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High-Tech beim Fahrzeug-Check: Für 800.000 Euro halten TÜV-Prüfer jetzt die digitale Zukunft in warmen Händen

Seit einigen Tagen ist an der Daimlerstraße in Bad Homburg eine brandneue und hochmoderne TÜV-Prüfanlage in Betrieb. Bis zu 50 Fahrzeuge können hier täglich durchgeschleust werden. Technisch auf dem allerneuesten Stand kommt es am Ende aber immer noch auf die Erfahrung der Prüfer an, wenn es heißt: Plakette, ja oder nein?!
Auch wenn Kollege Computer wichtige Werte liefert, werden auch künftig die Prüfer vom TÜV ganz genau hinschauen. Foto: Jochen Reichwein Auch wenn Kollege Computer wichtige Werte liefert, werden auch künftig die Prüfer vom TÜV ganz genau hinschauen.
Hochtaunus. 

Auf den ersten Blick kommt das neue Gebäude der TÜV-Prüfanlage an der Daimlerstraße eher unspektakulär daher: Links geht es ins Büro und zur Anmeldung, rechts werden auf zwei Prüfbahnen Fahrzeuge vom Motorrad, über Pkw bis hin zu mittelgroßen Transportern bis 3,5 Tonnen genauestens gecheckt. Etwa 50 Fahrzeuge können pro Tag von den insgesamt neun Mitarbeitern durchgeschleust werden.

In Angriff genommen wurde der Neubau, um neuen und kommenden Prüfregeln für die Hauptuntersuchung (HU) und den Abgastest gerecht zu werden.

Sobald Prüfstellenleiter Ben Brendel anfängt, die Anlage im Detail vorzustellen, erklären sich die 800 000 Euro, die der TÜV Hessen für die Modernisierung des Standortes investiert hat, recht schnell. Da ist zum Beispiel der neue Bremsprüfstand. Über zwei Rollenpaare im Boden, die mit 6 Kilometern pro Stunde rotieren, können nun achsenweise die Fahrzeugbremsen überprüft werden, inklusive der elektronischen Datenerfassung.

Im März schwebten die Module für den Neubau des TÜV ein. Jetzt ist schon alles fertig Bild-Zoom
Im März schwebten die Module für den Neubau des TÜV ein. Jetzt ist schon alles fertig

Zentral bei dem ganzen ist der sogenannte HU-Adapter. Das ist ein mobiles Gerät, das an einer Extra-Schnittstelle im Auto angeschlossen wird und alle relevanten Daten ausliest. Wo früher nur die Maximalbremskraft getestet wurde, geht es nach der technischen Aufrüstung wegen der neuen Vorgaben einen Schritt weiter, erklärt Brendel: „Jetzt kann ich im Prinzip überprüfen, ob die Bremskraft mit dem Bremsdruck aufs Pedal übereinstimmt.“ Salopp gesprochen, testen die Prüfer, ob man erst voll in die Eisen steigen muss, um etwas zu bremsen.

Ein Quantensprung

Ein Blick auf den Tablett-PC, wo alle Daten zusammenlaufen und durchgerechnet werden, reicht und Brendel weiß, ob die Werte passen. Das ist besonders für Fahrzeuge mit ESP wichtig. Damit dieses Assistenzprogramm den Wagen stabil in der Spur hält, braucht es korrekte Bremswerte. „Wenn sie aber abweichen, dann wissen wir sofort, da stimmt was nicht. Vielleicht sind die Bremsen verrostet.“

Startschuss für den Bau des komplett neuen TÜV Auto Service Center war der 20. März. Da rollten die ersten und bis zu 17 Tonnen schweren Baumodule per Sondertransport an. Einen fast baugleichen Neubau hatte es zuvor schon in Limburg gegeben.

Den Vorher-Nachher-Effekt beschreibt Prüfanlagen-Leiter Brendel so: „Das sind Welten, die dazwischen liegen. Die Zeiten, in denen wir im Winter bei kalten Temperaturen in den Gruben unter den Autos rumgekrabbelt sind, sind vorbei.“ Dank der großen, isolierten Rolltore bleiben im Winter unter den beiden Hebebühnen die Finger warm. Dass dem Prüfteam bei laufenden Motoren nicht die Luft wegbleibt, dafür sorgen die leistungsfähigen Abgasabsauganlagen, von denen jeweils zwei Stück pro Bahn von der Decke hängen. Bei Bedarf können die runtergezogen und passgenau an die Auspuffrohre geschoben werden.

Neben vielen weiteren technischen Details musste beim Neubau der Anlage genau darauf geachtet werden, dass der Boden im Prüfbereich ganz gerade ist und „keinerlei Gefälle hat“, so Brendel. Nur so können bei der Scheinwerferprüfung korrekte Werte ermittelt werden. Die auf das jeweilige Fahrzeugmodell einstellbaren Messgeräte laufen selbst auf Schienen, die fest im Boden eingelassen sind. Da wackelt und verzieht sich nichts, auch wenn die Autos beim Rausfahren reihenweise drüber rollen.

Ein Besuch der neuen Prüfanlage macht schnell klar: Auch beim TÜV geht ohne digitale Technik gar nichts. Denn was der Fahrzeugbau mit immer ausgefeilterer Motoren vorgibt, das muss auf der anderen Seite mit der entsprechenden Ausstattung überprüfbar sein. „Trotzdem kommt es weiterhin auf die Erfahrung der Prüfer an“, betont Leiter Ben Brendel. „Die moderne Technik und die Geräte unterstützen uns und liefern wichtige Werte. Genau hingucken tun am Ende immer noch wir.“

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