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Friedrichsdorfer Rathaus: Platz schaffen für Flüchtlinge

Umzug im Rathaus: Die Mitarbeiter der Jugendpflege und die Personalratsvorsitzende räumen ihre Büros. Dort und in zwei Sitzungszimmern sowie in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung werden 25 bis 30 Asylbewerber untergebracht. Wir haben uns die Räume angeschaut.
Hier sollen bald Flüchtlinge wohnen: Im ehemaligen Büro der Jugendpflege werden Umzugskisten gepackt. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Hier sollen bald Flüchtlinge wohnen: Im ehemaligen Büro der Jugendpflege werden Umzugskisten gepackt.
Friedrichsdorf. 

Große Aufmerksamkeit hat die Ankündigung des Friedrichsdorfer Bürgermeisters Horst Burghardt (Grüne) erregt, er werde im Rathaus Flüchtlinge unterbringen (wir berichteten). Der Behörden-Chef geht mit gutem Beispiel voran und lässt seine Mitarbeiter enger zusammenrücken, so dass im fünften Stock des Rathaus-Hinterhauses Räume für 25 bis 30 Personen hergerichtet werden können. Wir haben geschaut, wie es dort aussieht.

In den beiden ehemaligen Büroräumen der Jugendpflege stehen gepackte und noch leere Umzugskisten. Ein Schreibtisch und zwei Drehstühle sind auch noch da, aber nicht mehr lange. Künftig arbeiten die Jugendpfleger im früheren Büro der Frauenbeauftragten. Die wiederum sitzt in einem der beiden Räume, in denen früher der hauptamtliche Erste Stadtrat und seine Vorzimmerdame ihre Büros hatten. „Der zweite der dortigen Räume ist jetzt Besprechungszimmer.“ Bekanntlich hat Friedrichsdorf keinen hauptamtlichen Ersten Stadtrat mehr. Der ehrenamtliche Erste Stadtrat Lothar Weinmann (CDU) hat kein Büro im Rathaus.

Das Büro der Personalratsvorsitzenden – ein kleines Zimmerchen – ist schon komplett leer. Die Kollegin ist bereits ins Vorderhaus gezogen. Die ehemalige Hausmeisterwohnung – natürlich mit Küche und Bad – ist ebenfalls leer. „Der frühere Hausmeister wohnt jetzt in einem Altenheim“, berichtet Burghardt. Der jetzige Hausmeister lebe in Köppern.

Im ehemaligen Sitzungszimmer stehen noch Konferenztisch und Stühle. Auch der bisherige Personal-Aufenthaltsraum ist noch eingerichtet: mit Fotos und blauem „schwarzem Brett“ an den Wänden und je einem langen und einem runden Tisch sowie blauen Polsterstühlen. Ein Kopiergerät steht auch noch da. Aber das bisschen Wandschmuck und die paar Möbel sind schnell weggeräumt. Auf dem Gang sind Damen- und Herrentoilette. „Da bauen wir noch eine Dusche ein“, erklärt Burghardt.

„Die beiden Versammlungsräume wurden unter anderem für Fraktionssitzungen genutzt. Eine neue Lösung dafür haben wir noch nicht“, sagt Burghardt. Auch Platz für einen anderen Personalaufenthaltsraum sei noch nicht gefunden. Aber das muss wohl noch warten. Die Zeit drängt. Im Dezember werden 125 Asylbewerber nach Friedrichsdorf kommen. Bis Ostern müssen 170 weitere Personen untergebracht werden.

Für die 25 bis 30 Flüchtlinge, die bald ins Rathaus ziehen dürfen, wird es in den Räumen trotzdem eng werden. „Das ist kein Luxus, aber es geht, weil es relativ viele Räume sind“, sagt Burghardt. Immerhin sei die künftige Rathaus-Flüchtlingsunterkunft „eines der besseren Provisorien“. Ein schlechtes Provisorium dagegen wäre die Seulberger Sporthalle, so der Rathauschef weiter. Das Gebäude in eine Flüchtlingsbleibe umzuwandeln, wolle er vermeiden, auch wenn dort 150 Menschen Platz finden würden.

Separater Eingang

Wichtig bei der Rathaus-Unterkunft ist ihm: „Wir haben einen separaten Eingang zum fünften Stock, so dass niemand außerhalb der Dienstzeiten im Rathaus herumspazieren kann.“ Ob vor allem Familien dort oben einziehen sollen? „Das würde sich anbieten, aber wer dort hineinkommt, entscheidet der Kreis. Dort ist man zwar kooperativ, aber die Mitarbeiter im Landratsamt wissen vorher auch nicht, was für Menschen untergebracht werden müssen.“

Auch für die Rathaus-Mitarbeiter sei die Sache nicht leicht. Nicht nur, weil einige von ihnen in andere Büros ziehen müssen. Auch die Suche nach weiterem Wohnraum für Flüchtlinge und die Einrichtung der gefundenen Unterkünfte erfordere einige Anstrengung.

Platz für weitere 12 bis 15 Asylbewerber wird im Jugendzentrum Burgholzhausen in der Peter-Geibel-Straße gemacht. Und die Firma Milupa hat der Stadt, wie berichtet, ein leerstehendes Bürogebäude neben dem Hochregallager in der Max-Planck-Straße zur Verfügung gestellt. „Das ist bis zum 1. Dezember bezugsfertig. Sanitäranlagen und Brandmeldeanlage sind vorhanden.“ Noch bis Ostern werde es dauern, bis das Industriegebäude in der Otto-Hahn-Straße mit Toiletten, Duschen und Brandschutz ausgestattet sei. Und das frühere Schwesternwohnheim des Vitos Waldkrankenhauses werde wohl erst zum Sommer als Flüchtlingsunterkunft eingerichtet sein.

Suche geht weiter

Über weitere Immobilien werde verhandelt. Aber die Sache bleibe schwierig. Trotz der bereits gefundenen Lösungen sucht der Rathauschef noch immer händeringend nach Unterkünften und schreibt deswegen Firmen und Kirchengemeinden an. Auch Vermieter privater Wohnungen bittet er, sich zu melden. Allerdings habe er auch schon Angebote mit überhöhten Preisvorstellungen bekommen. Es gebe eben immer Menschen, die versuchten, Situationen auszunutzen. Was die Lage auch nicht einfacher macht: Am kommenden Mittwoch sind Haushaltsberatungen. Da wird es auch darum gehen, wie viel Geld für die Unterbringung von Flüchtlingen eingeplant werden muss.

Kurzum: Wer der Stadt Friedrichsdorf eine Immobilie für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen kann, der wird gebeten, sich im Rathaus, Hugenottenstraße 55, zu melden. Und zwar bei Wolfgang Ditterich, Telefon (0 61 72) 7 31 12 42, und Claudia Strack, Telefonnummer (0 61 72) 7 31 12 60.

Derzeit leben 131 Asylbewerber in der Stadt, die meisten von ihnen im Wohnheim in der Max-Planck-Straße, die anderen sind in mehreren Wohnungen im Stadtgebiet untergebracht. Das Diakonische Werk Hochtaunus betreut die Menschen.

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