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Seit zwei Jahren: Freitags verwandelt sich die Küche des Stadtteilbüros in eine Fahrradwerkstatt

Jeden Freitagnachmittag verwandelt sich die Küche des Steinbacher Stadtteilbüros in eine Fahrradwerkstatt. Hier wird gemeinsam geschraubt, gewerkelt und miteinander geredet. Am 22. Juni feiert die AG ihr zweijähriges Bestehen mit einem kleinen Fest.
Jeden Freitagnachmittag verwandelt sich das Stadtteilbüro in Steinbach in eine Fahrradwerkstatt. Foto: Jochen Reichwein Jeden Freitagnachmittag verwandelt sich das Stadtteilbüro in Steinbach in eine Fahrradwerkstatt.
Steinbach. 

Die neunjährige Sabeeha lässt Andreas Woyda nicht aus den Augen. Denn der 58-Jährige nimmt gerade ihr Fahrrad unter die Lupe. Sein Blick sieht dabei nicht gerade vielversprechend aus, denn beide Bremsen funktionieren nicht. „Der Bremszug ist kaputt und muss wieder eingestellt werden“, erklärt er und versucht, ihn wieder zu justieren. Die beiden befinden sich gerade am Stadtteilbüro des Infrastrukturförderprogramms Soziale Stadt in Steinbach. Vor dem Gebäude stehen die Leute mit ihren Rädern Schlange, während drinnen schon fleißig geschraubt wird. Denn es ist Freitagnachmittag, 17 Uhr, Fahrradwerkstatt-Zeit.

Das Projekt feiert am Freitag, 22. Juni, sein zweijähriges Bestehen, und die Macher freuen sich über den Erfolg. „Eigentlich war bereits nach den ersten Malen hier sehr viel los“, sagt Woyda. Es habe sich schnell herumgesprochen, dass man Uhr mit seinem defekten Drahtesel im Stadtteilbüro vorbeischauen kann. Nun kämen regelmäßig durchschnittlich 20 Besucher vorbei.

Werkzeug und Wissen

Dabei geht es jedoch nicht darum, sein Rad wieder in Stand gesetzt zu bekommen, sondern darum, dass man dabei selbst Hand anlegt. „Natürlich helfen wir auch, beraten und packen mit an. Und wir haben auch das richtige Werkzeug“, so Woyda. Das kommt von Doris Schellbach. Die 76-jährige hat jahrelang einen Fahrradladen in Steinbach betrieben, daher verfügt sie über einen großen Fundus an Gerätschaften. Und Schellbach bringt jede Menge Wissen mit, denn sie habe schließlich 20 Jahre lang Räder repariert, erzählt sie lachend.

Ihre Bekannte Ingrid Fries schaut regelmäßig mit ihrem Drahtesel in der Werkstatt vorbei. „Meine Felge musste repariert werden. Ohne Fahrrad bin ich nur ein halber Mensch. Ich mache alles mit dem Rad, daher ist es wichtig, dass ich es in Ordnung halte“, meint sie. In der Fahrradwerkstatt bekäme sie die richtige Hilfe. Außerdem seien alle sehr nett, man könne sich unterhalten und Ahmed, ein Helfer, würde regelmäßig Tee für alle kochen.

Dieser Rundum-Service ist für die Besucher kostenlos, „wir freuen uns aber über eine kleine Spende“, sagt Schellbach. Davon könnten dann Ersatzteile erstanden werden. Doch neben dem Schrauben an kaputten Rädern konnten die Ehrenamtlichen in den letzten beiden Jahren rund 100 gespendete Fahrräder wieder fahrtüchtig machen und sie an Flüchtlinge verschenken.

Aus Pakistan ist Sabeehas Familie vor zehn Jahren nach Steinbach eingewandert. Die Neunjährige ist enttäuscht und muss sich bis zum nächsten Freitag mit ihrem Fahrrad gedulden. Denn der Bremsschlauch ist kaputt und muss komplett ausgetauscht und neu bestellt werden. Dafür freut sich aber ihr kleiner Bruder Iqan (6). Vater Zeeshan Seddique konnte parallel die Räder seines neuen Drahtesels aufpumpen, so dass er nun auch das Radfahren erlernen kann.

Feier im Stadtteilbüro

„Die Fahrradwerkstatt ist mehr als Werkeln und Schrauben. Es ist ein Ort der Begegnung“, freut sich Bärbel Andresen, Quartiersmanagerin der Sozialen Stadt. Bei der Gründung vor zwei Jahren sei die Werkstatt die erste AG im Stadtteilbüro gewesen. Das soll am 22. Juni zwischen 17 und 19 Uhr gefeiert werden. Getränke sind vorhanden, wer möchte, kann eine Kleinigkeit zu essen mitbringen.

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