Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 7°C

Flöte und Akkordeon spielen mit dem Wind

Von Klangerlebnisse der besonderen Art gesellten sich am Mittwoch im Sinclair-Haus zu den Naturerlebnissen, die sich dem Betrachter der Ausstellung „Verzweigt“ inmitten von Baum-Kunstwerken ergeben.
Bad Homburg. 

Fest gegründet musste Bettina Berger sich fühlen, bevor sie mit ihrer Flöte ansetzte für ein Solostück von Elliott Carter (1908–2012), also suchte sie sicheren Stand. „Scrivo in vento“ – Ich schreibe in den Wind – lebt von großen Gegensätzen, von gehauchten Tönen in der Tiefe, von herausgestoßenen schrillen hohen Tönen. Einige verzierte Einwürfe kommen auch vor, Kapriolen sozusagen, und auch eine ruhig getragene Melodie, bevor der Wind wieder zu seinem etwas unheimlichen Beginn zurückkehrt.

Stille vor dem Sturm

2013 schrieb der Belgier Wolfgang Delnui (*1977) das Stück „Und der Wind“ für Akkordeon. Mit diesem Werk setzte Sergej Tchirkov die Luftorgien fort. Rauschen in der Tiefe, dazu Pfeiftöne, Stille spielt mit, die Ruhe vor dem Sturm, bis sich ein Brausen entwickelt. Dann eine leise Strömung, durchzogen von Fauchen: Der Wind hat viele Möglichkeiten, sich an Widerständen zu erproben.

Improvisatorischen Freiraum gibt der Amerikaner Robert Dick (*1950) in seinem Stück „Flames must not encircle sides“. Triller in allen möglichen Tonlagen und Intervallabständen mit ausladender Dynamik, von fast unhörbar gehaucht bis extrem eindringlich und schrill, zeichnen diese Musik aus. Erfrischendes Vogelgezwitscher und zarte Ströme entlockte Bettina Berger ihrer Flöte.

Beide Musiker, Berger und Tchirkov, haben ein klassisches Studium absolviert, sie in der Schweiz und Deutschland, er in Russland. Beide haben sie sich der ganz modernen Musik verschrieben, wirken hier in unterschiedlichen Ensembles mit. Die Zuhörer wurden gebeten, sich ganz den Klangerlebnissen hinzugeben und Beifallskundgebungen für den Schluss zu bewahren. Fast alle lauschten hochkonzentriert, teils mit geschlossenen Augen, nur an wenigen Stellen war auch ein wenig Unruhe zu spüren, denn diese Klangwelten stellen nicht nur an die Interpreten sondern auch an die Hörer große Anforderungen.

Der Klang von Eis

Der Finne Pasi Lyytikäinen (*1975) ließ sich in seiner Komposition „Jiän länj“ (Der Klang von Eis) sicherlich von einem Gletscher oder gar einem Eisberg inspirieren. Tchirkov interpretierte die Klänge auf seinem chromatischen Knopfakkordeon so intensiv, dass die dunklen Gründe, Spalten und feinste Risse, Knacken und Bersten und auch das Funkeln von Lichtstrahlen auf dem Eis sehr gut zu empfinden waren.

2008 entstand das Stück „Kannst du diesen verkehrt fliegenden Vogel sehen?“ für Akkordeon und Bassflöte. Eine ganze Woche lang hatten die Interpreten Gelegenheit, diese Klänge zusammen mit der Komponistin Hannah Eimermacher (*1981) einzustudieren, ein Erlebnis aus bisher kaum gehörten Klangschattierungen beider Instrumente. Die Zuhörer bekamen, hierfür in Dunkelheit versetzt, besondere Intensität für tiefe Empfindungen. Die Begeisterung für solche Klangkunst brach endlich am Schluss mit großem Nachdruck durch.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse