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Wölfe in Deutschland: Keine Angst vor dem Wolf

Von Eigentlich galt der Wolf als nahezu ausgerottet bei uns, aber derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland einer gesichtet wird. Vergangene Woche erst war auf der A 661 ein Wolf überfahren worden. Kein Grund zur Panik, sagen hiesige Experten. Dass die wilden Tiere sich im Taunus ansiedeln, sei unwahrscheinlich. Der Landesjagdverband ist dennoch wachsam.
Experten glauben nicht an eine Ansiedlung der wilden Tiere im Taunus Foto: Ronald Wittek (dpa) Experten glauben nicht an eine Ansiedlung der wilden Tiere im Taunus
Hochtaunus. 

Da hat der eine oder andere TZ-Leser in der vergangenen Woche sicher zwei Mal auf die Titelseite der TZ geschaut: War das wirklich ein Wolf auf dem Foto? Das Tier war am Dienstagmorgen auf der Autobahn A 661 von einem Auto erfasst worden. Ein Gentest des Senckenberg-Forschungsinstituts brachte jetzt Klarheit: Es handelte sich tatsächlich um einen Wolf, und zwar aus einem, der aus Niedersachsen kam.

So mancher Schäfer, Waldspaziergänger oder Jäger dürfte angesichts solcher Nachrichten hellhörig werden. Vor allem Letzterer, gilt der Wolf doch landläufig als Konkurrenz für den Jäger. Der Geschäftsführer der Jägerstiftung natur + mensch, Marc Henrichmann, fordert schon, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Bislang steht er unter Artenschutz.

 

Extrem scheue Tiere

 

Bad Homburgs Revierförster Günter Busch hat zumindest keine schlaflosen Nächte: „Wölfe sind zwar seit dem Jahr 2000 wieder auf dem Vormarsch, bewegen sich in der Lausitz und bis Niedersachsen sowie in der Region Bremen. Und von dort aus gehen einzelne Männchen immer mal wieder auf Abenteuertour. Und dass sie dabei auch irgendwann durch Hessen kommen, halte ich auch für wahrscheinlich. Aber dass sie sich im Taunus niederlassen würden, glaube ich nicht, denn hier ist die Bevölkerungsdichte einfach zu groß.“ Man dürfe nicht vergessen, dass Wölfe extrem scheu seien. Sie mieden den Menschen und würden sich „schleunigst aus dem Staub machen, wenn sie einen witterten“.

Das sieht Gisbert Müller, der Vorsitzende der Jagdvereinigung Hubertus, ähnlich. „Der Wolf mag zwar zurück in Deutschland sein, aber hier im Taunus hat er keine Lebensgrundlage, die Freiflächen sind für ihn zu klein.“

Davon abgesehen sieht Müller vom Wolf ohnehin keine Gefahr ausgehen. „Ich habe noch nie gehört, dass er einen Menschen angegriffen hätte. Der ist doch weg, ehe man ihn bemerkt.“

Auch Dr. Dieter Selzer von der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises geht nicht davon aus, dass sich Wölfe in unserer Region ansiedeln. Aber sollte man tatsächlich einen sehen, sollte man ihm „grundsätzlich mit Respekt begegnen – genau wie jeder anderen Wildtierart auch“.

 

Landesjagdverband schult

 

Das sieht der Landesjagdverband Hessen (LJV) auch so und trifft derzeit entsprechende Vorbereitungen. Er will im Frühsommer 2015 in der Servicestelle für Forsteinrichtung und Naturschutz im Landesbetrieb Hessen-Forst (FENA) eine Schulung für Jäger und Förster anbieten, die künftig auf ehrenamtlicher Basis als „fachkundige Personen zur Dokumentation von Wolfsrissen an Nutz- und Wildtieren“ eingesetzt werden können. Rolf-Walter Becker, Naturschutzreferent beim LJV, erklärt: „Wir wollen mit diesem Angebot zur Versachlichung der Diskussion beitragen.“ Denn wiewohl der Wolf von Natur aus scheu sei, seien bestimmte Vorkommnisse ja nicht von der Hand zu weisen, bei denen die Tiere sich nah an Menschen gewagt hätten – sei es in Hessen wie jüngst eben an der A 661, sei es in Niedersachsen, wo ein Wolf unter anderem in der Nähe eines Waldkindergartens gesehen worden war. „Unsere Schulung hilft den Ortsjägern, im Falle von Rissen von Nutztieren zweifelsfrei zu erkennen, ob das Tier von einem Wolf angefallen wurde und welche weiteren Schritte in einem solchen Fall einzuleiten sind.“

Davon, den Wolf aus dem Artenschutz herauszunehmen, hält Becker gar nichts: „Der Wolf steht unter dem höchsten europäischen Schutzstatus. Wir in Hessen sehen keinen Anlass, in eine solch weittragende Diskussion einzusteigen.“

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