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Saisongarten: Nicht alle Pflanzen haben die Hitze gut überstanden

Von Spätsommer – das ist Erntezeit auf dem Saisongartenfeld in Steinbach. Trotz des extrem trockenen Wetters in diesem Jahr birgt der Acker immer wieder Überraschungen.
Petra Stoepel wird fündig: Auf ihrer Parzelle gräbt die Oberurselerin mit einer  Kartoffelgabel die lilafarbenen Knollen aus. Petra Stoepel wird fündig: Auf ihrer Parzelle gräbt die Oberurselerin mit einer Kartoffelgabel die lilafarbenen Knollen aus.
Hochtaunus. 

Im September kann man vom Saisongarten aus noch immer postkartenverdächtige Sonnenuntergänge hinter dem Altkönig erleben. Doch es wird bereits gegen 19.30 Uhr dämmrig. Wer nach Feierabend seine Parzelle gießen will, ist meist allein auf dem Feld – und darf nicht schreckhaft sein. Denn je nach Fantasie erscheinen die meterhohen Sonnenblumen wie eine gruselige Gestalt mit übergroßem Kopf, die im Wind wackelt. Hier könnte ein Roman von Stephen King spielen!

Tatsächlich jedoch ist es auf dem Feld so friedlich wie sonst kaum wo in der weiteren Umgebung. Das Gemüse wächst, nebenan grasen Pferde und werkeln Arbeiten auf den Neubauten. Und das Meer an allmählich verblühenden Sonnenblumen lässt sogar den Autoverkehr verblassen.

Eine Angewohnheit vieler Steinbacher Saisongärtner zeugt jedoch von Herzlosigkeit: In einem Gurkenglas stellen sie demonstrativ vor ihrer Parzelle die von ihnen eingesammelten Kartoffelkäfer zur Schau. Die sind darin erstickt, verhungert, ertrunken. Das erinnert an die Zeiten von Wiedertäufer-Käfigen und Marterpfählen . . .

Allerdings haben die Käfer uns alle zu Mördern werden lassen. In Massen und in sämtlichen Entwicklungsstadien – als dicke, gestreifte Käfer, als schwabbelige rote Maden oder als dottergelbes Gelege – saßen sie am Kartoffelgrün und nagten es in Nullkommanix ab. Zuletzt ragten nur noch gakelige Stängel ohne Blätter aus der Erde.

Umso größer die Überraschung, als wir Ende August mal vorsichtig nach Knollen suchten. Es gibt welche – und die sind nicht einmal klein! Wie war das: Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln . . . Das Ernten unserer bescheidenen zehn Quadratmetern fühlt sich an wie eine Schatzsuche. Mit Spaten oder Grabegabel in die aufgehäufelte Reihe – aber aufgepasst, dass keine Knolle gespalten wird! Dann mit den Händen nach weiteren „Goldnuggets“ forschen. Die Fingernägel sind danach schwarz, aber selbst geerntete Kartoffeln schmecken großartig!

Bei den Kürbispflanzen, die wegen der Hitze ihre Fruchtbarkeit nach einem „Kind“ eingestellt hatten, ist ein Wunder geschehen: Nach ein paar Tropfen Regen und kühleren Winden kamen neue Blüten! Der Wirsing sieht gut aus; der Blumenkohl dagegen ist von Anfang an gelblich und schmeckt bitter. Für die nachgepflanzten Salatköpfe ist der sonnige Spätsommer offenbar ebenfalls zu viel. Noch ganz klein, schießen sie und werden bitter. Viele Saisongärtner lassen sie einfach stehen. Aus den Salaten werden Skulpturen, die bizarr in die Höhe wachsen und sogar an Blumen erinnern. Nur genießbar sind sie dann nicht mehr.

Das Dossier zur Serie

Alle Folgen unter www.taunus-
zeitung.de/themen/saisongarten./

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