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Verkleinerte Party ganz groß: Heiße Stimmung trotz Brandschutz-Auflagen

Wenn es stimmt, dass Humor ist, wenn man trotzdem lacht – dann haben die Mitglieder des TV Schloßborn eine gehörige Portion davon. Trotz schmerzhafter Beschränkungen bei der Besucherzahl feierten die nämlich mit ihren Gästen am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle eine „kleine Weiberfastnacht“, die ihrem großen Vorbild in nichts nachstand.
Und ab geht sie, die wilde Fahrt: Bei der Schloßborner Weiberfastnacht hält es das Publikum nie lange auf den Stühlen. Und ab geht sie, die wilde Fahrt: Bei der Schloßborner Weiberfastnacht hält es das Publikum nie lange auf den Stühlen.
Schloßborn. 

Die Glocke zum AC/DC-Klassiker „Hells Bells“ hat gerade erst begonnen zu schlagen, die Bühne ist noch leer – da steht die Hälfte des „Saals“ schon auf den Stühlen und klatscht rhythmisch mit. So muss ein Publikum abgehen, dann klappt’s auch mit der Schloßborner Weiberfastnacht – egal, ob groß oder klein.

Rund 200 – vornehmlich, aber nicht ausschließlich junge – Narren feierten am Donnerstagabend eine der heißesten Fastnachtspartys im westlichen Taunus. Das waren zwar gut 100 Gäste weniger als in den Vorjahren. Der Stimmung aber tat das keinen Abbruch, wie Alexander Heirich vom örtlichen Turnverein zufrieden feststellte. Wenn er dabei ein wenig über den Dingen schwebte, dann war das einzig seiner erhöhten Sitzposition geschuldet. Heirich saß oben auf einer Leiter, um Fotos zu machen. Denn im Saal hätte er dazu kaum eine Chance gehabt.

Frei nach Gottlieb Wendehals galt: „Das Chaos tobt, der Boden schwankt – wir auch.“ Bevor jetzt allerdings bei den Herren vom Brandschutz die Alarmsignale angehen, sei gesagt: Der veranstaltende Turnverein hatte sich, wie versprochen, an die klare Vorgabe gehalten und nur 200 zahlende Gäste in die bekanntlich sanierungsbedürftige Mehrzweckhalle gelassen. Auch wenn es wehtat – vor allem der Vereinskasse der Turner.

„Von den Einnahmen der Weiberfastnacht lebt unser Verein das ganze Jahr“, erklärte Heirich im Gespräch mit der TZ den Hintergrund. Von dem, was an diesem einen Donnerstagabend reinkomme, könnten die Sportler neue Geräte anschaffen, Zuschüsse zu Übungsleiter-Entlohnungen geben und so entscheidend dazu beitragen, dass die Mitgliedsbeiträge verträglich bleiben.

Kein großer Überschuss

So gesehen, sei der auflagenbedingte Wegfall von rund 100 Besuchern durchaus ein Schlag ins Kontor gewesen. „Dass der Verein in diesem Jahr keinen großen Überschuss erwirtschaften wird, ist uns bewusst“, betont Heirich. Man habe sich seitens des Vereins deshalb auch im Herbst vergangenen Jahres ernsthaft die Frage gestellt, ob man die verkleinerte Weiberfastnacht überhaupt angehen solle. Immerhin sind damit auch Kosten und ein hoher Aufwand verbunden. Heirich: „Viele von uns nehmen sich hier extra drei Tage Urlaub, um die Veranstaltung zu stemmen.“

Allein 47 Vereinsmitglieder schoben – verteilt auf zwei Schichten – von Donnerstagabend bis in die frühen Morgenstunden des Freitags ihren Dienst. Heirich lacht: „Den Abschluss machen die ganz erfahrenen Kräfte mit Stehvermögen. Denn vor vier, halb fünf in der Früh ist hier eigentlich nie Schluss.“

Dass sich die Turner trotz der Beschränkungen dafür entschlossen hätten, die Party durchzuziehen, das, so Heirich, sei nicht zuletzt den vielen Fans geschuldet, die die Weiberfastnacht vom TV mittlerweile hat. Was vor über 30 Jahren als kleine vereinsinterne Veranstaltung der Turner-Damen begann, zieht heute Gäste aus Kelkheim, Eppstein, Neuenhain, Schneidhain – ja sogar aus Glashütten nach Schloßborn. Gleiches gilt für die Mitwirkenden.

Wo andere Vereine teils mit hohen Gagen versuchen, Akteure anzulocken, melden sich viele Garden und Männerballetts beim TV Schloßborn mittlerweile von selbst, um bei der Weiberfastnacht an den Start gehen zu können. „Sie wissen einfach, wie gut die Stimmung bei uns ist“, verrät Alexander Heirich das gar nicht so geheime Geheimrezept. Und die Gage? „Ein kleiner Spritkostenzuschuss mehr nicht, und der wird von den Mitwirkenden meist gleich an der Theke wieder umgesetzt.“

Die zu erwartende Lücke bei den Einnahmen werde aber weder damit noch mit den zwei Euro gefüllt, um die die Turner in diesem Jahr den Eintrittspreis auf 6,50 Euro anheben mussten.

Man hilft sich im Ort

Entsprechend dankbar ist man beim Turnverein, dass das heimische Gewerbe dem Club über Sponsoring unter die Arme gegriffen hat. Heirich: „Das ist halt Schloßborn. Da hilft man sich noch.“

Und da zeigt man auch Verständnis dafür, wenn man in diesem Jahr keine Karte für die Weiberfastnacht bekommen hat. Schließlich war der Vorverkauf bereits nach einer Viertelstunde schon wieder beendet. Natürlich, so der Mann vom TV, habe es immer wieder Anfragen gegeben, ob man nicht doch noch Karten bekommen könne. Aber niemand habe auf ein freundliches „Nein“ böse reagiert. Auch am Donnerstagabend habe keiner am Eingang den Aufstand geprobt. Ausverkauft blieb ausverkauft.

Bleibt die Frage, wie es um die Zukunft mit der Weiberfastnacht des TV Schloßborn steht. Für Alexander Heirich steht außer Frage, dass die Party weitergehen muss. Im Ort seien in jüngster Zeit schon zu viele traditionsreiche Veranstaltungen aus dem Kalender gestrichen worden. Alles stehe und falle aber mit der Zukunft der Halle, da gehe es den Turnern nicht anders wie der Kerbegesellschaft, dem Laientheater oder den Narren. Heirich: „Wir haben alle die dringende Hoffnung, dass sich in diesem Jahr was tut.“ Vielleicht ja schon in den Sommerferien. 1,6 Millionen Euro für die Sanierung stünden ja bereits im Haushalt. sj

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