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Twitter und Co.: Für die Polizei sind soziale Medien Fluch - und Segen

Von Soziale Medien sind aus Sicht der Polizei Fluch und Segen zugleich. Denn immer wieder verbreiten unbeteiligte Menschen Fotos und Nachrichten von Polizei- oder Feuerwehreinsätzen über die sozialen Medien. Die Polizei ist darüber häufig nicht glücklich – obwohl sie selbst gerne „twittert“.
Polizeioberkommissarin Julia Kühl arbeitet am 03.03.2017 in Hamburg in der Einsatzzentrale der Polizei an einem Computer. Die Hamburger Polizei twittert 12 Stunden live aus der Einsatzzentrale. Foto: Axel Heimken (dpa) Polizeioberkommissarin Julia Kühl arbeitet am 03.03.2017 in Hamburg in der Einsatzzentrale der Polizei an einem Computer. Die Hamburger Polizei twittert 12 Stunden live aus der Einsatzzentrale.
Bad Homburg. 

Wenn Zuschauern und Helfern bei Polizeieinsätzen fast in Echtzeit Nachrichten oder Bilder in den sozialen Medien verbreiten, entsprechen diese häufig nicht oder nur teilweise der Realität. Das Polizeipräsidium Westhessen nutzt zwar auch Facebook, Twitter oder Instagram, sieht die Dienste aber nicht nur als Segen. „Fake News“ lassen sich von der Wahrheit nur schwer gerade rücken. Einer, der seit 2008 damit zu tun hat, ist Kriminalhauptkommissar Michael Greulich.

Bis vor wenigen Tagen war der 50-Jährige Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion Bad Homburg mit Sitz im Polizeipräsidium Westhessen, wo er am Montag von Polizeipräsident Stefan Müller verabschiedet wurde. Greulich hat die Leitung des Einbruchsdezernats in der Polizeidirektion Hochtaunus übernommen und ersetzt dort den Ersten Kriminalhauptkommissar Bernd Janitz, der in den Ruhestand getreten ist. Greulichs Nachfolger in der Pressestelle wird Hauptkommissar Volker Hammann, bis jetzt Mitglied des für Kapitalverbrechen zuständigen K 10 in der Polizeidirektion Hochtaunus.

„Es muss stimmen“

„Die sozialen Medien geben uns die Möglichkeit, Verbrechenssachverhalte so zu kommunizieren, damit in der Bevölkerung möglichst keine Panik und Hysterie entsteht. Im Präsidium sind dafür zwei Kollegen zuständig“, sagt Greulich. Gerade bei Lagen wie bei dem Amoklauf in München oder dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin sei es wichtig, die Bevölkerung unter Nutzung von Multiplikatoren wie Facebook oder Twitter wahrheitsgemäß über die Gefahrenlage zu informieren, sagt auch Polizeipräsident Müller. Seine Behörde nimmt dabei Verzögerungen gerne in Kauf: „Was die Polizei im Netz verbreitet, muss stimmen. Dabei ist es auch wichtig, dass wir mit einer Sprache sprechen“, sagt Müller und begründet damit auch die getroffene Entscheidung, die Pressestellen der Polizeidirektionen der vier Landkreise Hoch-, Main- und Rheingau-Taunus, Limburg-Weilburg und Wiesbaden im Präsidium zu bündeln, ohne dass dadurch der Kontakt der Pressesprecher zu ihrem Umfeld verloren geht.

Michael Greulich
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Vor seinem Wechsel in den neuen Wirkungsbereich zog Michael Greulich im Gespräch mit dieser Zeitung Bilanz seiner Arbeit als Sprachrohr der Polizei.

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In den täglichen „Redaktionskonferenzen“ werden nicht nur die Ereignisse der letzten Nacht besprochen, sondern auch die Netze durchforstet, um Beiträge ausfindig zu machen und notfalls zu korrigieren, die Unsicherheit in der Bevölkerung schüren oder sogar die Ermittlungen behindern. Präsident Müller spricht von positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung, die seriöse Informationen zunehmend besser von Gerüchten zu trennen wisse. Auch Greulich hält diese Vorgehensweise für gut, sagt aber auch, „dass wir dem, was da im Netz herumgeistert, oft hinterherlaufen.“ Falschmeldungen verbreiteten sich oft schneller als solche, die der Wahrheit entsprechen.

Ohne Facebook & Co gehe es in der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei dennoch nicht mehr. Sie könne nur versuchen, mit seriöser, wahrheitsgemäßer Information im Wettlauf um die Nachrichtenhoheit Schritt zu halten.

Seinen Wechsel „von der Presse zum Einbruch“ sieht Greulich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Presse habe ihm immer riesigen Spaß gemacht. Andererseits sei die neue Aufgabe in Bad Homburg nicht nur reizvoll, sondern auch eine Rückkehr. War er doch bis zu seinem Dienstsitzwechsel nach Wiesbaden Pressechef in der Polizeidirektion Bad Homburg. Das Einbruchsdezernat reize ihn, der Hochtaunus sei mit seinen vielen Tatgelegenheiten ein interessantes Feld. Sein Ziel sei es, den aktuellen Trend bei dieser Deliktgruppe fortzuführen und die Aufklärungsrate von zuletzt 16,2 Prozent zu steigern. 2015 gab es im Hochtaunus 550 Einbrüche, 2016 nur noch 511. Greulich will sich in Kooperation mit der für die Prävention zuständigen Kollegin Nicole Meier verstärkt dem Einbruchsschutz widmen, zugleich aber auch Opfern von Einbrüchen zur Seite stehen.

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