Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Neue Räumlichkeiten gesucht: Friedrichsdorfer Tafel bald obdachlos?

Die Friedrichsdorfer Tafel sucht seit Oktober nach einem neuen Domizil. Grund: Ihr Vermieter hatte Eigenbedarf angemeldet und den Mietvertrag für die Räume in der Ringstraße 12 gekündigt. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich jedoch unerwartet schwierig.
Bernd Trapp, Bernd-Heiner Scholz (Ausgabeleiter) und Elisabeth Schlusa sortieren freitagvormittags die angelieferten Lebensmittel. Foto: Jochen Reichwein Bernd Trapp, Bernd-Heiner Scholz (Ausgabeleiter) und Elisabeth Schlusa sortieren freitagvormittags die angelieferten Lebensmittel.
Friedrichsdorf. 

Zentral muss die neue Ausgabestelle der Friedrichsdorfer Tafel liegen. Und mindestens eine Größe von 70 Quadratmeter vorweisen. Darüber hinaus sollte die neue Bleibe im Erdgeschoss sein, damit sie auch für Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwägen und ältere Menschen gut erreichbar ist. Auch der wöchentlichen Lebensmittelanlieferung käme eine ebenerdige Lage zugute. Überzogene Ansprüche? Fehlanzeige, sagt Dr. Tobias Krohmer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Diakonischen Werk Hochtaunus, das der Träger der Friedrichsdorfer Tafel ist. „Die neuen Räume müssen den Bedürfnissen der Friedrichsdorfer Tafel genügen“, erklärt er.

Bahnhof wäre der Traum

Seit mittlerweile drei Monaten suchen die Diakonie sowie der Verein „Wir Friedrichsdorfer“ (WiFris), welcher die hiesige Tafel vor fünf Jahren initiiert hat, nach einer neuen Bleibe. Denn: „Im Oktober hat unser bisheriger Vermieter Eigenbedarf angemeldet. Bis November nächsten Jahres müssen wir raus“, berichtet der Leiter der Ausgabestelle Friedrichsdorf, Bernd-Heiner Scholz bedrückt. Dabei hat er seine persönliche Traumimmobilie längst im Blick: den Friedrichsdorfer Bahnhof. „Er ist zwar nicht auf der Hugenottenstraße, aber dennoch ungemein zentral gelegen. Das Gebäude ist ebenerdig und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestens erreichbar“, schwärmt Scholz. Ob die Unterbringung der Tafel im Bahnhof allerdings realisiert werden kann, ist fraglich. „Eine erste Anfrage war nicht von Erfolg gekrönt“, gab Scholz zu.

Falsche Fantasien

Auch die anderen Objekte, die sich die WiFris angeschaut haben, waren nicht geeignet. Oder aber der Vermieter wollte sich die Tafel nicht ins Haus holen. „Sie haben große Bedenken, befürchten beispielsweise Lärm, Gestank und ein ständiges Kommen und Gehen“, so Scholz. Krohmer stellt fest: „Es kursieren zu viele Fantasien über die Tafeln.“ Jetzt will er mit den Vorurteilen aufräumen. „Die Tafel betreibt keinen Winterschlussverkauf, das heißt, selbst an den Ausgabetagen ist nicht mit Menschentrauben zu rechnen.“ Hinzu kommt, dass alle Kunden registriert sind und zu fest vorgesehenen Zeiten ihre Waren abholen.

60.000 Tafelhelfer

In Deutschland gibt es weit über 900 Tafeln, die regelmäßig mehr als 1,5 Millionen bedürftige Menschen – 33 Prozent sind Kinder und Jugendliche – mit Lebensmitteln versorgen.

clearing

Die Lebensmittel werden auch nur ein Mal in der Woche, nämlich freitagvormittags, angeliefert. „Zwei Fahrer haben sie zuvor bei den Lebensmittelhändlern Penny, Aldi, Lidl und Rewe sowie bei der Bäckerei Moos und Bäckermeister Hembd eingesammelt“, erklärt Scholz.

Anschließend werden sie sortiert und am Nachmittag an die registrierten Kunden abgegeben. Nur gelegentlich verzeichne man Lebensmittellieferungen außer der Reihe.

Grundsätzlich sei das Diakonische Werk Hochtaunus als Träger der Tafel ein ruhiger, solventer Mieter, meint Scholz. Und auch Krohmer bekräftigt: „Wir denken, dass wir als Mieter recht attraktiv sind, auch wenn die Immobilie bezahlbar bleiben muss.“

Den Kontakt zur Stadt haben die WiFris bereits hergestellt. „Wir konnten diverse Ansprechpartner vermitteln, zu einem glücklichen Abschluss ist es bisher jedoch nicht gekommen“, bedauert Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Die Bedeutung einer solchen Einrichtung für die Stadt sei hoch. „Es gibt immer mehr Menschen, die auf die Unterstützung durch die Tafel angewiesen sind“, weiß Burghardt. Das belegt auch ein Vergleich der betreuten Haushalte im Jahr 2011 und 2016. Wurden im Juli 2011 – zwei Monate nach der Eröffnung der Ausgabestelle in Friedrichsdorf – noch 40 Haushalte mit insgesamt 86 Personen versorgt, so sind es im Januar 2016 77 Haushalte mit insgesamt 172 Personen, davon 35 unter 14 Jahren. Anders als in Bad Homburg gebe es in Friedrichsdorf noch keine Warteliste. „Wir haben noch Kapazitäten“, so Scholz. Allerdings sei eine stetige Fluktuation bei den betreuten Haushalten zu beobachten, berichtet er. „Im ersten Halbjahr 2015 beispielsweise waren sieben Haushalte nicht mehr die Tafel angewiesen.“

Hinweise auf geeignete Objekte bitte an Kontakt@wirfriedrichs-
dorfer.de

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse