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Prozess: Mitbewohner beleidigt und bedroht

Von Seinen Vermieter, aber auch andere Bewohner des Hauses hat ein 55 Jahre alter Bad Homburger mehrfach aufs Übelste beschimpft. Nun wurde er dafür zur Verantwortung gezogen.
Symbolbild Foto: Britta Pedersen Symbolbild
Bad Homburg. 

Er neigt offensichtlich zu Wutausbrüchen, denn ein 55-Jähriger hat mehrfach andere Bewohner des Hauses und seinen Vermieter beschimpft, beleidigt und bedroht. Zwar ist er im März ausgezogen. Doch sein Verhalten hat Konsequenzen. Der Bad Homburger stand nun vor Gericht und wurde zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt.

Laut Anklage hatte der 55-Jährige am 21. Januar vergangenen Jahres gegen 13 Uhr wieder einmal Streit mit seinem Vermieter. Der hatte den Mieter ersucht, nicht das Fahrrad am Treppengeländer abzustellen, um dieses nicht zu beschädigen. Der Mieter habe ihn deshalb beschimpft und beleidigt, sagte der Vermieter. „Dabei warf er sein Rad und die Fahrradkette nach mir.“ Zwei Tage später begegneten sich beide abends im Flur. Da habe der Mann ihn erneut beleidigt und sich drohend vor ihn gestellt. „Ich konnte über mehrere Minuten nicht mein Büro betreten“, erzählte er.

„Ich mache dich fertig“

Der dritte Anklagevorwurf resultierte vom August 2017. An diesem Vormittag hatte eine Bewohnerin in Absprache mit dem Vermieter ihren Sperrmüll zum Abtransport bereitgestellt. Daran hatte der Angeklagte Anstoß genommen. Er habe rumgeschrien, gegen die abgestellten Gegenstände getreten und sie in Fäkalsprache beschimpft, sagte die Mieterin. „Ich gehe Dir an den Kragen, ich mache Dich fertig“, soll er dem Vermieter angedroht haben. Einer Frau aus dem Haus hatte er zugerufen, sie gehöre in die Psychiatrie. Die Bewohner hatten aus Angst die Polizei gerufen. „Ich habe jetzt noch vor dem Mann Angst“, sagte eine Hausbewohnerin vor Gericht.

In der Verhandlung monierte der Angeklagte zunächst, dass ihm kein Dolmetscher zur Verfügung gestellt wurde. Die Richterin kannte den 55-Jährigen aus vorherigen Verfahren. Er wohne seit langer Zeit in Deutschland. Sein Deutsch sei gut genug für die Verhandlung, fügte sie hinzu. Und außerdem müsse er bei einer Verurteilung den Dolmetscher selber zahlen. Das würde ihn rund 500 Euro extra kosten, ergänzte sie. Seine Staatsangehörigkeit demonstrierte der Mann auf seinem kahlen Haupt. Darauf hatte er sich das türkische Flaggen-Symbol Halbmond mit Stern tätowieren lassen. Als ihn die Richterin deshalb fragte, warum er nicht in sein Heimatland ziehe, wenn er ein solcher Türkei-Fan sei, antwortete er aufbrausend: „Ich wohne seit 30 Jahren in Deutschland, was soll ich in der Türkei?“ Nur mit Mühe konnte ihn die Richtern wieder beruhigen.

Der 55-Jährige konnte die von mehreren Zeugen bestätigten Anklagevorwürfe nicht entkräften. Dennoch kam er mit einem milden Urteil davon. Denn der Wurf von Fahrrad und Fahrradkette nach dem Vermieter wurden nicht als „versuchte gefährliche Körperverletzung“ gewertet. Dafür hätte er eine Mindeststrafe von sechs Monaten Haft erhalten. Eine Verletzungsabsicht sei nicht ausreichend beweisbar, waren sich Staatsanwalt und Richterin einig.

Der fünffach vorbestrafte Angeklagte wurde wegen mehrfacher Beleidigung, sowie Bedrohung und Nötigung zu 90 Tagessätzen verurteilt. Die Tagessatzhöhe wurde, da der Mann von Hartz IV lebt – mittlerweile bei seiner Verlobten – auf 10 Euro festgesetzt, woraus sich eine Geldstrafe von 900 Euro errechnet. Der Angeklagte habe die Mitbewohner regelrecht tyrannisiert, fasste die Richterin die Verfehlungen zusammen. Dieser kündigte an: „Ich zahle nicht, ich habe kein Geld“. Sollte er dies wahrmachen, müsste er die Strafe abzuarbeiten. Dann müsste er 90 Mal 6 Stunden gemeinnützige Arbeiten verrichten oder 90 Tage Haft absitzen.

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