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Ausstellung: Ikonen der Automobilgeschichte

Von „101 Jahre BMW“ – hat der „Verein Freunde Central Garage“ den 100. Geburtstag der Bayerischen Motoren Werke verpasst? Hausherr Dieter Dressel und Vereinsvorstand Reinhard Graf werden das oft gefragt und schmunzeln. Sie sagen dann: „Das mag so aussehen, aber die BMW AG wurde 1919 gegründet.“ Und schon passt’s wieder . . .
Ab in die Berge: Diese Isetta hatte für den Winterurlaub seitlich angebrachte Ski-Halter und einen Heckrucksack. Das Fahrzeug ist Teil der neuen Ausstellung „101 Jahre BMW“ in der Central Garage. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Ab in die Berge: Diese Isetta hatte für den Winterurlaub seitlich angebrachte Ski-Halter und einen Heckrucksack. Das Fahrzeug ist Teil der neuen Ausstellung „101 Jahre BMW“ in der Central Garage.
Bad Homburg. 

Die BMW-Ausstellung in der Central Garage zeigt 20 Autos, eins kultiger und atemberaubender als das andere, dazu Motorräder und bald auch noch ein Flugzeug-Sternmotor, alle mit dem weiß-blauen Propeller im Emblem. Sie legen wie auf einem Zeitstrahl Zeugnis ab von einem Stück Industriegeschichte, die auch in Bad Homburg geschrieben wurde.

Die Exponate haben nur einen Nachteil: Man darf sie nur angucken, dabei wäre reinsetzen doch viel schöner. Das geht aber nicht, denn die meisten Ikonen weiß-blauen Fahrzeugbaus sind Leihgaben vertrauensvoller Besitzer, die ihre Schätzchen nach der Autoschau im Dezember unbeschadet wieder abholen möchten. Und das eine Auto, das Dieter Dressel selbst gehört – noch dazu der Senior der Schau –, scheidet als Kulisse für Selfies auch aus: Der Dixie (Baujahr 1930, Sportfahrwerk, 4-Zylinder, 18 PS) ist ebenfalls nur etwas fürs Auge: „Eigentlich hatte er 15 PS, aber er ist das dritte Auto der Serie, ein Versuchswagen, der getunt wurde, auf 18 PS“, erzählt Dressel, den mit dem Auto eine persönliche Geschichte verbindet: „Der stand früher bei uns in Friedrichsdorf im Garten, als Kinder haben wir darin gespielt.“ Sein Vater hatte das Auto, das auf dem Segelflugplatz bei Neu-Anspach beim Einholen des Schleppseils sein Gnadenbrot bekommen hatte und verschrottet werden sollte, dem Nachbarn für 50 Mark abgekauft. Später verkaufte er es dann wieder für 50 Mark nach Bad Vilbel. Erst vor 15 Jahren traf Dressel sein altes „Spielzeugauto“ dort wieder und erwarb es zurück. „50 Mark“, schmunzelt er, „haben da allerdings nicht mehr gereicht.“ Dressel will den Dixie sogar zulassen, denn er hat eine einfache Philosophie: „Autos sind Fahrzeuge und keine Stehzeuge.“

Auch Elvis fuhr BMW

Auch die meisten anderen BMW können Geschichten erzählen, aber auch Fragen aufwerfen, wie etwa die: Warum kauft man sich für 100 000 Euro einen knallroten „Z 8“ (8 Zylindern, 5000 cbm Hubraum, 400 PS) und stellt ihn dann mit 12 000 Kilometern auf der Uhr in die Vitrine? Dressel weiß es nicht, hat auch nicht lange nachgefragt und sich gefreut, dass der Supersportwagen als Blickfang Teil der Schau sein darf. Die Familienähnlichkeit zum schräg gegenüber geparkten „507“ ist verblüffend. Auch ein Auto mit Geschichte – Elvis Presley hatte einen und auch Ursula Andress liebte es, im offenen „507“ über den Boulevard zu rollen. Als der Wagen 1957 erschien und für 26 500 Mark zu haben war, gab es nur wenige Autos, die ihm das Wasser reichen konnten, vielleicht noch der Mercedes 300 SL. Gut erhaltene Exemplare – und das in Bad Homburg gezeigte ist gut erhalten – kosten heute siebenstellig.

Rennfahrerlegende

Geschichte geschrieben hat, jedenfalls in der Zivilversion, der „328“ (2 Liter, 6 Zylinder, 80 PS): Mit der identisch motorisierten Sportversion hat Rennfahrerlegende Huschke von Hanstein 1940 die „Mille Miglia“ gewonnen. Der „Rennbaron“ setzte sich in dem Boliden vom Start weg an die Spitze des 74 Teilnehmer starken Feldes. Die „Mille Miglia“ war mit 1600 Kilometern Streckenlänge damals das längste Straßenrennen der Welt.

Eine weitere Kuriosität der Schau ist die für den Winterurlaub reisefertig mit seitlich angebrachten Ski-Haltern und Heckrucksack ausstaffierte Isetta. BMW baute die legendäre Kugel mit Fronteinstieg zwischen 1955 und 1962, aber nicht, weil sie so praktisch war. Vielmehr war die Isetta dazu ausersehen, das Geld, das man beim Bau des Paradewagens „502 Super“ (3,2 Liter Hubraum, V8-Motor, 160 PS, Edelholzeinlagen im Cockpit) drauflegte, wieder wettzumachen. „Das Auto war mit 21 240 Mark zu teuer“, weiß Reinhard Graf und Dressel ergänzt: „Dafür gab’s vier Käfer!“ Kein Wunder, denn der tiefblaue „502“, der sich zeitlebens bemühte, eine gutbetuchte Klientel davon abzuhalten, doch einen „Adenauer“ aus dem Hause Daimler zu ordern, hatte schon Metallic-Lack. Der Glitzereffekt wurde durch die Beigabe gemahlener Fischschuppen erzielt.

Doch auch die Isetta konnte BMW nicht wieder flott machen. Nun schließt sich der Kreis in Bad Homburg. Der Industrielle Herbert Quandt erkannte den Wert der Marke, erwarb die Aktienmehrheit und rettete BMW. Unter seiner Ägide wurde mit dem „700“ die Wende eingeleitet. Angetrieben durch einen Motorradmotor, verkaufte er sich wie geschnitten Brot. In der Schau steht ein 700er. Wenngleich er gegenüber den meisten BMW sehr einfaches Karo trägt, erzählt er vielleicht die spannendste Geschichte aus 101 Jahren BMW.

Legendäre Filmkarossen

Womit kam Hauptwachtmeister Karl Dombrowski zurück, wenn ihm von seinem Chef, Polizeimeister Alois Huber, aufgetragen wurde, den Wagen zu holen? Nun, wissen Sie’s? Mit einem „Barockengel“, so

clearing

Es gäbe noch viele Geschichten über die Autos zu erzählen. Besser aber ist, sie sich, wenn man sich schon nicht reinsetzen darf, anzuschauen, mittwochs bis sonntags, 12 bis 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Dressel bittet aber um Spenden für die Restaurierung des letzten Triebwagens der Bad Homburger Straßenbahn.

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