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Frei ist der Mensch, der frei wählt

Verstand, Wille, Freiheit, Explosion – diese Begriffe rund um den Philosophen Immanuel Kant sorgten bei der jüngsten Veranstaltung der Philosophischen Gesellschaft für regen Diskussionsstoff.
Bad Homburg. 

Frei zu sein erfordert Mut – den Mut und den Willen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen und nicht bloß nachzuplappern, was andere vorgeben. Das war eine der Kernaussagen bei der jüngsten Veranstaltung der Philosophischen Gesellschaft und des Forschungskollegs für Humanwissenschaften im Kurhaus. Es ging um die Frage: „Welche Freiheiten braucht der Mensch? Die Antwort Immanuel Kants“. Philosophieprofessor Dr. Oliver Scholz von der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster hatte sich des Themas angenommen und gab gleich vorab Entwarnung: Trotz seiner häufig schwierigen Schriften sei Kant nicht allein ein Philosoph für Philosophen, sondern durchaus ein Philosoph für die Welt, der sich an alle Menschen richte.

„In seinem berühmten Aufsatz ,Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung‘ von 1784 spricht Kant den öffentlichen, freien Gebrauch der Vernunft als die entscheidende Bedingung für die Aufklärung des Menschen an“, so Scholz. Diese Freiheit sei unverzichtbar. Ebenso wichtig aber sei die individuelle Freiheit, die Freiheit, nach eigenen Maximen zu handeln.

In seinem Vortrag ging Scholz zunächst auf die öffentliche Freiheit ein. Zur öffentlichen Aufklärung bedürfe es nach Kant der Publikationsfreiheit, denn der Mensch habe ein Recht darauf, die Ergebnisse seines Nachdenkens anderen zur Prüfung vorzulegen. Die Rahmenbedingungen für diese Form der Freiheit müssten Regierungen und Religion schaffen. Kant setzt hier auf einen politisch fortschreitend Reformenprozess und nicht auf die Revolution, wie andere Autoren seiner Zeit.

Hinsichtlich der Selbstaufklärung jedes Einzelnen zog Scholz die Untersuchungen Kants zur Metaphysik der Sitten, zur Anthropologie und zur Religionsphilosophie heran. Wesentlich sei das Überwinden der „passiven Vernunft“, also das Festhalten an Vorurteilen und Aberglauben. Innerlich frei sei ein Mensch, der sich seine Maximen frei wählt. Dabei sei lediglich ein Mensch mit Charakter in der Lage, nach Maximen zu handeln.

Für Diskussion unter den etwa 70 Zuhörern sorgte Kants Auffassung, dass der Mensch seinen Charakter nicht von Natur aus habe oder durch Sozialisierung erwerbe, sondern sich selbst schaffe. Der Mensch entscheidet sich nach Kant aus sich heraus, ob er sich weiterhin von Vorurteilen und Aberglauben leiten lässt oder nach seinen eigenen Maximen lebt. Hier propagiert er einen revolutionären Umbruch, denn dieser Schritt hin zum eigenverantwortlichen Denken kam einer „Explosion“ gleich.

Professor Dr. Peter Rohs, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Philosophischen Gesellschaft, gab zu bedenken, dass er sich in seinem Leben an eine solche „Explosion“ nicht erinnern könne und sorgte damit für Heiterkeit. Unterm Strich blieb die Erkenntnis, dass die Psychologie und die Gesellschaftslehre in den Jahrhunderten nach Kant wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse hinzugewonnen haben, Kant aber nach wie vor aktuell ist.

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