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Philosophin Ágnes Heller: Logik des Gehirns und des Herzens

Bedeutende Philosophin, Kämpferin gegen Antisemitismus und Rassismus – mit diesen Attributen wird Ágnes Heller charakterisiert. Zum Thema Empathie hat die 86-Jährige in Bad Homburg referiert.
Die Philosophin Ágnes Heller. Foto: Annegret Hilse / SVEN SIMON (picture alliance) Die Philosophin Ágnes Heller.
Bad Homburg. 

„Eine der bedeutendsten Philosophinnen unserer Zeit“, übertrieb Prof. Dr. Rainer Forst nicht, als er Prof. Ágnes Heller vorstellte. Um über das Thema „Über die Verschiedenheit der ästhetischen, reflektierten und ethischen Empathie“ zu referieren, war die Schülerin von Georg Lukács und Nachfolgerin Hannah Arendts auf deren Philosophie-Lehrstuhl in New York aus Budapest in die Werner-Reimers-Stiftung gekommen.

„Es gibt sehr wenige Philosophen von solchem Rang“, betonte der Professor für Politische Theorie, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Frankfurter Goethe-Universität und Direktoriumsmitglied des Forschungskollegs Humanwissenschaften. Als „unbequeme Intellektuelle und Kritikerin der Politik von Victor Orbán“ habe sie in jüngster Zeit in Ungarn „sehr viele Anfeindungen erlebt“.

Mitgefühl und Mitleid

Gleich zu Beginn ihrer Ausführungen nannte die Wissenschaftlerin die Worte, mit denen die deutsche Sprache Empathie umschreibt: Mitgefühl und Mitleid. Sie stellte klar, dass es sich bei Empathie aber um mehr als ein Gefühl handle, nämlich um eine „Kapazität“, um eine Gabe des Menschen, die dieser einsetzen kann oder auch nicht.

Nachfolgerin Hannah Arendts

Ágnes Heller wurde 1929 in Budapest geboren. Gemeinsam mit ihrer Mutter überlebte sie den Holocaust knapp, ihr Vater und viele Angehörige wurden ermordet.

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So habe der Philosoph Jean-Jacques Rousseau den Menschen eine angeborene Empathie zugeschrieben, die aber im gesellschaftlichen Wettbewerb vom Egoismus verdrängt werde. Für den Staatstheoretiker Thomas Hobbes hingegen wollten „alle Menschen alle anderen töten“. Nur der Staat könne „die Menschen bändigen“.

„Nicht alle Menschen fühlen in jeder Situation dasselbe Mitleid mit anderen Menschen“, betonte die Philosophin. Es gebe „nichts allgemein Menschliches a priori“. Sie verglich die Kapazität der Empathie mit der Musikalität. Ob und wie stark sich eine solche Fähigkeit ausprägt, hänge nicht nur von der angeborenen Kapazität ab, sondern auch von äußeren Bedingungen.

Am Beispiel Kopfschmerzen machte sie die ethische Dimension der Empathie deutlich. Ein Mensch fühlt die Schmerzen, ein anderer bringt Mitgefühl auf, ohne selbst unter den Schmerzen zu leiden: „Normalerweise empathisieren wir mit Menschen, die wir lieben“, erläuterte die Professorin.

Ästhetische Empathie könne spürbar werden, wenn die Menschen Opern oder Dramen sehen und mit den Helden leiden: „Diese Art von ästhetischer Empathie hilft, die eigene Gefühlswelt zu entwickeln“. Die aktuellen Medienbilder von Flüchtlingen hingegen sprächen die reflektierte Empathie an. Deren Grundlage sei die Kenntnis der Situation. „Die Voraussetzung dafür ist Reflexion“, so die Professorin. „Wir müssen wissen, worum es geht.“ So entstehe eine wechselseitige Beziehung: „Mitgefühl produziert Wissen, Wissen produziert Mitgefühl.“ Aber, wenn „wir eine Situation nicht kennen, werden wir keine Empathie empfinden“.

In diesem Zusammenhang komme der Rhetorik eine besondere Bedeutung zu: Diese setze das Mitgefühl ein, „um uns zu bestimmten Arten von Handeln zu bewegen“. Doch nicht nur auf der Seite des Verstandes sieht Prof. Ágnes Heller die Grundlagen für die Kapazität der Empathie: „Die Logik des Gehirns muss begleitet sein von der Logik des Herzens“, betonte sie. „Die Kapazität der Empathie kann man lernen und üben. Wir sind fähig, diese Kapazität zu entwickeln.“

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