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Wasserqualität: Multiresistente Erreger: Messungen im Urselbach verworfen

Von Dass im Urselbach unterhalb der Kläranlage jüngst multiresistente Erreger (MRE) gefunden wurden, belegen Messungen der Stadt Frankfurt. Deren Gesundheitsamtleiterin stand dem Oberurseler Bau- und Umweltausschuss jetzt Rede und Antwort – und riet Überraschendes.
Wer im Urselbach planscht, sollte sich danach die Hände waschen. Das gilt vor allem unterhalb der Kläranlage. Foto: Matthias Reichwein Wer im Urselbach planscht, sollte sich danach die Hände waschen. Das gilt vor allem unterhalb der Kläranlage.
Oberursel. 

Die gute Nachricht: Oberhalb der Weißkirchener Kläranlage ist der Urselbach in den vergangenen Jahren sauberer geworden. Die schlechte: Unterhalb ist es gleichbleibend schmutzig, so dass das Frankfurter Gesundheitsamt vom Baden und Gemüsegießen abrät. Zudem sind unterhalb der Anlage jetzt auch diverse gegen Antibiotika multiresistente Erreger im Urselbach nachgewiesen worden. Die Keime können für den Menschen richtig gefährlich werden, wenn sie in Wunden gelangen.

Seit 30 Jahren misst die Stadt Frankfurt die Wasserqualität jener Bäche, die ins Stadtgebiet fließen, hinsichtlich E-Coli-Bakterien und Fäkal-Streptokokken. Am Urselbach gibt es drei Entnahmestellen: zwei in Weißkirchen oberhalb und eine direkt unterhalb der Kläranlage. Die Anlage leitet ihr gesäubertes Wasser wieder in den Urselbach, der weiter nach Frankfurt fließt.

Seitdem das Thema multiresistente Keime 2017 publik geworden war, denkt man in der Oberurseler Politik darüber nach, eigene Messungen im Bach zu beauftragen, um den Verursacher der Keimbelastung zu ermitteln. Ein entsprechender Antrag samt Änderungsantrag der AfD war in den Bau- und Umweltausschuss verwiesen worden.

Weniger Antibiotika

Dort war nun die Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamtes, Prof. Ursel Heudorf, zu Gast. Eine gute Stunde lang stellte sie ihre jüngste Hygienestudie vor, in der auch der Urselbach eine Rolle spielt, und beantwortete Fragen der Stadtverordneten. Die wollten vor allem einschätzen können, ob sie, wie vorgesehen, Messungen finanzieren sollen. Was mit rund 1000 Euro pro Entnahme zu Buche schlage, wie Heudorf sagte.

Die Expertin deutete an, dass Messungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht das erwünschte Ziel erreichten – also herausfinden, wo die Keime herkommen, und den „Täter“ davon abbringen. Man bekomme nur „Momentaufnahmen“, so Heudorf. Eine Ursachenklärung sei nicht möglich. „Es gibt neue Erkenntnisse, aber noch keine Handlungsempfehlung.“ Diese werde man erst 2019 bekommen, wenn die HyReKa-Studie ausgewertet werde. Diese Studie untersucht bundesweit die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Abwasser (www.hyreka.net).

„Was ist mit Kindern, die im Bach spielen?“, wollte eine Frau aus dem Publikum wissen. Heudorf verwies auf die bekannten Empfehlungen des Gesundheitsamtes: nicht im Bach schwimmen oder planschen – und wenn, dann danach Hände waschen.

Die Ausschussmehrheit zog daraufhin ihren Antrag auf Messungen zurück. Und auch ein weiterer Antrag, der einen Bericht zum Stand der Abwassertechnik fordert, wurde auf Eis gelegt, bis die HyReKa-Studie eventuell bundesweit eine vierte Staustufe für Kläranlagen empfiehlt, die dann auch MRE herausfiltert. Heudorf: „Wir müssen abwarten.“ Die Bürger könnten übrigens selbst viel tun, um MRE gering zu halten: weniger Antibiotika einnehmen, damit diese nicht ins Abwasser gelangen. Die meisten Atem- und Harnwegserkrankungen klängen mit Hausmitteln wie viel Trinken und Bettruhe ab.

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