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Katholische Kirche Heilig Kreuz: Gottvater muss gesichert werden

Schönheitskur für die katholische Kirche Heilig Kreuz. 300 000 Euro soll die Renovierung des Innenraums mit allen Kunstobjekten kosten. Anlass ist der 300. Kirchengeburtstag. Eine Madonna mit einer besonderen Geschichte ist schon fertig.
Vor der Heilig Kreuz Kirche steht St. Franziskus. Foto: Jochen Reichwein Vor der Heilig Kreuz Kirche steht St. Franziskus.
Burgholzhausen. 

Alle 37 Puttenengel sind noch da und die Heilige Familie auch. Aber Johannes der Täufer, der Heilige Aloysius, der Heilige Ignatius von Loyola und der Heilige Nepomuk sind schon in die Werkstatt umgezogen. Restauratorin Christiane Kunz-Weiß hat sie abgeholt, denn die hölzernen Statuen bekommen eine Schönheitskur. Das gehört zur Renovierung der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Burgholzhausen. Seit Anfang der Woche steht im Innenraum des barocken Gotteshauses ein Gerüst bis unter die Decke. Schon am 24. April hatten 24 Gemeindemitglieder die Bänke und Kreuze sowie die Holztafeln mit den Kreuzwegstationen aus der Kirche geräumt.

„Im Jahr 1718 ist die Kirche in Betrieb genommen worden“, erklärt Diakon Diethard Fries. Nächstes Jahr steht also die 300-Jahr-Feier an. Und vorher wird das Gotteshaus wieder richtig schön gemacht. „Statuen, Hochaltar und Bilder sind noch nie restauriert worden. Nur die Wände wurden im Laufe der Zeit sieben Mal neu gestrichen, zuletzt 1995.“ Insgesamt 300 000 Euro solle die Renovierung des „kleinen Petersdoms“ kosten. In der Tat entsprächen die Proportionen denen des imposanten Baus im Vatikan. Allein für die Restaurierung fallen 80 000 Euro an, berichtet Fries. Er koordiniert die Arbeiten zusammen mit Manfred Fritz aus dem Verwaltungsrat der katholischen Gemeinde. „2013 haben wir mit den Planungen begonnen. Am 10. Februar haben wir den Bewilligungsbescheid des Bistums Mainz erhalten. Von dort kommt ein Zuschuss in Höhe von 95 000 Euro. 110 000 Euro an Spenden hat die Kirchengemeinde seit vorigem Jahr bereits selbst gesammelt. Unter anderem wurden Patenschaften für die Renovierung der einzelnen Kunstgegenstände angeboten.

Am günstigsten waren die geflügelten Engelsköpfchen, eine Patenschaft kostete da pro Putte 350 Euro. Für einen großen Engel dagegen waren schon 2909 Euro vorgesehen. Am teuersten aber kam der Korpus des Hochaltars mit 13 452 Euro. In etwa halb so viel war für die Patenschaft für die Kanzel verzeichnet: 7475 Euro. Und eines war besonders dringend: Die Sicherung der Gottvater-Statue ganz oben auf dem Hochaltar. „Die Figur hatte sich schon um 20 Zentimeter nach vorn geneigt.“ Sie ist bereits mit einer Stütze fixiert worden, damit sie nicht abstürzt. „Im Zuge der Renovierung wird sie neu befestigt.“

Restauriert werden auch die Deckengemälde, die so dunkel geworden sind, dass man ihre Motive von unten kaum noch erkennen kann. Dazu gehören die vier Evangelisten sowie der Heilige Geist, Mariä Aufnahme in den Himmel, das letzte Abendmahl und die Herabkunft des Heiligen Geistes. „Die Gemälde haben auch Risse, die repariert werden müssen.“ Aber wenn alles fertig ist, sollen sie angestrahlt werden. „Dann kann ich in den Predigten auch auf die Darstellungen Bezug nehmen“, sagt Fries.

Schon fertig restauriert ist eine zarte Muttergottes-Statue, die seit wenigen Tagen als Gnadenfigur im gläsernen Verbindungsgang zwischen Pfarrheim und Kirche steht. Ihr neuer Platz ist ein Bronzeständer mit Blätterranken und dazu passendem bronzenem Kerzenständer. Dort dürfen Besucher, die das möchten, kleine Opferkerzen anzünden. In der Kirche dagegen ist das nach der Renovierung nicht mehr erlaubt. „Das hat die Obere Denkmalschutzbehörde des Landes Hessen verordnet, weil die starke Verschmutzung der Kirche auf den Kerzen-Ruß zurückgeführt wird“, berichtet Fries. In der Tat sieht man jetzt, da die Kirche weitgehend leergeräumt ist, wie schmutzig-grau die Wände innerhalb von gut 20 Jahren geworden sind.

Ruß wird verbannt

In der Kirche dürfe daher künftig nur noch die Osterkerze brennen – zu den Gottesdiensten in der Osterzeit und bei Taufen. „Die Altarkerzen werden durch rußarme Öllämpchen ersetzt.“ Und im Glasgang über dem Kopf der Madonna ist ein Abzug installiert, der den Opferkerzen-Ruß gleich nach draußen befördert. Die frisch restaurierte Madonna hat langes dunkles Haar, sie trägt eine Krone auf dem Haupt und ist mit einem rot-goldenen Mantel bekleidet. Ihr Blick ist nach unten gerichtet. Sie steht auf einer Weltkugel, unter ihrem bloßen linken Fuß liegt eine Schlange mit Apfel, unter den Zehen des rechten Fußes sieht man eine Mondsichel.

„Das ist eine Maria Immaculata, der Holzschnitzer hat sie im Moment der unbefleckten Empfängnis dargestellt“, erklärt Fries. „Sie senkt den Blick, nachdem der Engel Gabriel ihr verkündet hat: Du sollst ein Kind bekommen, Gottes Sohn.“ Ihre Antwort ist: „Mir geschehe, wie du gesagt hast, Gottes Wille soll geschehen.“ Die Schlange unter ihrem Fuß bedeute: „Die Frau hat das Böse besiegt. Und zwar dadurch, dass sie Christus in die Welt bringt, der uns die Versöhnung mit Gott geschenkt hat.“

Dass die Madonnenstatue überhaupt noch existiert, ist Schreinermeister Robert Kneib zu verdanken. „Er hat sie vor über 10 Jahren gefunden, sie war in zwei Teile zerbrochen und lag auf einem Haufen voller Holz, das verbrannt werden sollte. Da hat Kneib sie mitgenommen und repariert“, berichtet Fries. Jetzt wurde sie überarbeitet.

Fertig restauriert sind auch schon die Objekte aus Sandstein: die Altarstufen, der Taufstein, der Ambo und der Ständer für die Osterkerze. Die Dreymann-Orgel von 1836 dagegen ist nur staubdicht verpackt worden und wird noch gereinigt. „Sie ist bereits Ende der 1990er Jahre restauriert worden.“ Die Wiedereröffnung der Kirche ist zum Franziskusfest am 7. und 8. Oktober geplant. Die Gottesdienste finden bis dahin in der evangelischen Kirche statt: Beginn samstags um 18 Uhr und sonntags um 11 Uhr. „ Das ist ein schönes Miteinander. Die evangelische Gemeinde hat ihren Sonntagsgottesdienst extra um eine halbe Stunde vorverlegt, damit unser Gottesdienst um 12 Uhr enden kann.“, sagt Fries. Auch den 300. Kirchengeburtstag 2018 wollen katholische und evangelische Gemeinde gemeinsam feiern. Und 2019 wird gleich gemeinsam weitergefeiert, dann steht nämlich der 300. Geburtstag der evangelischen Kirche an.

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