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Glauben leben

Die katholische Gemeinschaft „Shalom“ wurde 1982 in Brasilien von Studenten für hilfsbedürftige Jugendliche gegründet. Heute ist sie zum wichtigsten Lebensinhalt von Nathalie D’Aqui geworden, die zusammen mit ihrem Mann die Gemeinschaft nach Königstein bringt.
Nathalie D’Aqui hat eine Mission: Sie will, dass „Shalom“ auch in Deutschland wächst. Nathalie D’Aqui hat eine Mission: Sie will, dass „Shalom“ auch in Deutschland wächst.
Schneidhain. 

Eine katholische Gemeinschaft, die sich das hebräische Wort für Frieden, „Shalom“ als Leitbild gewählt und das Leben im Glauben zum Ziel gesetzt hat, – klingt schon irgendwie merkwürdig, oder? Gerade in Zeiten, in denen die Religion im Alltag von immer mehr Christen allenfalls noch eine Randerscheinung ist, wird man schon hellhörig, mitunter sogar argwöhnisch, wenn man hört, dass Mitmenschen ihrem Glauben eine zentrale Rolle im Leben einräumen. Leben da vielleicht sogar Mitglieder einer Sekte in der Nachbarschaft? „Nein“, lacht die gebürtige Schweizerin Nathalie D’Aqui, „solche Gemeinschaften sind in der katholischen Kirche ganz normal. Das sind keine Abspaltungen. Die Benediktiner oder Franziskaner sind streng genommen auch katholische Gemeinschaften. Wir sind daher so etwas wie ein moderner Orden.“

Jeder dieser Orden habe seinen ganz eigenen Auftrag. „Shalom“ engagiere sich besonders für Jugendliche. „Es geht darum, jung zu sein und zu den jungen Leuten zu gehen“, so die 31-Jährige. Das sei auch die Idee des Gründers Moysés Louro de Azevedo Filho (siehe INFO) gewesen.

Wenn Nathalie D’Aqui über ihre Gemeinschaft sprechen kann, strahlt sie. Man hat das Gefühl, dass sie ihren Platz in der katholischen Kirche gefunden hat. Das war aber nicht immer so. Obwohl sie katholisch erzogen wurde, war der regelmäßige Kirchgang als Kind manchmal ein Zwang.

„Mir hat die Gemeinschaft, die Familie innerhalb der Kirche gefehlt, ich wollte irgendetwas mehr“, sagt sie heute. „Trotzdem habe ich mich nicht berufen gefühlt, in ein Kloster zu gehen. Ich wollte im Alltag mit Menschen in Kontakt sein.“ Heute ist der Glaube kein Zwang mehr für sie. „Wenn man einen Schatz entdeckt hat, dann will man auch nur für ihn leben“, erklärt D’Aqui ihre Überzeugung. Und: „Für mich ist das kein Zwang, sondern Freude. Gott ist für mich mein erster Lebensinhalt, dann kommt die Familie.“

Sie lasse sich völlig von Gott und der Gemeinschaft leiten, die beide immer am besten wüssten, was gut für sie sei. Das habe sich schon öfter in ihrem Leben bestätigt. Diesen neuen Blick auf den Glauben fand D’Aqui, als sie 2009 auf dem Weltjugendtag in Rom ihrem heutigen Ehemann begegnete, einem Halb-Brasilianer, der mit „Shalom“ am Jugendtag teilnahm.

Studium in Rom

„Brasilianer haben ein ganz anderes Temperament. Ihre Art zu beten hat mich berührt und ihre Freude am Glauben hat mich angesteckt“, sagt sie heute über diesen Moment. „Da habe ich Gott noch mal ganz anders kennengelernt, barmherzig statt streng wie in meiner Kindheit.“ Nach Abschluss ihres Lehramtstudiums zog es sie deshalb wieder nach Rom, wo sie „Katechetik und Jugendpastoral“ studierte und in der Gemeinschaft lebte. Im Jahr 2012 folgte Nathalie D’Aqui ihrem Mann nach Königstein, wo beide bis zu D’Aquis Elternzeit bei „Kirche in Not“ arbeiteten. Die parallel laufende Tätigkeit in der katholischen Gemeinde in Schneidhain stellt dabei für die Schweizerin eine Möglichkeit dar, die in Rom erlebte Freude „Shaloms“ weiterzugeben und eine aktive lokale Gemeinschaft aufzubauen. Momentan hat „Shalom“ in Deutschland nämlich lediglich neun Mitglieder, die in zwei unterschiedlichen Gemeinschaftsformen organisiert sind: den Lebens- und den Bundesgemeinschaften.

D’Aqui erklärt: „Lebensgemeinschaften sind der Kern, das Herz der Gemeinschaft. Bundesgemeinschaften sind die Venen, sie bringen die Gemeinschaft in die Welt.“ Ganz im Sinne eines modernen Ordens lassen Menschen, die in Lebensgemeinschaften unterkommen, alles zurück und leben von Spenden im Austausch gegen Gebete, Kirchenarbeit oder Unterricht. „Es ist ähnlich wie in einem Kloster, aber es ist ein normales Haus“, fügt sie hinzu.

Wer wie D’Aqui und ihr Mann einer Bundesgemeinschaft angehört, geht einer normalen Arbeit nach und hat ein völlig normales Leben. „So kann ich Familie, Beruf und Gemeinschaft kombinieren, auch wenn das mit zwei Kindern manchmal ein wenig anstrengend ist“, schildert die Mutter.

Wachstum angestrebt

Dass die Gemeinschaft auch in Deutschland weiter wächst, ist D’Aqui ein Anliegen: „Wenn das mein Lebensinhalt ist, kann ich gar nicht anders, als von meinen Erfahrungen zu erzählen. Ob die Menschen das dann glauben, kann ich nicht erzwingen.“ Trotzdem sei es ihr wichtig, den Menschen Sinn und Geborgenheit zu geben, für sie zu beten und sie zum Reden nach Hause einzuladen. Nach diesem Motto gehe sie auch ihre Arbeit in Schneidhain an, wo sie momentan eine monatliche Firm-Coach-Gruppe betreut.

„Ich begleite die Jugendlichen im Alltag, rufe sie auch mal an und frage, wie es ihnen geht“, erzählt die Schweizerin. Eigentlich ist es bei „Shalom“ üblich, sich einmal die Woche zum Gebet, dem „Weg des Friedens“ zu treffen, deswegen auch der Name „Shalom“. „Hier in Deutschland ist das aber noch nicht so weit“, bedauert Nathalie D’Aqui, „dazu gibt es noch zu wenige Mitglieder.“ Das soll sich aber demnächst ändern, „Shalom“ soll präsenter werden, wenn die monatlichen Firm-Treffen auch für andere Leute geöffnet werden. Denn bei einem ist sie sich sicher: „Alleine kann man den Glauben nicht leben.“

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