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Knochenzement-Produktion: Heraeus wächst in Wehrheim - und zwar ordentlich

Von Im Norden des Apfeldorfs nähert sich Wehrheims größte Baustelle langsam der vorläufigen Vollendung. Heraeus Medical wird dort in den kommenden Monaten mit der Produktion eines neuen Knochenzements beginnen. In dem Gebäudekomplex ist außerdem Platz für eine zweite Fertigungsstraße – und davor Raum für Zukunftsvisionen.
Die Mit-Geschäftsführerin von Heraeus-Medical, Nicole Petermann (links) und die Wehrheimer Standortleiterin Dr. Brigitte Bär vor dem Neubau, der in den kommenden Monaten in Betrieb gehen soll. Die Mit-Geschäftsführerin von Heraeus-Medical, Nicole Petermann (links) und die Wehrheimer Standortleiterin Dr. Brigitte Bär vor dem Neubau, der in den kommenden Monaten in Betrieb gehen soll.
Wehrheim. 

Für die deutsche Wirtschaft sind es turbulente Zeiten. Dieselskandal, Handelsstreit, Brexit – es gibt mehr als genug Unwägbarkeiten für die Konzernmanager in den Großstädten. Ganz anders in Wehrheim: Es hat fast den Anschein, als entfalte die ruhige, manchmal entschleunigte Atmosphäre des Apfeldorfs auch bei ihrem größten Betrieb Wirkung: Heraeus Medical.

Der globale Player ist dabei keinesfalls untätig – im Gegenteil. Heraeus investiert und wächst im großen Stil. Und das im Kosten- und Zeitplan, wie die Unternehmensleitung kurz vor Inbetriebnahme der jüngsten Erweiterung gegenüber der Taunus Zeitung bestätigte.

Vor dem Spatenstich im Juni vor zwei Jahren hieß das Ziel: Im Herbst 2018 soll die neue Fertigungsstätte für Knochenzement, der zum Beispiel bei der Befestigung von Hüftprothesen zum Einsatz kommt, auf dem Firmengelände in der Philipp-Reis-Straße in Betrieb gehen. Nun steht fest: Offizielle Einweihung ist am 18. August. Die Maschinen für das Herzstück der Anlage sind längst geliefert und seit Anfang der Woche angeschlossen. Jetzt läuft das Feintuning und die Arbeiter beginnen kommende Woche, sich auf die heiße Phase vorzubereiten. Die wird nach den Worten von Produktionsleiterin Dr. Britta Bär ein paar Monate in Anspruch nehmen. Denn ein neues Medizinprodukt wird nicht von heute auf morgen auf den Markt gebracht.

1600 Quadratmeter

Damit die Produktion anlaufen kann, ist zwei Jahre lang gebaut worden. Entstanden ist ein moderner Bau auf 50 mal 56 Meter Grundfläche, in dessen Innerem der später einmal 1600 Quadratmeter große Reinraum das Herzstück bildet. Dort wird, unter Reinraumbedingungen, der Knochenzement produziert und abgepackt. Über den silberglänzenden Maschinen thronen im Obergeschoss vier gewaltige Klimaanlagen – jede drei Meter hoch und rund 20 Meter lang –, die sicherstellen, dass der Reinraum wirklich partikelfrei bleibt. Zudem sind im Obergeschoss 32 Büroarbeitsplätze geschaffen worden.

Bei der Gestaltung des Neubaus und des Außengeländes hat die Firma einen Spagat gewagt. Denn auch wenn die Fertigung ein gut gehütetes Geheimnis ist und Fotoaufnahmen strikt untersagt sind, wird der hohe weiße Zaun nicht wieder errichtet. Mehr noch: Die Architekten haben viel Glas in Fassade und Innenraum eingeplant. „Das ist so gewollt. Besucher sollen reinschauen können, die Außenwelt kann teilhaben“, erklärt Bär. Zudem lasse das Glas auch viel Licht durch, was sich positiv auf die Arbeitsbedingungen auswirke. Auf die sei laut Nicole Petermann, Mitglied der Geschäftsführung von Heraeus Medical, auch an anderer Stelle geachtet worden.

Das Stichwort heißt „lean and green“, was so viel bedeutet wie intelligente Verknüpfung von Ressourceneffizienz und Umweltmanagement. Die Transportwege sind kurz – die Lkw-Rampe grenzt direkt an das Hochregallager, in dem bis zu 350 Paletten bis zu 7,5 Meter hoch gelagert werden können. Von dort aus sind des zehn Meter bis zum Zwischenlager und vielleicht 20 bis zur Produktion. Die Klimatisierung wiederum arbeite mit 70 Prozent Wärmerückgewinnung, so dass die Stromkosten deutlich niedriger als bei den bestehenden Betriebsteilen lägen.

Außerdem seien Glaselemente ein natürlicher Rammschutz – keiner will Glas beschädigen, während Schäden am Wandputz schon mal in Kauf genommen werden.

Testmuster-Produktion

Und wie geht es nun mit dem neuen Produkt weiter? Zunächst werden erste Testmuster produziert. Wenn alles eingespielt ist, müssen sich die Muster in einem beschleunigten Alterungsprozess beweisen. „Dazu wird das Produkt über einen längeren Zeitraum bei erhöhter Temperatur eingelagert und anschließend getestet. Am Ende der Testphase muss es dann noch immer haltbar sein“, erklärt Bär. Hiermit lassen sich Alterungseffekte schneller herbeiführen.

Treue zum Apfeldorf

Wenn die Zertifizierung seitens der Behörde abgeschlossen ist, der Knochenzement also zugelassen ist, kann das Produkt voraussichtlich Mitte 2019 auf den Markt gebracht werden. Produziert wird jedoch schon vorher, damit bei der Markteinführung genug davon da ist.

Damit ist das Ende des Ausbaus am Standort Wehrheim noch nicht erreicht. Denn in dem Gebäude ist Platz für eine komplette zweite Fertigungsstraße – für ein weiteres neues Produkt, das 2020 eingeführt werden soll. Diese Generation des Knochenzements soll dann gleich gebrauchsfertig geliefert werden – das Mischen der Komponenten entfällt. „Alles in allem werden wir dann 27 Millionen Euro am Standort investiert haben“, so Petermann. Sprich: Noch einmal 10 Millionen mehr als 2015 verkündet. Das darf man getrost als Standortgarantie verstehen. „In der Tat legen wir unseren Fokus ganz auf Wehrheim“, versichern Petermann und Bär. Im Apfeldorf sind Produktion, Verwaltung und Entwicklung von Heraeus Medical angesiedelt, 15 Produkte seien in den vergangenen zehn Jahren zur Marktreife gebracht worden.

Und was ist mit etwaigen Expansionen nach 2020? Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Aber Heraeus Medical ist eben ein Wehrheimer Unternehmen und so gehört es quasi zum guten Ton, große Visionen ohne lauten Trommelwirbel zu verkünden. „Auf der Fläche vor dem jetzigen Neubau wäre noch Platz . . . “ verrät Bär. Und auch der Bebauungsplan gäbe wohl noch Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Gelände her . . . Wobei – was soll noch kommen, wenn der Knochenzement in der nächsten Generation schon gebrauchsfertig geliefert wird? „Dazu kann ich natürlich nichts sagen“, lächelt Bär, „aber wenn mir die Entwickler über den Weg laufen, haben sie häufig leuchtende Augen . . .“.

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