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Vor der St. Marienkirche: Kronberger Architekt saniert historisches Fachwerkhaus

Von Mit Idealismus und Begeisterung hat der Kronberger Architekt Max-Werner Kahl damit begonnen, ein um 1750 entstandenes windschiefes Fachwerkhaus zu restaurieren. Auf kleinstem Raum sollen Historie und Moderne vereint werden.
Im Obergeschoss des alten Fachwerkhauses zeigt Architekt Max-Werner Kahl (links) dem Kurvereins-Vorsitzenden Wolfgang Herder auf Plänen, was er aus dem Kleinod einmal machen möchte. Die Lehmwand (re.) bleibt dem künftigen Schlafzimmer erhalten. Foto: Jochen Reichwein Im Obergeschoss des alten Fachwerkhauses zeigt Architekt Max-Werner Kahl (links) dem Kurvereins-Vorsitzenden Wolfgang Herder auf Plänen, was er aus dem Kleinod einmal machen möchte. Die Lehmwand (re.) bleibt dem künftigen Schlafzimmer erhalten.
Bad Homburg. 

„Hier kommt so ein amerikanischer 50er-Jahre-Kühlschrank hin“, erklärt Max-Werner Kahl und zeigt auf eine rohe Ursteinwand. Der Raum ist leer und eine Baustelle, doch der Architekt aus Kronberg hat schon genau im Kopf, wie das künftige Zwei-Raum-Wohnhaus an der Ecke Waisenhaus-/Dorotheenstraße einmal aussehen soll.

Heute ist das Haus wieder Baustelle. Die Litfaßsäule kommt weg. Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein
Heute ist das Haus wieder Baustelle. Die Litfaßsäule kommt weg.

Kürzlich hat der 66-Jährige das rund 250 Jahre alte Gebäude von der Stadt erworben, die es ihrerseits 2012 für 56 000 Euro von einem Privatmann erstanden hatte. Seit 44 Jahren steht es leer; man konnte zusehen, wie das Gebäude, das in landgräflichen Zeiten entstand, verfällt. 2016 verpasste ihm der Kur- und Verkehrsverein den „Stein des Anstoßes“ (siehe ZUM THEMA).

Jacobis Geburtshaus

Dabei besetzt der schlichte Bau eine „städtebaulich wichtige Position“, wie das Landesamt für Denkmalpflege schreibt. „Zum einen wird durch seine zurückversetzte Lage ein für den neustädtischen Bereich typischer Brunnenplatz gebildet; zum anderen definiert er als Eckhaus zur Dorotheenstraße das Ende des Straßenzugs ,Armengasse‘. Kulturdenkmal aus städtebaulichen und architekturgeschichtlichen Gründen.“ Zudem soll es das Geburtshaus von Baumeister Louis Jacobi gewesen sein.

Zum Thema: Stein gab den Anstoß

Bei der alljährlichen Fassaden-Prämierung vergibt der Kur- und Verkehrsverein (KVV) stets auch einen „Stein des Anstoßes“ für ein besonders vernachlässigtes Gebäude in der Kurstadt.

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„Es war ein Scharnier zwischen Arm und Reich“, sagt Kahl mit Blick auf die barocke Dorotheenstraße. Er macht das Haus nicht nur bewohnbar, sondern will es auch mit stylischen Details ausstatten – einer poppigen Küche, alten Eichendielen, oben einer begehbaren Dusche neben der unbehandelten, „allergiefreien“ Lehmwand.

Im Keller – der jetzt noch wie eine Ausgrabung aus der Stauferzeit anmutet – will Kahl einen Weinkeller anlegen. Auch die alten Klappläden, die im Betriebshof lagern, und eine „Klöntür“, die sich oben öffnen lässt; ein Kirchenfenster und eine gusseiserne Platte von 1776 mit Relief von der Jungfrau Maria will er in den Räumen mit Blick auf die St. Marienkirche einbauen.

Litfaßsäule soll weichen

Gerade mal 35 Quadratmeter Grundfläche hat das Häuschen – und zwei Wohnräume. Eng, aber „ein Objekt für Kenner und Liebhaber“ sagt Kahl, und man merkt ihm die Begeisterung an. Er will selbst mal hier übernachten, um zu spüren, wie es sich anfühlt. Jedoch sieht er keine solventen Yuppies hier drin, sondern wünscht sich, dass entweder eine alleinerziehende Person mit Kind hier wohnen oder aber Gast-Pfarrer von fremden Kontinenten. Idealismus besitzt der Kronberger: In Afrika hat er Schulen gebaut. Kahl spricht nicht gern über Geld. Es ist aber davon auszugehen, dass er ungefähr das Dreifache vom Kaufpreis in die Sanierung des Kleinods stecken wird. Außer dem Spaß, der ihm die Begleitung des Ausbaus offensichtlich macht, ist es ihm ein Anliegen, den „Stein des Anstoßes“ zu beseitigen und, mehr noch, den Ort seiner historischen Bedeutung gemäß herzurichten.

Er möchte an den Schöpfbrunnen, der dort einst gestanden hat, mit einem Kunstwerk erinnern, das Wasser symbolisiert. Deshalb ist ihm die kleine Litfaßsäule vorm Eingang ein Stein des Anstoßes. „Die muss dort verschwinden“, sagt Kahl. Da rennt er bei der Stadt – die den Werbeträger einst aufgestellt hat – offene Türen ein. „Wir suchen derzeit nach einem Ersatzstandort in der Dorotheenstraße“, so Rathaussprecher Andreas Möring. Und OB Alexander Hetjes (CDU) lobt: „Eine tolle Sache, dass ein engagierter Bauherr das kleine Kulturdenkmal sanieren möchte. Das Gebäude wird unsere Kulturmeile sicher bald schmücken.“

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