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Kronberg streitet über Projekt: Rahmen am Malerblick: Ist das Kunst oder kann das weg?

Von „Hingucker“, kunstvolle „Provokation“ oder schlicht unnötig – was die geplante „Einrahmung“ des Kronberger Malerblicks betrifft, gehen die Fraktionen der Burgstadt das Projekt aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln an.
<span></span> Foto: Jochen Reichwein
Kronberg. 

Die Stadtverordneten werden über den Rahmen für den Malerblick abstimmen können – und zwar in der Sitzung am 22. Juni. Zu diesem Ergebnis ist Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) nach den beiden Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) sowie des Kultur- und Sozialausschusses gekommen.

Bis zur nächsten Sitzung des Ältestenrates am Donnerstag, 4. Mai, wollen sich die Fraktionen von SPD, FDP, Grünen und UBG positionieren. Für die nächste Sitzungsrunde sollen dann Varianten vorgestellt werden. Temmen: „Ich werde darauffolgend in die nächste Sitzungsrunde der Stadtverordnetenversammlung einen Antrag einbringen, um die Meinung der Stadtverordnetenversammlung zum Projekt einzuholen.“

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Metallrahmen am Kronberger Malerblick erregt die Gemüter Eine Aussicht zum Einrahmen?

Das Vorhaben, den Malerblick mit einem großen, roten Metallrahmen einzufassen, kommt nicht bei allen gut an. Bürgermeister Temmen (parteilos) zeigt sich überrascht von der Ablehnung.

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Bis dahin werde auf Basis der Vorschläge vom Regionalpark Rhein-Main eine Überarbeitung der Planung und der Darstellung vorgenommen, welche dem ASU und dem KSA vorgestellt und bis zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 22. Juni diskutiert werden könne.

Feststeht schon jetzt: CDU und KfB lehnen einen 20 Quadratmeter großen Rahmen aus Cortenstahl sowie die geplanten Bänke mit erhöhter Rücklehne ab (wir berichteten).

„Kunst braucht Mut.“ Davon ist Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) überzeugt. Ohne diesen Mut wäre der Eiffelturm in Paris nie gebaut worden, ohne diesen Mut hätte es nie eine Documenta in Kassel gegeben, argumentierte der Rathauschef im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt tapfer für die Idee, den Malerblick mit einem Rahmen einzufassen. Temmen ist sich sicher, dass dies ein Anziehungspunkt für Touristen werden kann, ein Beitrag also zur „Stärkung und Schärfung des touristischen Profils“.

Yvonne Richter, Geschäftsführerin der Regionalpark GmbH Taunushang, hatte zuvor den Entwurf vorgestellt – und auf andere Projekte des Regionalparks hingewiesen. Die Idee des Kunstprojektes sei es, die Landschaft „in Szene zu setzen“. Gleichzeitig solle auf das Erbe der Künstlerkolonie hingewiesen und die Aufenthaltsqualität dort verbessert werden.

Ein Landschaftsfenster könne ein Einstiegs- oder Endpunkt der Nidda-Opel-Zoo-Route werden. Und es solle die Aufmerksamkeit der Regionalparkrouten-Besucher auf sich ziehen. Es gehe darum, mit dem Fenster, das an der Hangkante mit einem Betonsockel im Boden verankert werden soll, den Blick auf Kronberg (Burg und Altstadt) sowie auf die Frankfurter Skyline zu lenken.

Ein Leitmotiv des Regionalparks sei: „Der Landschaft einen Sinn und den Sinnen eine Landschaft zu geben.“ Bei vielen der Kunstwerke im Regionalpark wird die Blickachse zur Frankfurter Skyline hergestellt.

Kiep: „Massiver Eingriff“

„Wer bisher nicht mitbekommen hat, dass das ein grandioser Blick ist, dem hilft auch kein Landschaftsfenster“, sprach sich KfB-Stadtverordneter Dr. Jochen Eichhorn gegen den Rahmen aus. Als einen massiven Eingriff in den wunderschönen Blick, mit dem Bürger und Touristen täglich konfrontiert würden, bezeichnete FDP-Fraktionsvorsitzender Walther Kiep das Vorhaben. Sein Parteikollege Holger Grupe findet das Fenster zwar „persönlich charmant“, in der Fraktion gebe es aber unterschiedliche Meinungen.

Einen Rahmen in dieser Größe lehne die CDU-Fraktion ab, sagte Reinhardt Bardtke, Fraktionsvize der CDU. Er wies darauf hin, dass der Blick von Generationen von Malern dort festgehalten worden sei – ohne dass sie einen Rahmen für notwendig erachtet hätten. Zudem befürchtet der Christdemokrat die Beeinträchtigung des Verkehrs, weil Autofahrer abgelenkt werden könnten.

„Groß – und das ist gut so“

SPD-Stadtverordnete Andrea Poerschke bejaht das Projekt als einen „Hingucker“: „Der Rahmen ist groß – und das ist gut so.“ Sie kritisierte, dass CDU und KfB mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit gegangen seien, bevor das Projekt den Stadtverordneten vorgestellt worden sei. Und SPD-Fraktionsvize Wolfgang Haas stichelte gegen die „Allianz aus CDU und KfB“, betonte, dass Kunst etwas mit Provokation zu tun habe und schlug eine provisorische Anbringung eines Rahmens vor, bevor die Entscheidung getroffen werde.

Unterschiedlich fiel auch die Beurteilung der Aufenthaltsqualität aus. Während CDU-Mann Bardtke in dieser Hinsicht keine Defizite habe feststellen können, sieht Grünen-Fraktionsvize Udo Keil dort durchaus Verbesserungsbedarf. Ohnehin solle man die Diskussion nicht auf den Rahmen verengen – schließlich war es seinerzeit auch bei dem Wegekonzept rund um den Opel-Zoo um den Malerblick gegangen.

Im KSA machte Stadtverordneter Stefan Möller für die CDU noch einmal deutlich, dass sich die von Bürgermeister Temmen zitierte „zustimmende Kenntnisnahme“ zu den Rahmen-Gedanken in der Ausschusssitzung im Juni vergangenen Jahres auf die grundsätzliche Idee der Aufwertung des Malerblickes bezogen hatte. Nicht aber auf den 20 Quadratmeter großen Rahmen aus rostigem Stahl.

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