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Friedrichsdorfer Wohnheim: Flüchtlinge trommeln für ihre Gäste

Von Rund 110 Flüchtlinge leben derzeit in Friedrichsdorf, berichtet Bürgermeister Horst Burghardt beim Fest in der Flüchtlingsunterkunft. Mindestens weitere 140 Menschen muss die Stadt noch aufnehmen – und braucht für sie Wohnraum.
„German Papa“ Friedrich Pratschke (links) mit Daniela Wohlfarth und Michael Hibler vom Diakonischen Werk. Foto: Jochen Reichwein „German Papa“ Friedrich Pratschke (links) mit Daniela Wohlfarth und Michael Hibler vom Diakonischen Werk.
Friedrichsdorf. 

Bevor die Djembe-Trommeln zum Einsatz kommen, tönt aus den Lautsprechern orientalische Musik. Es duftet nach exotischen Gerichten, und auf der Hüpfburg toben Kinder. Zum Sommerfest im Flüchtlingsheim in der Max-Planck-Straße hatten das Diakonische Werk, das die Unterkunft betreibt, und die Stadt Friedrichsdorf Freunde und Unterstützer der Flüchtlinge sowie Anwohner eingeladen. Die meisten Speisen fürs Buffet hatten die Flüchtlinge zubereitet. „Wir feiern Einjähriges“, sagte Michael Hibler, Leiter des Diakonischen Werks Hochtaunus. Am 2. September 2014 waren die ersten Flüchtlinge hier eingezogen.

61 Flüchtlinge leben derzeit hier, unter ihnen 18 Kinder, berichtet die Leiterin des Heims, Sozialarbeiterin Daniela Wohlfarth. Die Menschen kommen aus Syrien, dem Iran, Algerien, Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Eritrea, Somalia, Albanien, Serbien, dem Kosovo und der Türkei. Insgesamt 110 Flüchtlinge sind derzeit im Stadtgebiet untergebracht, auch in Wohnungen. 40 bis 50 von ihnen haben bereits die Anerkennung und dürfen definitiv bleiben, so Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Er dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern, unter ihnen Schüler der nahe gelegenen Philipp-Reis-Schule und der Bad Homburger Humboldtschule, zahlreiche Mitglieder des Vereins Wir Friedrichsdorfer und die Mannschaft von der Senioren-Holzwerkstatt, die die Küche im Asylbewerberheim aufgebaut hat.

Burghardt sagte weiter: „Ich wünsche mir, dass das gute Miteinander hier weiter gedeihen möge.“ Den Flüchtlingen wünschte er: „Alles Gute auf Ihrem weiteren Lebensweg.“ Später ließ er sich gut gelaunt von einigen Afrikanern zeigen, wie man die Djembe-Trommel schlägt. Mit der Diakonie arbeite die Stadt in Sachen Flüchtlinge sehr gern zusammen: „Eine Non-Profit-Organisation ist uns da viel lieber als ein Wirtschaftsunternehmen“, so Burghardt. Insgesamt betreut das Diakonische Werk im Hochtaunuskreis derzeit 300 Flüchtlinge. Auch die Caritas und weitere Wohlfahrtsverbände sind engagiert.

Friedrichsdorf muss, wie alle Städte und Gemeinden, noch weitere Flüchtlinge aufnehmen. Wie viele, das hängt von der Einwohnerzahl ab. In diesem Jahr sollen nach derzeitigem Stand 140 Personen dazu kommen. Die Zahl könne sich aber noch erhöhen, erklärte Sozialamtsleiter Klaus Holländer. Für den ganzen Hochtaunuskreis seien für dieses Jahr 2300 Flüchtlinge vorgesehen. Anfang Oktober sollen die Zahlen aktualisiert werden.

Langwierige Verhandlungen

Burghardt betonte: „Wenn man etwas will, dann kann man es auch bewerkstelligen.“ Die Stadt brauche noch weitere Standorte für Flüchtlingsunterkünfte. In der Otto-Hahn-Straße habe die Stadt ein Gebäude für 45 Asylsuchende in Aussicht. „Dafür muss der Kreis noch den Beherbergungsvertrag unterschreiben“, so Burghardt. Weitere 45 Asylbewerber könnte die Stadt im ehemaligen Schwesternwohnheim des Waldkrankenhauses unterbringen. Da gebe es aber noch eine Hürde zu überwinden: „Die Verhandlungen ziehen sich leider hin, weil es im Waldkrankenhaus noch Bedenken gibt“, so Burghardt. „Anfang Oktober wollen wir ein Fachgespräch mit dem leitenden Arzt führen, um die Bedenken auszuräumen.“

Zudem spreche Burghardt derzeit mit seinem Rosbacher Amtskollegen über interkommunale Zusammenarbeit bei der Flüchtlingsunterbringung. „Da geht es um ein Gebäude auf der Gemarkungsgrenze. Darin könnten unsere Städte gemeinsam Asylsuchende unterbringen.“ Eine weitere Lösung könnte sich Burghardt beim Roten Kreuz (DRK) vorstellen. Da sei er mit Jürgen Banzer, der nicht nur CDU-Landtagsabgeordneter, sondern unter anderem auch Vorsitzender des DRK Kreisverbands Hochtaunus ist, im Gespräch: „Das DRK will eine Rettungswache im Gewerbegebiet Köppern Nordost bauen.“ Das Gebäude könnte sicher so gestaltet werden, dass dort auch Flüchtlinge untergebracht werden könnten, so Burghardt. Dringend gebraucht würden zudem normale Wohnungen. Denn anerkannte Flüchtlinge dürften direkt in eigene Wohnungen ziehen und sich Arbeit suchen.

Ehrenamtliche lehren Deutsch

Menschen aus Syrien etwa bekommen ihre Anerkennung sofort, erklärt Hibler. „Anerkannte Flüchtlinge haben auch das Recht, an einem Integrationskurs teilzunehmen, zu dem auch ein Sprachkurs gehört.“ Dafür, dass Flüchtlinge, deren Verfahren noch läuft, auch schon Deutschunterricht erhalten, setzen sich Ehrenamtliche ein. „Das läuft in Friedrichsdorf vorbildlich. Der hiesige Arbeitskreis Asyl ermöglicht es jedem, der das möchte, Deutsch zu lernen“, sagt Dr. Tobias Krohmer, Referent für gesellschaftliche Verantwortung aus dem Dekanat Hochtaunus. Er koordiniert, zusammen mit seinem Kollegen Christoph Diringer vom katholischen Bezirksbüro, die Arbeitskreise Asyl im Hochtaunuskreis. Auch in Bad Homburg laufe die ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge hervorragend. Was man noch besser machen könne? „Sehr wichtig wären mehr Alltagsbegleiter für Flüchtlinge“, sagt Krohmer. Ehrenamtliche also, die Flüchtlinge etwa bei Behördengängen unterstützten. „Das ist sehr zeitaufwendig und bedeutet eine hohe Verantwortung“, weiß Krohmer.

Die Friedrichsdorfer Flüchtlinge übrigens haben nicht nur für das Fest am Donnerstag gekocht, gebraten und gebacken. Einige von ihnen arbeiten bereits bei der Stadt am Bauhof mit – für einen symbolischen Betrag von 1,10 pro Stunde, berichtet Holländer. Denn auch Flüchtlinge, deren Verfahren noch läuft, dürfen, nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland, hier arbeiten. „Unter anderem haben sie im Schwimmbad Garten- und Reinigungsarbeiten erledigt.“ Für ihren Lebensunterhalt erhalten sie Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. „Das ist an die Hartz IV-Leistungen angeglichen und bedeutet in etwa 350 Euro pro Haushaltsvorstand, für weitere Familienmitglieder sind die Leistungen gestaffelt.“

Auf dem Fest war übrigens auch die Feuerwehr engagiert: Der Burgholzhäuser Wehrführer Wolfgang Fuchs und Zugführer Frank Leun grillten von der Metzgerei Seitz gespendete Rindswurst, Puten- und Hähnchenfleisch für die Gäste. Die Bäckerei Hembd hatte Brötchen und Kuchen gestiftet. Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb und sein Stellvertreter Jürgen Leyendecker betreuten Hüpfburg und Menschenkicker. Die beiden Spielgeräte waren eigentlich für das Hoffest der Bad Homburger Polizei reserviert gewesen, berichtet Daniela Wohlfarth. „Für uns hat die Polizei darauf verzichtet.“

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