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Königsteiner Narrenclub: Plaschis auf großer Fahrt

Von Mit ihrer großen Fremdensitzung haben sich am Samstagabend die Akteure des Königsteiner Narrenclubs „Die Plasterschisser“ in den närrischen Reigen eingeklinkt. Heimische Akteure und Narren aus der Region kreuzten auf der MS „Plaschi“ durch die sieben närrischen Weltmeere.
Bilder > Foto: Jens Priedemuth Tel. 0173-3110088
Königstein. 

Dass zur Hochphase der fünften Jahreszeit auch im Taunus der Bär steppt, ist hinlänglich bekannt und deshalb eigentlich auch nicht erwähnenswert. Mit Blick auf die große Fremdensitzung der Königsteiner „Plasterschisser“ jedoch ist das etwas ganz anderes. Da nämlich steppte am Samstagabend nicht der brummige Pelzträger, sondern eine gekrönte Lieblichkeit samt Gefolge.

In ihren Gewändern aus Samt und Seide wirbelten Isabelle I., amtierendes Burgfräulein der Kurstadt, und ihre beiden Hofdamen Helen und Angelika über die Bühne des Hauses der Begegnung und lieferten mit ihren „Tapps“ optisch und akustisch einen der „Knaller“ des Abends.

Der hatte auf dem Königsteiner Narrenschiff ganz traditionell mit dem „Einlaufen“ des Elferrates begonnen. Zwar waren – wie der Blick in den Saal zeigte – nicht alle Mann an Bord, hätten doch einige Passagiere mehr zusteigen können. Die jedoch, die die Passage auf der MS „Plaschi“ gelöst hatten, sollten ihren Spaß gehabt haben.

Leinen los und Anker hoch! Mit Rainer Kowald als erfahrenem Steuermann am Ruder segelte das Narrenschiff zunächst durch vertrautes Gewässer und geradewegs auf die Inseln der Einheimischen zu. Erster Halt: das Eiland der „tanzenden Toten“. Ein „Thriller“ zweifelsohne, aber einer mit einem erhöhten „Süß“-Faktor, verbarg sich hinter den gruseligen Masken doch der Stamm der Plaschi-Minis.

Wieder zurück auf See, meldete sich Protokoller Rolf Krönke via Bordradio mit Musik und Nachrichten aus der Heimat. Mit Königstein gehe es aufwärts, verkündete Krönke – vor allem bei den Friedhofsgebühren. Schon sei von Gebührenprellern und ersten heimlichen Bestattungen die Rede. Um die zu verhindern, würden jetzt Kassen-Häuschen an allen Friedhofseingängen installiert und 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, besetzt.

WC als Weltkulturerbe

Eine Umschreibung, die irgendwie auch auf den Toilettencontainer am Kapuziner-Platz zutreffen könnte. Das stille Provisorium – so die gute Nachricht, die via „Radio Königstein“ über den Äther kam – stehe mittlerweile so lange schon im Herzen der Stadt, dass es gute Chancen hätte, Weltkulturerbe zu werden.

Die Willkommenskultur in der Stadt bereitet Krönke derweil immer größere Sorgen. Denn um die sei es schlecht bestellt. Längst hielten die Falkensteiner ihren Hunden sogar die Schwänze fest, um zu verhindern, dass sie Königsteiner Wanderern freudig entgegenwedeln.

Dass es für beide Seiten eine echte Bereicherung sein kann, wenn Kernstadt-Plaschis und Bergwelt-Himbeeren ihre Kräfte bündeln, dafür war das Gastspiel von Jörg Pöschl in der Kurstadt-Bütt.

Verbunden mit der Erkenntnis, „Bütte redde müsst mer könne“ hatte der Falkensteiner zwar gleich zu Beginn seines Beitrags eingestanden, dass er sich mehr als schwer damit getan habe, einen Vortrag zusammenzureimen. Davon aber merkte man nichts, aber auch gar nichts. Wie Pöschl das harte Leben eines Büttenredners leicht und amüsant skizzierte, wie er Mundart-Verse drechselte und Kokolores wie Konfetti im wortgewaltigen Stakkato unters närrische Volk streute – das war der hörenswerte Beleg dafür, dass die gute alte Büttenrede nach wie vor ihren Platz in der Fastnacht verdient hat.

Gleiches gilt natürlich für das kleine, aber feine Team der „Königstänzer“ wie auch für die Resi-Dancers, die, kurz nachdem sie die MS „Plaschi“ geentert hatten, auch gleich das über Bord warfen, was zur Fastnacht so gar nicht passen will – persönliche Eitelkeiten. Getreu dem Motto „Süßwaren statt Schlankheitswahn“ standen Popcorn, Schokolade und ein Extra-Klecks Sahne auf dem Trainingsprogramm. Dass die Damen dabei vom Schnittchen zum Törtchen mutierten, die Problemzone zunehmend zum Notstandsgebiet wurde, tat der guten Laune der Mädels keinen Abbruch, wussten sie doch, dass die vermeintlich überflüssigen Pfunde nach dem Auftritt im Kostüm hängen blieben.

Wer schon immer mal die E-Mail-Adresse des Papstes („Urbi@Orbi“) wissen wollte, der erfuhr die und einiges mehr von Punk-Pippi Langstrumpf (Nicole Hülsmann) und ihrem Austausch-Affen „Frau Nilsson“ (Ela van der Hejden). Als Duo mittlerweile schon seit 6 Jahren an Deck der MS „Plaschi“, decken sie alle Schwächen gnadenlos auf – vor allem die der Männer, aber auch die der Kurstadt. Wer wäre schon auf die Idee gekommen, dass Pippis schmerzhafter Beckenschiefstand darauf zurückzuführen ist, dass in Königstein um 21 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Es braust und tobt

Daran war zumindest am Samstagabend nicht zu denken. Im Gegenteil. Da nahm die MS „Plaschi“ nach 21 Uhr erst so richtig Fahrt auf. „Aufgepeitscht“ durch den Shanties schmetternden Elferrat, schlug die Stimmung nach der Pause hoch, stand das Publikum mehr, als dass es saß.

Mit aktuellen Hits und Klassikern der Meenzer Fastnacht brauste die Musik- und Showband der Mainzer Jocusgarde über die Gäste hinweg, „tobten“ die „Freaky Dolls“ wie Windsbräute über die Bühne, rollten die „Tugendbolde“ aus Undenheim mit ihrer „Mainzelbahn“ und starken Stimmen durch den Saal. Untermalt von den „Singenden Kellermeistern“, kehrte die MS „Plaschi“ wieder ins HdB zurück.

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