte der Friedrichsdorfer „Arbeitskreis Asyl“, gemeinsam mit dem Verein „Kulturleben Hochtaunus“ sponsort die MbW die Teilnahme.

„Für die Entwicklung der Kinder ist es ungemein wichtig, sich kreativ zu betätigen und nicht immer nur am Handy zu spielen“, betont Pietscher-Bücker. „Die Figuren geben den Kindern ein Ventil und helfen, sich selbst zu entdecken. Mit einfachsten Mitteln erschaffen sie ihre eigene Welt.“

Die meisten seien dabei noch nie in einem Puppentheater gewesen. Auch im Hinblick aufs Erlernen der deutschen Sprache würden die Figuren helfen. „Die Kinder trauen sich frei zu sprechen. Wenn mal was nicht stimmt, hat man ja nicht selbst den Fehler gemacht, sondern die Puppe“, sagt die 53-jährige Köppernerin. Abgesehen von der ein oder anderen grammatikalischen Ungenauigkeit können alle schon ganz gut deutsch sprechen.

Stolz präsentieren die Nachwuchs-Schauspieler ihre Figuren. Auf die Frage, ob sie die denn selbst angefertigt hätten, ertönt ein langgezogenes „Jaaa!“

Als Basis für den Puppenkopf diente den Kindern eine Rohform aus Styrodur, die auf einen kleinen Holzstab gesteckt wird. Den Kopf bemalten und gestalten die Kinder anschließend nach Lust und Laune.

„Meine Prinzessin brauchte natürlich Haare, deshalb habe ich Wollstreifen auf die Oberseite geklebt“, erzählt die zehnjährige Rouliana und fügt hinzu: „Für die Augen habe ich zwei kleine Knöpfe benutzt.“ Kleider haben die Puppen natürlich auch. „Wir nähen abgeschnittene Ärmel an die Figuren“, sagt der achtjährige Mohamad. „Schau mal, vorne sind zwei kleine Löcher. Da kann man die Finger durchstecken.“

„Oh ja, das ist gut“

Die Utensilien gibt’s aus großen Schatztruhen, in denen Pietscher-Bücker allerhand Stoffstreifen, Schmuck, Knöpfe und ähnliches gesammelt hat. Sie wühlt gerade in einer der Plastikkisten, der Delfin von Wissa braucht was zum Anziehen. „Oh ja, das ist gut“, sagt die Siebenjährige bei einem blauen Hemdsärmel.

Bis zur großen Vorstellung am heutigen Freitag, wenn die Kinder vor ihren Eltern und Geschwistern auftreten, ist schließlich noch einiges zu tun. Ganz vertieft in ihre Arbeit sitzen sie im MbW-Hof. Mohamad klebt rote Muckelsteine an die Stelle der Augen seines Dinosauriers, die Mädels bemalen Einhörner mit bunten Farbstiften. Malak streut noch ein wenig Glitzerstaub über ihre Figur. „Ich liebe Glitzer“, sagt die Achtjährige. Auf die Schlussvorstellung freut sie sich: „Meine Mama und mein Papa kommen, das wird toll.“

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