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Märchen werden doch wahr

Prinzen gibt es normalerweise nur im Märchen – oder eben in der Fastnacht. Für den Oberurseler Karnevalsprinzen Jürgen I. ist ein Märchen wahr geworden. Wir sagen nur: Prinz und Prinzessin, Frosch und wachgeküsst . . .
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Oberursel. 

Bevor Prinz Jürgen I. im siebten Himmel seines ganz persönlichen Märchens schweben kann, hat er am Rosenmontag erst einmal den schwersten Tag seiner Regentschaft vor sich. „Das ist aber auch der schönste Tag“, sagt Hofmarschall Patrick Volz, der es wissen muss, schließlich war er selbst mal Fastnachtsprinz. Rosenmontag ist der große Besuchstag.

Der Prinz wird von 8 Uhr bis spät abends unterwegs sein: „Es geht überall hin, vom Kindergarten bis hin zum Seniorenheim. Wir haben mehr als 20 Termine, von denen jeder im Schnitt 20 Minuten dauert.“ Das klingt nach dem Terminkalender der Bundeskanzlerin, doch der Prinz scherzt: „Ich habe keine politischen Ambitionen!“

 

In die Wiege gelegt

 

Die Verbindung zur Fastnacht hat der Prinz Jürgen I. schon seit der Kindheit. Mit elf Jahren spielte er im Fanfarenzug mit. Die Mama war Funkenmariechen, der Papa närrischer Sänger. Klein-Jürgen war Indianer, Cowboy und Clown, Frau – was die Verkleidungen eben so hergaben. Das Größte aber, was er sich vorstellen konnte, war, Fastnachtsprinz zu werden. Dadurch sei man überall mit dabei und treffe viele Menschen. So war es klar, dass er sich eines Tages beim Narrenrat bewerben würde, der sich aus Vertretern von fünf Vereinen zusammensetzt: Karnevalverein Frohsinn, Club Geselligkeit Humor Weißkirchen, Carneval Verein Stierstadt, Bommersheimer Carneval Verein und Karnevalclub The Ravens. Mit deren Segen kann man am 11.11. um 11.11 Uhr die Regentschaft übernehmen, fortan die Vereine und die Stadt repräsentieren und bei Sitzungen und Empfängen Grüße überbringen.

 

Ein Song nur für ihn

 

Das freie Sprechen liegt dem Prinzen. Und nicht nur das: Er singt auch gerne. Deshalb hat er sich einen Prinzensong schreiben lassen, auf den Titel „Auf uns“ von Andreas Bourani, den er gerne bei seinen Auftritten im Halb-Playback mit den Zuschauern singt. Klar, dass man keine Angst haben sollte, vor Publikum zu stehen.

Wer Prinz werden möchte, muss sich aber im Klaren sein, dass das auch ein bisschen was kosten kann. Die Orden, die eigene Kleidung und die des Hofstaates, Werbebroschüren, Präsente und mehr hat Prinz Jürgen I. finanziert.

Außerdem lädt Jürgen I. zum „Prinzen-Brunch“ ein, bei dem er jenen dankt, die sich in der Fastnacht engagieren. Und er hat sich einen eigenen Prinzensekt gegönnt. Die Amtszeit endet am Fastnachtsdienstag um Mitternacht. Von November bis Fastnachtsdienstag stehen für den Narren mehr als 180 Termine an. Er ist nicht nur im Taunus unterwegs, sondern bis in die Narrenhochburg Köln.

Um seinen Terminkalender zu bewältigen und allen Anfragen gerecht zu werden, braucht er ein verlässliches Team um sich herum. Die Fahrer Rainer Ullmann und Klaus Müller übernehmen darin eine entscheidende Rolle. Sie sorgen dafür, dass Termine eingehalten werden, ermahnen den Prinzen, dass er nicht überzieht und sparen ihm Zeit.

 

Von Auftritt zu Auftritt

 

Weil die Fahrer im Auto sitzenbleiben, müssen sie keinen Parkplatz suchen. Der Prinz springt schnell zum Auftritt aus dem Auto in die Halle, flitzt auf die Bühne, tritt auf und läuft anschließend direkt zum Wagen zurück – man könnte den Motor fast laufen lassen.

„Das Regieren ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe und noch viel besser“, strahlt Jürgen I.. Er genieße, dass viele Menschen zusammen auftreten, dass es gute Musik und gute Stimmung gebe.

Noch drei Tage ist Jürgen Sommer der Prinz der Fastnacht. Dann kehrt im Leben des Geschäftsführers einer Schädlingsbekämpfungsfirma der Alltag wieder ein. Das Märchen vom Prinzendasein ist dann vorbei.

Aber ein anderes Märchen hat längst begonnen: Der 50-Jährige, der bis vor wenigen Wochen Single war, hat nämlich seine Prinzessin gefunden. Sie stand vor ihm, als er als Fastnachtsprinz im vollen Ornat in närrisch-amtlicher Mission unterwegs war. Wer die Traumfrau ist? Prinz Jürgen I, grinst. Das wird nicht verraten.

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