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Heiß auf Rock ’n’ Roll

Von Er ist so dünn wie der Sänger der Rolling Stones, er agiert so, er singt fast genauso – und Christian Künkel versteht auch zu unterhalten wie sein älterer Verwandter, naja Seelenverwandter . . .
Christian Künkel faszinierte die Zuschauer mit seiner Jagger-Show. Bilder > Foto: Julian Sajak / Sven Sajak Christian Künkel faszinierte die Zuschauer mit seiner Jagger-Show.
Oberursel. 

Sicher würde fast jeder Stones-Fan müde abwinken, bekäme er erzählt, Mick Jagger stünde vor den Toren der Stadt, um das Schwimmbad zu beschallen und ein kostenfreies Konzert dort zu geben. Nein, auf solch eine Idee käme Geschäftsmann Jagger sicher nicht. Aber sein jüngerer „Bruder“ Christian, der in Wehrheim hängengeblieben ist, und der seinem großen Idol in fast nichts nachsteht, hat sich aufgemacht, mit seiner Band „Steel Wheels“ (Name des 19. Albums der Stones aus 1989) den Orscheler Sommer auf der Wiese des Taunabads zu rocken. Mit riesigem Erfolg, wie sich herausstellt, aber von vorn.

Ein schwülwarmer Abend im Freibad Oberursel. Einige tummeln sich noch im Wasser, andere picknicken auf der Wiese, viele haben in Liege- und Klappstühlen Platz genommen und die Bühne am Hang im Visier. Auf der geben sich „Fayette“, eine junge Band mit Musikern aus Hanau und Mannheim, sowie Chiara, der Sängerin aus Oberursel, die Ehre – und das richtig gut. Mit ihrem Repertoire, das von Peter Fox über Adele, Stevie Wonder, Aerosmith, Lionel Richie, Amy Winehouse bis zu Tina Turner reicht, sowie einer beschwingten, jungen Spiel- und Sangeslust weiß die Combo absolut zu überzeugen. Genau der richtige Einstieg für den Hauptact.

Nur leider klappt das mit den Speisen und Getränken nicht wirklich. Die Schlange an der Ausgabe des Taunabads ist lang, die Leute genervt vom Warten und von lauwarmem Äppler. Doch da betritt ein schmaler Mann in Jeans, Turnschuhen, Stones-Shirt unterm Jacket die Bühne und schreit ins Publikum: „All right, Oberursel, are you ready to Rock ’n’ Roll?“ Zu Deutsch: „In Ordnung Oberursel, seid Ihr bereit für Rock ’n’ Roll?“ Was für eine Frage. Vergessen sofort der Ärger mit den Schoppen. Denn der quirlige Typ auf der Bühne will mit seiner Band die Nacht mit den Orscheler Stones-Fans verbringen und dabei keinen Hit der Helden, denen sie nacheifern, auslassen.

Das Bad wird zum Stadion

Auf „Let’s Spend The Night Together (Oberursel)!“ folgt „Honky Tonk Woman“. Sofort stehen die Liege- und Klappstühle verwaist herum, denn die Leute arbeiten sich langsam – zu tanzen beginnend – nach vorne. „Wer ist das da oben, ist das Mick Jagger“, fragt eine Zuschauerin augenzwinkernd ihre Freundin. „Nee, aber sein kleiner Bruder, nur die dicken Lippen fehlen“, kontert die schlagfertig. Die beiden fassen in Worte, was der Rest denkt. Der Humor des Sängers von den „Steel Wheels“ tut sein Übriges, der Funke springt über: Das Taunabad wird zum Stadion, Brian Jones erwacht aus dem Totenschlaf, Keith, Ron, Charlie und die anderen sind ebenfalls da. Der Mond über Oberursel spiegelt sich im hellblauen Wasser des Beckens, Alt-Hippies und wilde Alt-68er ahmen die Moves von Jagger nach. Dimi Katsioulis an der Leadguitar spielt wie Keith Richards und Lothar Weise an den Drums wie Charlie Watts. So stellt Christian Künkel, wie Micks „Bruder“ mit bürgerlichem Namen heißt, die beiden auch vor. Unterstützt werden sie von Backgroundsängerin Dominique Winkelmann und Dennis Lapp am Bass. Neu dabei der Keyboarder Georg Göb.

Künkel scherzt und kokettiert mit dem Gedanken, sie alle auf dem Podium seien tatsächlich die Stones: „Give Charlie a warm Applause, he lives in Oberursel now (Gebt Charlie besonderen Beifall, er wohnt jetzt in Oberursel).“ Mit „Ruby Tuesday“, „I Know It’s Only Rock ’n’ Roll – But I Like It“ und „Satisfaction“ setzen sie noch einen drauf. Und die knapp 600 Besucher feiern mit den Stones – es ist eine Nacht, die sie sicher so schnell nicht vergessen werden.

Rockig geht’s beim Orscheler Sommer am kommenden Freitag weiter. Dann spielen „Mate Power“, „Revolution Eve“ und „Jank Kovik“ auf dem Rathausplatz. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt wie gewohnt frei.

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