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Oberurselerin und Homburgerin sind seit zwölf Jahren Homesitter: Frauen mit Schlüsselqualifikationen

Von Ines Gierlich und Helga Pfeifer betreuen Häuser, solange deren Besitzer weg sind. Dabei helfen ihnen Erfahrung, ein grüner Daumen – und das Wissen, wie Einbrecher ticken.
Bis zu 15 Häuser und Wohnungen besuchen Ines Gierlich und Helga Pfeifer pro Tag – da gilt es, die diversen Schlüssel auseinanderzuhalten. Foto: Jochen Reichwein Bis zu 15 Häuser und Wohnungen besuchen Ines Gierlich und Helga Pfeifer pro Tag – da gilt es, die diversen Schlüssel auseinanderzuhalten.
Hochtaunus. 

Ines Gierlich öffnet ihre schwarze Handtasche. Der Inhalt verblüfft: Darin befindet sich ein Dutzend Schlüsselbunde mit bunten Anhängern. Die Oberurselerin wird sie alle im Laufe des Tages benutzen. Auch ein Katzen-Leckerli befindet sich in der Tasche. Damit wird sie gleich einen der ihr anvertrauten Stubentiger bezirzen, der in einem der Häuser auf ihrer Liste zurückgelassen wurde.

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Ines Gierlich und ihre Geschäftspartnerin Helga Pfeifer hüten Häuser und Wohnungen von Menschen, die verreist sind – manche nur übers verlängerte Wochenende, andere ein ganzes Jahr lang. „Homesitting Taunus“ heißt das Zwei-Frau-Unternehmen mit Sitz in Oberursel. Dessen Erfolgsstory begann mit einem verschimmelten Brot in Ines Gierlichs Wohnung.

Info: Konkurrenz wächst

Das Haushüten hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten als Berufszweig etabliert. Das hat zum einen mit dem größeren Interesse von Haus- und Wohnungsbesitzern für Sicherheit zu tun.

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„Wir waren beide in der Reisebranche tätig“, erzählen die Damen – daher kennen sie sich auch. Beide waren oft selbst unterwegs. „Die Idee entstand, als ich heimkam und mich ärgerte, weil ich vor der Abreise vergessen hatte, das Brot zu entsorgen“, so Gierlich. Außerdem hätten sie am Flughafen von ihren Kunden oft Sätze gehört wie: ,Hoffentlich geht das mit dem Haus gut. Die beiden Frauen witterten eine Geschäftslücke. Mit Ende 50 gingen sie früher in Rente und gründeten 2005 ein Unternehmen, das zu dieser Zeit im Taunus noch seinesgleichen gesucht habe. „Das Berufsbild gab es noch nicht“, sagt Ines Gierlich – die Betriebshaftpflicht habe man gemeinsam mit der Versicherung entwickelt. Inzwischen gebe es zunehmend Konkurrenz (siehe auch Text unten).

Knapp 200 Kunden

Schnell wuchs der Kundenstamm; mittlerweile würden die Frauen gern selbst mal wieder verreisen, aber die Auftragslage lässt es nicht zu. Knapp 200 Kunden stehen in der Kartei; besonders stressig ist es für sie jetzt in den Sommerferien. Jede fährt täglich bis zu 15 Immobilien im Vordertaunus und dem Frankfurter Nordend ab.

Blumen gießen und mal einen Blick in den Kühlschrank werfen – das waren die Dienstleistungen, die in den ersten Jahren wichtig waren. „Doch der Schwerpunkt hat sich verlagert“, erklärt Ines Gierlich. Der Hauptgrund für viele Klienten, den Dienst der Haushüterinnen zu buchen, ist heute die Sicherheit ihres Heims. Viele haben Angst vor Einbrechern. Und so besucht das Damen-Duo inzwischen nicht mehr nur Kurse zur Gartenpflege, sondern auch Präventionsveranstaltungen der Kriminalpolizei. „Dort erfahren wir, wie Einbrecher denken, wie sie wo ins Haus gelangen könnten“, erläutert Helga Pfeifer. Das Gelernte wird beim Haushüten beachtet.

Die beiden Frauen sind inzwischen Meisterinnen im Bluffen. „An einem Tag stellen wir ein Paar Schuhe vor die Tür, am nächsten hinterlassen wir einen leeren Joghurtbecher auf dem Terrassentisch, dann rollen wir den Gartenschlauch anders auf“, verraten sie. Und auch ein Wasserschaden in einem verlassenen Haus falle eher den wachen Augen der Haushüterin auf als einem vollvernetzten „Smarthome“. Sie seien aber „keine Wach- und Schließ-Gesellschaft“, betonen sie – eher „von allem ein bisschen“. Homesittern würden die intimsten Räume anvertraut – „da lässt man eher mal eine gestandene Dame rein“, sagen sie selbstbewusst. Das Gleiche gilt für manch repräsentativen Garten. Und dann ist da noch die Oma im Erdgeschoss, die gern zum Shoppen gefahren werden würde . . .

Das Blumengießen sei in den vergangenen Jahren deutlich in den Hintergrund getreten. Zweitwichtigster Bereich der Kunden sind deren Tiere, die nicht mitfahren konnten. „Katze, Maus, Papagei“ seien die Klassiker; auch eine Schlange haben die Frauen mal versorgt. Und wenn die Mieze sich nicht blicken lässt? „Dann klapper ich mit dem Topf – das klappt meistens“, sagt die Homburgerin Pfeifer lächelnd.

Im wohlhabenden Taunus haben Homesitter auch viel mit Technik zu tun. In manchen Villen bekommen Ines Gierlich und Helga Pfeifer dicke Arbeitsmappen für den Swimming Pool in die Hand, „damit wir wissen, welchen Filter wir reinigen müssen, wenn’s piept“. Auch mit der Entschärfung komplizierter Alarmanlagen kennen sie sich mittlerweile bestens aus. Und manche Hausbesitzer sind gar nicht weg, buchen die Frauen aber zum Rosenschneiden, zur Wohnungsübergabe, für die Partydeko . . .

Gut vernetzt

Ihre große Stärke ist die persönliche Beziehung, die die Geschäftspartnerinnen mit ihren Kunden haben. Man kennt sich seit Längerem oder die Frauen wurden weiterempfohlen. „Wir sind gut vernetzt – auch mit Handwerkern“, berichtet Gierlich. Kommen die Hausbesitzer zurück, steht immer eine kleine Aufmerksamkeit da. Ein Herr wünscht sich immer Helga Pfeifers selbstgekochte Linsensuppe, die nach einem Asien-Urlaub natürlich mundet. „Da habe ich was angefangen“, sagt die Hobbyköchin lächelnd.

Ihr Tag endet oft spät vor dem Computer, wenn sie den Hausbesitzern schreibt, was sie im Haus gemacht hat. „Aber es macht Spaß. Sonst wäre der Job nicht machbar.“

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