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Und für ihren Brunnenmeister Rainer wird ein Traum wahr: Oberursel: Ann-Kathrin I. ist eine strahlende Königin

Ausschlafen, faulenzen und sich ankleiden lassen – das ist nichts für Ihre Hoheit. Das kann unsere Mitarbeiterin Tatjana Seibt bestätigen: Sie hat Ann-Kathrin I., Oberursels neue Brunnenkönigin, am Tag ihrer Krönung begleitet – bei dem eines nicht fehlen durfte: Nervennahrung.
Glücklich lächeln sie in die Kamera: Oberursels neue Brunnenkönigin Ann-Kathrin I. und ihr Brunnen-
meister Rainer. Foto: Jochen Reichwein Glücklich lächeln sie in die Kamera: Oberursels neue Brunnenkönigin Ann-Kathrin I. und ihr Brunnen- meister Rainer.
Oberursel. 

Es ist ein beachtliches Täschchen, das Ann-Kathrin Kofler ins Auto legt. Randvoll mit Süßigkeiten. „Ich brauch das“, sagt sie lächelnd. „Wer weiß, wann es wieder was zu essen gibt. Aber auch so brauche ich Zucker.“ Es sind die vorerst letzten Stunden im bürgerlichen Leben von Ann-Kathrin Kofler. Nach diesem Abend wird sie ganz Oberursel nur noch als Brunnenkönigin kennen.

Bilderstrecke Oberursel: Brunnenkönigin Ann-Kathrin I. tritt Regentschaft an
Oberursel hat seit Samstag eine neue Regentin: Brunnenkönigin Nadine I. gibt das Zepter an Ann-Kathrin I. ab. Wir haben die Fotos von der Zeremonie!Brunnenkönigin Ann-Kathrin Kofler mit Brunnenmeister Rainer Böhrig, Nadine I. mit Brunnenmeister Christian und GasthoheitenThomas Poppitz

Bis zu diesem Moment, da sie die Tasche ins Auto legt, hat sie schon einen recht arbeitsreichen Samstag hinter sich. Mama Gisela hat sie um sieben Uhr morgens geweckt. „Das ist nicht früh“, erklärt Gisela Kofler (60), „normalerweise sind wir um diese Zeit schon lange auf.“ Während andere also noch im Bett liegen, macht sich Familie Kofler auf, die Stadthalle zu schmücken. „Ich kann nicht einfach nur zusehen, während andere etwas tun. Ich will mithelfen“, sagt die designierte Königin. Buchsbäumchen und Margeriten vor die Bühne, Frühlingsblüher in den großen Karren am Eingang. Papa Hans-Georg (63) und Bruder Michael (37) immer mit dabei. Danach geht’s ab zum Einkaufen und auch der Friseur-Termin darf nicht fehlen. „Damit fällt der Mittagsschlaf aus“, sagt Ann-Kathrin. Denn mit den geflochtenen Haaren kann sie sich nicht noch einmal hinlegen. „Vielleicht werden wir noch ein bisschen Wii spielen bis zum Abend“, sagt Ann-Kathrin.

Doch dazu kommt es nicht. Es ist 16 Uhr, als Queen-Mum Gisela die Familie zum Kaffeetrinken an den Tisch holt. Es gibt Marmor-Kuchen. „Das ist mein Lieblingskuchen“, erzählt die designierte Königin. Aus Früchten macht sie sich nichts, Biskuitboden isst sie allerdings ganz gern. „Ich mache inzwischen immer zwei Böden, damit wir auch noch den Rand von unserem Kuchen bekommen“, erzählt Mutter Gisela und lacht herzlich. Humor wird in der Familie groß geschrieben. Auch der Zusammenhalt.

Und während die ersten schon am Kaffee nippen, hat sich Papa Hans-Georg vorgenommen, den Traktor noch schnell auf Hochglanz zu bringen. Oder zumindest anzufangen. Das beschert ihm prompt Aufträge aus der Familie, weitere Putzarbeiten zu übernehmen. Dass es reichlich Kuchen gibt, hat seinen Grund. „Wer hier nicht drei Stück isst, dem schmeckt es nicht“, sagt Hans-Georg Kofler lachend.

Die Verabschiedung ihrer Vorgängerin möchte Ann-Kathrin nicht verpassen, deshalb will sie schon um 18 Uhr in der Stadthalle sein. Drei Stunden vor ihrem eigenen Auftritt. „Ich bin immer noch nicht nervös“, sagt sie, während sich das Sprechtempo der 24-Jährigen langsam erhöht. Bevor es gen Stadthalle geht, steht jedoch noch ein typisches Frauenthema an: Nägel lackieren und Kleid aussuchen. Das macht Ann-Kathrin normalerweise immer selbst. Wie vieles in ihrem Leben. Nur heute muss Mama Gisela ein wenig helfen. Auch Schwester Christine (33) ist dabei, die extra aus München angereist ist, um die kleine Schwester am großen Abend zu begleiten.

Immer wieder wirft Ann-Kathrin einen Blick auf ihr Handy. Sie will die Zeit im Blick behalten, aber auch die Nachrichten, die eintrudeln könnten. „Welches Kleid soll ich anziehen?“, fragt sie in die Runde. Zur Auswahl stehen gleich drei Abendkleider in lang und kurz. Trotz der Süßigkeiten ist Ann-Kathrin sehr schlank und jedes schmeichelt ihrer Figur. Die Kleider hat sie in ihrem kleinen Zimmer aufgehängt, „fürs Aufräumen war keine Zeit mehr“, sagt sie mit Blick auf einen Karton und das Bett, auf dem das Ergebnis ihrer Ausmist-Aktion liegt. Die königliche Robe ist schon in der Stadthalle. Ein Kleid für maximal drei Stunden.

Auch Schwester Christine hat die Qual der Wahl und muss sich zwischen einem kleinen Schwarzen und einem dunkelblauen Abendkleid entscheiden. Papa hilft beim Zumachen, Mama beäugt kritisch und praktisch. „Für mich geht auch ein Traum in Erfüllung“, verrät sie. Sie selbst wäre als junge Frau gern Laternenkönigin geworden. Dass sie nun Queen-Mum ist, „macht mich unheimlich stolz.“

Ann-Kathrin entscheidet sich für ein kurzes Kleid, das sie problemlos allein anziehen kann, und schon geht es los. In die Handtasche steckt sie ein Deo, Taschentücher, Handy, Portemonnaie und die Eintrittskarten, „sonst komme ich nicht rein“, erklärt sie. In der zweiten Tasche eben jene Wagenladung Süßigkeiten. „Das ist auch gegen die Aufregung.“ Immer wieder schaut sie nun auf die Uhr. „Ich mag es nicht unpünktlich zu sein.“

In der Stadthalle läuft bereits der Empfang. Ann-Kathrin kennt kaum jemanden. Ihr Brunnenmeister Rainer Böhrig ist schon da, wird später beim Einlass helfen. Sie wirft einen Blick in den Saal, ob noch alles wie am Morgen ist. „Der Buchsbaum ist verrutscht“, fällt ihr auf. Doch zum Zurechtrücken ist keine Zeit. Sie muss zum Schminken.

Die zwölfjährige Emily Förder kümmert sich um das Make-up. Der Teenager nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Und nun wird Ann-Kathrin doch ein wenig nervös. Immer wieder ermuntert sie das Mädchen sanft weiter zu machen. „Ist da nun Parfüm drin?“ Emily weiß es nicht, wird unsicher. Die künftige Hoheit ist allergisch gegen Parfüm. Geht das Make-up überhaupt so? „Ich vertraue dir“, sagt Ann-Kathrin und beweist Engelsgeduld.

Aber ihre Nervosität steigt nun merklich. Emily lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Endlich, punkt 19.30 Uhr ist sie fertig. Noch schnell auf Toilette und ab nach oben. Im Saal erwarten Ann-Kathrin ihre Familie und ihr bester Freund Tristan. Die Zeit rast wie im Flug. Gut, dass Ann-Kathrin die Zeit im Auge behält, sonst hätte sie womöglich den Zeitpunkt zum Umziehen verpasst.

Ihren Brunnenmeister Rainer kennt sie seit zwei Monaten. Sich voreinander umziehen? „Kein Problem, machen wir beim Chor auch so.“ Sie schlüpft ins Kleid, bindet Rainer die Fliege- und entwickelt ein Konfirmandenbläschen. „Das ist immer so“, sagt sie und vermeidet das Wort „aufgeregt“. Und dann das: Wasserflecken auf dem Kleid. Ein kleiner Aufschrei, wischen und tupfen. „Hoffentlich geht das weg“, ächzt sie. Sie hat Glück. Nach fünf Minuten ist nichts mehr zu sehen. Haare richten, Keks essen, ein letzter Blick aufs Handy und in den Spiegel, schon geht’s die langen Gänge entlang zur Bühne. Im Laufschritt, Rainer ihr dicht auf den Fersen. Für ihn werde ein Traum wahr, endlich einmal Brunnenmeister zu sein, erzählt er.

Während Thomas Poppitz auf der Bühne moderiert, erwarten Andreas Ruppel und Vater Kofler das Brunnenpaar hinter dem Vorhang. Dann der Schock. Rainers Rede ist nicht im Buch. „Du bist beim Theater, du improvisierst einfach“, gibt sie Anweisungen. „Ann-Kathrin weiß, was sie will und wie alles sein soll. „Die hat sich schon ins Leben gekämpft und ist immer ihren eigenen Weg gegangen“, erzählt Vater Hans-Georg. Er ist merklich stolz auf das Nesthäkchen. „Hoffentlich klappt der Sprung vom Wagen“, sagt Ann-Kathrin mit einem Blick auf den Traktor, auf den sie gleich mit Rainer klettert, während dieser von ihrem Vater und Andreas Ruppel auf die Bühne geschoben wird.

Noch wenige Sekunden. Ann-Kathrin und Rainer stehen bereit. Dann ist der große Moment da: Und mit einem dynamischen Sprung geht’s ins neue Leben.

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