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Demonstration in Köln: Friedrichdorfer droht bei Facebook mit Bombenanschlag auf Anti-Salafisten-Demo

Von Weil er auf Facebook einen Sprengstoffanschlag angekündigt hatte, stand ein 19-jähriger Friedrichsdorfer jetzt vor dem Kadi. Weil noch das Jugendstrafrecht angewandt wurde, kam er mit einer Geldstrafe davon.
(Symbolbild) (Symbolbild)
Friedrichsdorf. 

Der junge Friedrichsdorfer hatte viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt, als er am Abend und in der Nacht des 14./15. Oktobers vergangenen Jahres über Facebook ein „großes Feuerwerk“ – gemeint war ein Sprengstoffanschlag – für den Fall ankündigte, dass eine für den 25. Oktober in Köln angesetzte Demonstration gegen gewaltbereite Salafisten nicht zurückgenommen werde. „Hallo, wenn Demo stattfindet und nicht abgesagt wird und Allah nochmals beleidigt wird, geht alles in die Luft“, war nur eine von mehreren Ankündigungen über Facebook, denen er seinen Namen in arabischer Schrift hinzufügte. Um seinen Drohungen Nachdruck zu verleihen, hatte der junge Mann – damals 18 Jahre und 5 Monate alt – sich als Salafist bezeichnet.

Im Baumarkt beschäftigt

Und er ließ die Gegner der Salafisten wissen, dass er in einem Baumarkt arbeite und sich alle Materialien für eine geeignete Bombe beschafft habe. Dazu übersandte er Fotos von verschiedenen für den Bombenbau geeigneten Gegenständen wie Schrauben, Nägel und Gasflaschen.

Von einem Facebook-Nutzer informiert, hatte die Polizei Ermittlungen aufgenommen und stand wenige Tage später um 6 Uhr vor der elterlichen Wohnung des jungen Mannes. „Die Eltern fielen aus allen Wolken, als sie den Anlass unserer Durchsuchungsaktion erfuhren. Die Mutter des Angeklagten bekam während unserer Anwesenheit mehrere Weinkrämpfe“, berichtete der zuständige Bad Homburger Kriminaloberkommissar.

Aber auch der 18-Jährige sei vom Erscheinen der Polizei völlig überrascht gewesen, habe aber schnell kooperiert. Bei der Durchsuchung hatten die Beamten unter anderem einen Koran sowie ein Butterfly-Messer mit einer acht Zentimeter langen Klinge im Zimmer des 18-Jährigen sichergestellt. Letzteres stellt ein Verstoß gegen das Waffengesetz dar.

Nun wurde der Fall vor der Bad Homburger Jugendrichterin verhandelt, bei der der junge Mann wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ und „versuchter Nötigung“ angeklagt war.

Im Gericht zeigte sich der junge Mann geläutert. Zur Annäherung an den Islam sei es Mitte 2015 gekommen. Da habe er zwei junge Männer aus dieser Glaubensrichtung kennengelernt. Einige Wochen später sei er dann zum Islam konvertiert. Dies sei in einer Lagerhalle in Frankfurt gewesen. Ein Bekannter habe ihm den später sichergestellten Koran geschenkt, erzählt er. Ihm habe gefallen, dass der Islam strenge Regeln habe, an die man sich halten müsse.

„Und was ist mit der Unterdrückung der Frau?“, wollte die Richterin wissen. Damit sei er nicht einverstanden, war seine Antwort. Dann fügte er hinzu: „Wären die Anschläge in Paris vorher passiert, wäre ich nicht konvertiert.“ Inzwischen habe er vom Islam wieder Abstand genommen.

Von seiner Tat Mitte Oktober distanzierte er sich deutlich. „Ich war auf der religiösen Suche“, sagte der evangelische getaufte junge Mann. Zunächst habe er über Facebook nur seine Ablehnung der Demonstration mitteilen wollen. Doch er habe das Gefühl gehabt, nicht ernst genommen zu werden. Da habe sich das Ganze hochgeschaukelt, woraus seine Bombendrohung entstanden sei.

Richtig war, dass er in jener Zeit in einem Baumarkt arbeitete. Allerdings habe er dort keinen Zugang zu den Materialien und Gegenständen für eine Bombenkonstruktion gehabt.

Tat in der Findungsphase

Die Aussagen des Angeklagten klangen glaubhaft. Zurzeit leistet er ein soziales Jahr ab. Darüber hinaus ist er sportlich aktiv. Seine Schulzeit endete mit Realschulabschluss. Vorstrafen hat er nicht. Die jetzt zu verhandelnde Tat habe er wohl in einer „Findungsphase“ begangen, führte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe an. Sie sprach sich eindeutig für die Anwendung des Jugendstrafrechts aus. Als Erwachsener hätte er mit einer Strafe von bis zu drei Jahren Haft rechnen müssen.

Die Bombendrohung angemessen zu ahnden, war für das Gericht schwierig. Der junge Mann hat wenig Zeit und wenig Geld. Für seine soziale Tätigkeit erhält er laut seinen Angaben monatlich 300 Euro, von denen er 200 Euro zu Haus abgibt. „Ich habe 20 Euro einstecken. Mehr Geld besitze ich nicht“, informierte er das Gericht.

Dennoch, von einer Zahlungsauflage verschonte ihn dies nicht. Laut Urteil des Amtsgerichts muss er den Betrag von 300 Euro in monatlichen Raten zu 50 Euro an den „Jugend-Sonderfond“ überweisen. Dazu gab es eine Verwarnung und die Auflage, in den nächsten vier Monaten an Betreuungsgesprächen beim Kreis-Jugendamt teilzunehmen. Der Gerichtsentscheid wurde sofort akzeptiert, womit er rechtskräftig ist.

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