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Bundesjugendspiele abschaffen? Nicht an der FES: Mit Spaß zum Sprung

Von „Heulender Sohn kommt mit ,Teilnehmerurkunde’ von den Bundesjugendspielen heim. Erwäge Petition zur Abschaffung selbiger.“ Das tat eine Mutter aus Konstanz online – und startete eine bundesweite Diskussion über die Zumutbarkeit sportlicher Wettbewerbe für Kinder. Von Zumutung war gestern bei den Bundesjugendspielen an der Friedrich-Ebert-Schule nichts zu spüren. Tatsächlich sah man nur dies: Kinder, die mit Spaß Sport trieben.
Weitsprung ist eine der Disziplinen, in denen sich Schüler bei den Bundesjugendspielen beweisen müssen. An der FES zeigten sich da gestern einige ungeahnte Talente. Weitsprung ist eine der Disziplinen, in denen sich Schüler bei den Bundesjugendspielen beweisen müssen. An der FES zeigten sich da gestern einige ungeahnte Talente.
Gonzenheim/Ober-Eschbach. 

Sprinten und Langstreckenlauf, Weitwurf und Weitsprung – in diesen Disziplinen beweisen sich Schulkinder alljährlich bei den Bundesjugendspielen. Das ist seit 1951 der Fall. Und seitdem gibt es Kinder, die das prima finden, aber auch solche, für die das Ganze ein Graus ist. Sie fühlen sich durch eine im Nachgang schriftlich bestätigte schlechtere Leistung – Stichwort Teilnehmerurkunde anstelle von Sieger- oder gar Ehrenurkunde – eher demotiviert als zum Sport ermutigt.

Gerade diese aus der sportlichen Niederlage resultierende gefühlte Demütigung und der Wettkampfcharakter sind es, die jüngst eine Mutter aus Konstanz online angeprangert und damit bundesweit eine große Diskussion darüber angestoßen hat, ob die Bundesjugendspiele überhaupt noch zeitgemäß sind. Für die Gonzenheimer Friedrich-Ebert-Schule (FES) steht das allerdings außer Frage. „Bundesjugendspiele sind bei uns als Schulsport-Veranstaltung angelegt, das heißt, es ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der ganzen Schule, wenn man so will, eine Art Sportfest“, sagt Schulleiterin Charlotte Göttler-Fuld.

Natürlich würden sich die Kinder im 50-Meter-Lauf, im Weitwurf und Weitsprung messen und obendrein 800 Meter „Langstrecke“ laufen – auch die Erstklässler. „Die rennen doch ohnehin überall hin, weil sie es immer eilig haben, da schaffen sie auch eine solche Strecke locker“, weiß Göttler-Fuld aus Erfahrung und zeigt mit geöffneten Armen um sich.

In der Tat: Am Dienstagmorgen auf dem Sportplatz der Albin-Göhring-Halle, dem Austragungsort der Bundesjugendspiele der FES ist alles in Bewegung. Wer gerade nicht für eine „offizielle Disziplin“ ansteht, spielt „Quietschie“ – eine Art Völkerball – , Fußball oder Badminton. Auf diese Weise wird der Wettbewerbscharakter bei den FES-Bundesjugendspielen entschärft. Nicht, dass Sportfachleiter Karl-Heinz Schneider den Wettbewerb nicht für richtig hielte, denn: „Hier beim Sport kommen dann manchmal auch jene zum Zug, die das in anderen Schulfächern nicht tun.“ Abgesehen davon „müssen wir nicht so tun, als würden sich die Kinder nicht auch sonst in ihren Leistungen vergleichen“. Es komme darauf an, wie man damit umgeht.

In der FES scheint der richtige Ton gefunden zu sein. Allenthalben hört man, wie die Kinder sich gegenseitig anfeuern: „Lauf, lauf, lauf“, heißt es, oder „Los, spring“, oder: „Hau das Ding weg!“.

Valentina (7), gerade vom Sprint gekommen und noch etwas kurzatmig, findet die Bundesjugendspiele „schön“. Caro (8) macht vor Freude Luftsprünge darüber, dass sie in diesem Jahr in ihrer Laufgruppe Zweite geworden ist – und sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat. „Ein tolles Gefühl“, wie sie mit leuchtenden Augen betont. Und Mattea (7), freut sich nicht nur darüber, dass sie beim Sprinten in ihrer Gruppe Erste geworden ist, sondern vor allem darüber, dass ihr Klassenkamerad Kyrill beim Weitsprung einen Klassenrekord aufgestellt hat. „Ich glaube, der hat Sprungfedern unter den Turnschuhen“, sagt sie lachend und rennt wieder weg. Wahrscheinlich will sie mal unter seinen Schuhen nachsehen.

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